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Trump im Ukraine-Krieg: Warum sein Friedensplan an Putin scheitert

Welt

Diplomatie im Ukraine-Krieg

Trump begeht drei Fehler

MeinungEin Gastbeitrag von Fredrik Wesslau

19.09.2026 - 10:26 UhrLesedauer: 4 Min.

Trumps neue Friedensinitiative für die Ukraine weckt vorsichtige Hoffnungen. Doch drei entscheidende Fehler gefährden den Erfolg der US-Diplomatie.

Trumps Sonderbeauftragte, Steve Witkoff und Jared Kushner, waren endlich in Kiew. Nach mehr als anderthalb Jahren erfolgloser Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine war dies ihr erster Besuch in der ukrainischen Hauptstadt. Präsident Trump scheint seine Friedensbemühungen in der Ukraine wiederbeleben zu wollen.

Die Gesandten geben an, neue Vorschläge vorgelegt zu haben, und wollen ein trilaterales Treffen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten einberufen. Bislang deuten Berichte über die Treffen in Moskau und Kiew allerdings darauf hin, dass nicht viel Neues auf dem Tisch liegt. Tatsächlich sagte Präsident Selenskyj nach dem Treffen mit den US-Gesandten, dass der Krieg bis in den Winter hinein andauern werde.

Könnten Trumps neue Bemühungen diesmal Erfolg haben? Vielleicht. Aber sie sind zum Scheitern verurteilt, wenn er nicht drei Fehler korrigiert.

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Zum Autor

Fredrik Wesslau ist ein schwedischer Diplomat. Als solcher war er für die UN, die EU und die OSZE im Kosovo, im Südkaukasus und im Sudan/Südsudan sowie im Kampf gegen die Piraterie vor der Küste Afrikas tätig. Aktuell ist er Senior Fellow beim European Council on Foreign Relations. Bis Dezember 2022 arbeitete er in Kiew als stellvertretender Leiter der EU-Beratungsmission in der Ukraine.

1. Fehler: Die USA blicken wie Immobilienmakler auf den Krieg

Erstens betrachten Trump und seine Gesandten den Krieg Russlands gegen die Ukraine aus der Perspektive von Immobilienmaklern. Für sie geht es um Nutzflächen und Vermögenswerte. Es geht darum, wessen Eigentum der Donbass ist und wem das Kernkraftwerk Saporischschja "gehört".

Sie begreifen nicht den grundlegenden Zusammenhang der imperialen Großmachtambitionen Russlands in seiner Nachbarschaft und darüber hinaus. Sie verstehen nicht die in Russland weitverbreitete Ansicht, dass die Ukraine kein echtes Land und die Ukrainer kein echtes Staatsvolk seien. Sie erkennen nicht, dass Putin wirklich glaubt, der Zusammenbruch der Sowjetunion sei die größte geopolitische Tragödie des 20. Jahrhunderts gewesen.

Warum ist das von Bedeutung? Reicht es nicht aus, ein erfahrener Immobiliengeschäftsmann zu sein? Es spielt eine Rolle, denn wenn man die Triebkräfte des Konflikts nicht versteht, wird man nie begreifen, wie man den Konflikt lösen kann. Es geht nicht um die Kontrolle über den Donbass; es geht darum, ob die Ukraine existiert oder nicht. Es geht darum, dass die Ukraine Teil des Westens und seiner Institutionen sein will: der EU und der Nato. Putin glaubt, dass Russland niemals eine Großmacht sein kann, wenn es die Ukraine nicht kontrolliert. In Putins Krieg ging es nie um Immobilien und Vermögenswerte; es geht um ein Imperium und Vorherrschaft.

2. Fehler: Russland wird überschätzt – die Ukraine wird unterschätzt

Der zweite Fehler besteht darin, dass Trump die russische Macht überschätzt und die Stärke der Ukraine unterschätzt. Trump glaubt, es sei unvermeidlich, dass Russland die Ukraine besiegen wird. Russland ist größer, hat mehr Einwohner und verfügt über Atomwaffen. Wie könnte es da nicht gewinnen?

Die Ukraine ist kleiner, hat weniger Einwohner und keine Atomwaffen. Laut Trump haben die Ukrainer keine Trümpfe in der Hand. Ihre Niederlage ist unvermeidlich. Besser, man akzeptiere einfach Moskaus drakonischen Forderungen und beende den Krieg zu russischen Bedingungen, als den Krieg weitergehen zu lassen.

