Trump droht von der Leyen mit hohen Zöllen und Handelsstopp
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Hohe Zölle und Handelsstopp: Trump wütet wegen EU-Annäherung an Kanada – „lächerlich“
Von: Felix Busjaeger
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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat mit einem Vorschlag für Aufsehen gesorgt: Sie schlägt Kanada als EU-Partner vor. Trump reagiert deutlich.
Washington, DC – Der Vorschlag von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der Europäischen Union zu machen, hat unmittelbar scharfe Kritik aus Washington ausgelöst. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Initiative als „lächerlich“ und drohte mit wirtschaftlichen Konsequenzen. Falls er den Vorstoß als „feindseligen Akt“ werte, werde er hohe Zölle verhängen oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen einstellen, warnte Trump vor Reportern.
Sollte die EU in böser Absicht handeln, würden die USA „sehr hohe Zölle gegen Europa“ verhängen, führte der US-Präsident aus. Zugleich ließ Trump offen, unter welchen Bedingungen er die Initiative tolerieren würde. Er sagte lediglich, es sei in Ordnung, falls die Absicht gut sei, ohne dies näher zu erläutern.
Im Zollstreit mit Kanada: Trump reagiert auf EU-Vorstoß – Carney begrüßt Vorschlag
Von der Leyen hatte den Vorschlag am Mittwoch in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union im Europäischen Parlament in Straßburg gemacht. Als Begründung nannte sie gemeinsame Werte: „Wir sehen die Welt mit den gleichen Augen“, sagte sie. Europa und Kanada glaubten gemeinsam an die Demokratie und nicht daran, dass die Macht den Stärksten, Reichsten oder Lautesten gehöre. Als konkrete Bereiche für eine engere Zusammenarbeit nannte von der Leyen Technologiefragen, die Produktion von Rüstungsgütern, Künstliche Intelligenz sowie die Arktispolitik. Wie eine assoziierte Mitgliedschaft institutionell und rechtlich ausgestaltet werden soll, ließ sie jedoch offen.
Kanadas Premierminister Mark Carney, der als Ehrengast bei der Rede anwesend war und von der Leyen bereits am Mittwoch persönlich getroffen hatte, begrüßte den „Vorschlag“ zu einem „weitaus stärkeren, ehrgeizigeren Bündnis in der Zukunft“. Eine assoziierte Mitgliedschaft erwähnte sein Büro in seiner Stellungnahme allerdings nicht direkt. Von der Leyen sagte indes, die angestrebte Partnerschaft richte sich nicht gegen andere, sondern solle die gemeinsame Stärke Europas und Kanadas erhöhen.
Carney hatte bereits am Sonntag klargestellt, Kanada strebe keine reguläre EU-Mitgliedschaft an. Sein erklärtes Ziel ist eine „einzigartige Sicherheits- und Wirtschaftsallianz“ mit der EU. Am Donnerstag (17. September) will Carney ab 11:30 Uhr selbst vor dem Europäischen Parlament sprechen und den Abgeordneten seine Idee dieser Allianz erläutern.
Reaktion auf Trumps Zölle: EU und Kanada rücken zusammen
Hintergrund des Vorstoßes ist der massiv verschärfte Handelskonflikt zwischen Ottawa und Washington. Sowohl Kanada als auch die EU leiden unter der unberechenbaren Handels- und Außenpolitik der USA unter Präsident Trump. Dies bewegt beide Seiten dazu, ihr Augenmerk verstärkt auf andere Bündnisse zu richten. Die USA haben zuletzt Zölle von bis zu 50 Prozent auf eine lange Liste kanadischer Produkte verhängt, Kanada hat mit Gegenzöllen reagiert.
Die wirtschaftlichen Folgen der US-Strategie unter Trump sind bereits messbar: 2025 gingen Kanadas Exporte in die USA um 3,7 Prozent zurück, während die Ausfuhren in andere Länder um 11,1 Prozent zunahmen. Der Anteil der Nicht-US-Märkte an den kanadischen Exporten stieg damit auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahrzehnten, wie das kanadische Statistikamt mitteilte.
„Schrecklicher Handelspartner“: Trump wütet wegen Kanada
Ob der Vorstoß der EU-Kommissionspräsidentin realisierbar ist, bleibt jedoch fraglich. Eine reguläre EU-Mitgliedschaft Kanadas schließt Artikel 49 des EU-Vertrags aus, der nur europäischen Staaten den Beitritt erlaubt. Auch das bestehende Freihandelsabkommen CETA, das seit 2017 vorläufig angewendet wird, ist bis heute nicht endgültig in Kraft, weil zehn Mitgliedstaaten es noch nicht ratifiziert haben.
Das Modell einer assoziierten Mitgliedschaft ist nicht neu: Bundeskanzler Friedrich Merz hatte einen ähnlichen Vorschlag bereits für die Ukraine gemacht, der unter anderem die Teilnahme an EU-Gipfeln und Ministerräten ohne Stimmrecht vorsieht. Trump äußerte sich zu Kanada knapp: Das Nachbarland sei zuletzt ein „schrecklicher Handelspartner“ gewesen.
Bereits jetzt arbeiten Kanada und die EU schon enger zusammen, als es zunächst vermuten lässt. Das Land ist unter anderem seit 2024 an einem wichtigen Teil des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe beteiligt. 2025 schlossen beide Seiten eine umfassende Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft. Seit Juni dieses Jahres ist Kanada außerdem das erste nichteuropäische Land, das am EU-Verteidigungsinstrument Safe beteiligt ist. Kanadische Unternehmen und Produkte können damit unter erleichterten Bedingungen bei gemeinsamen Beschaffungen berücksichtigt werden. (Quellen: dpa, AFP) (fbu)