Diese Fehleinschätzung hat die Herangehensweise der Trump-Regierung an die Friedensbemühungen von Anfang an geprägt. Das wurde bei dem Treffen zwischen Trump und Selenskyj im Weißen Haus im Februar vergangenen Jahres schmerzlich deutlich. Die US-Verhandlungsführer haben die russischen Positionen für bare Münze genommen und sie dann den Ukrainern und Europäern als ihre eigenen präsentiert.

Die Ukrainer haben gekonnt gezeigt, wie sich ein kleinerer Staat mit asymmetrischen Mitteln erfolgreich gegen einen größeren verteidigen kann. Wie so etwas funktioniert, hat Trump im Iran nun auch gelernt. Die Antwort der Ukraine auf Russlands Zermürbungskrieg war ein Krieg der Technologien. Drohnen haben den russischen Vormarsch entlang der Frontlinie gestoppt und wichtige militärische Infrastruktur tief im Inneren Russlands getroffen. Die Ukraine hat gezeigt, dass sie Trümpfe in der Hand hat.

3. Fehler: Druck auf Russland bleibt aus

Der dritte Fehler besteht darin, dass Trump glaubt, er könne ein Abkommen erzielen, ohne Druck auf Russland auszuüben. Für Trump als einen äußerst inkonsequenten und unberechenbaren Mann ist die einzige Beständigkeit seine Zurückhaltung, sich kritisch über Putin zu äußern oder Druck auf Russland auszuüben. Wenn überhaupt, dann hat Trump versucht, die Ukrainer und Europäer unter Druck zu setzen, Russlands Forderungen zu akzeptieren – Putin jedoch niemals.

Es wurde schon viel darüber geschrieben, warum das so ist. Ist Trump ein russischer Agent? Wird er mit "Kompromat" (kompromittierendem Material) erpresst? Will er nach Kriegsende mit Geschäften in Russland Geld verdienen? Den Grund werden wir vielleicht nie erfahren.

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Doch Trumps Zurückhaltung, Druck auf Russland auszuüben, ist in Moskau wohlbekannt. Putin sieht, dass er die Eskalation gegen die Ukraine ohne Konsequenzen oder Kosten vorantreiben kann. Ohne Druck hat Putin keinen Anreiz, in gutem Glauben zu verhandeln oder Zugeständnisse zu machen, die für ein Friedensabkommen oder einen Waffenstillstand notwendig wären.

Tatsächlich hat der fehlende Druck den Weg für eine weitere Eskalation geebnet. Putin sieht, dass er die Lage verschärfen kann – wie wir in den vergangenen Wochen bei den unaufhörlichen Luftangriffen auf Kiew gesehen haben –, ohne dass Washington Strafmaßnahmen ergreift.

Die Europäer müssen Trumps schlimmste Instinkte zügeln

Putin spielt Trumps Verhandlungstheater mit, um ihn nicht zu verprellen und nicht schwach zu wirken. Doch Putin wird niemals in gutem Glauben verhandeln, solange kein Druck – oder die glaubhafte Androhung von verstärktem Druck – seitens der Vereinigten Staaten ausgeübt wird.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Trumps Friedensbemühungen Erfolg haben werden. Doch es ist unwahrscheinlich. Bislang deutet nichts darauf hin, dass er irgendetwas von all dem verstanden hat oder seinen Kurs korrigiert.

Den Europäern kommt daher eine immer wichtigere Rolle zu. Sie müssen Trumps schlimmste Instinkte zügeln, ihm helfen zu erkennen, wer der eigentliche Störfaktor ist, und ihn dazu bewegen, Putin echte Kosten aufzuerlegen. Das Beste, was man realistischerweise von Trumps neuem Interesse an einer Friedenslösung erwarten kann, ist, dass die Vereinigten Staaten weiterhin Waffen und Munition an die Ukraine verkaufen, darunter auch "Patriot"-Abfangraketen, weiterhin Geheimdienstinformationen weitergeben und die bestehenden Sanktionen gegen Russland aufrechterhalten. Viel mehr kann man mit Trump im Weißen Haus wohl nicht von den USA erhoffen.

Hinweis der Redaktion: Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinungen der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion.

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