Trump lobt „sehr kraftvollen Spot“: Schmähvideo mit entfremdeter Mutter sorgt für Empörung im US
Im Rennen um das Gouverneursamt im US-Bundesstaat Ohio hat ein umstrittenes Wahlkampfvideo eine Kontroverse zwischen Präsident Donald Trump und seinen Republikanern entfacht. Der republikanische Kandidat Vivek Ramaswamy, der in Umfragen zurückliegt, wollte seine demokratische Kontrahentin Amy Acton als Lügnerin darstellen und holte dafür deren alte, entfremdete Mutter in eines seiner Wahlkampfvideos. Der Schritt sorgte parteiübergreifend für harsche Kritik, denn Acton war als Kind Opfer sexuellen Missbrauchs.
Sie hatte im Wahlkampf von den Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit gesprochen. Demnach wurde sie vom damaligen Partner ihrer Mutter vergewaltigt. Diese verlor später das Sorgerecht. Sie und ihr Bruder hätten als Kinder zudem „in Angst“ vor ihrer „gewalttätigen und unberechenbaren“ Mutter gelebt. Seither hätten beide keinen Kontakt mehr gehabt.
Gerichtsakten bestätigen Actons Angaben. Sie kam mit zwölf Jahren in die Obhut ihres leiblichen Vaters, nachdem ihr Stiefvater wegen Vergewaltigung angeklagt worden war. Weil ihre Mutter und ihr Stiefvater flohen, wurde letzterer jedoch bis zu seinem Tod nie belangt.
Auch Republikaner kritisieren Video
Actons Mutter behauptete nun in Ramaswamys Wahlkampfvideo nun, ihre Tochter habe ein „ernsthaftes Problem“. „Sie ist eine Lügnerin, und sie lügt über ihre Vergangenheit.“
Actons Wahlkampfteam bezeichnete den Auftritt als eine „widerliche“ Kampagne und konterte mit einem Video von Actons Bruder, Philip Stearns. Er bezeichnete das Video als „verabscheuungswürdig“ und bestätigte, dass Acton im Alter von zwölf Jahren sexuell missbraucht wurde. Zu dem Stiefvater sagte er: „Nachdem er verhaftet worden war und Amy und ich aus ihrer Obhut genommen wurden, blieb unsere leibliche Mutter bis zu seinem Tod mit Amys Vergewaltiger verheiratet.“
Der noch amtierende Gouverneur Mike DeWine, ein Republikaner, bezeichnete die Kampagne am Donnerstag als „äußerst, äußerst bedenklich“. „Ich möchte das Ramaswamy-Wahlkampfteam dringend bitten, das zu entfernen.“ Auch weitere Republikaner sprachen sich gegen das Video aus.
Trump lobt Ramaswamy und beschimpft Kritiker
Wenig später schaltete sich auch Präsident Donald Trump mit einem Post auf Truth Social ein. Ramaswamy solle unbedingt an dem Video festhalten, damit alle wissen, was Actons Mutter zu sagen habe. Ramaswamy habe einen „sehr kraftvollen Spot veröffentlicht“. Es verlange „viel Mut“ so ein Video zu veröffentlichen. Gouverneur DeWine bezeichnete er als unfähig und illoyal. „Ich wünschte nur, die Mütter meiner Gegner wären so mutig, sich zu melden und zu erklären, dass ihr Sohn oder ihre Tochter ein Lügner ist“. Auch Vizepräsident JD Vance verteidigte den Spot.
Der 41-jährige Ramaswamy ist Sohn indischer Einwanderer und wurde 2023 bekannt, weil er sich in den Vorwahlen ebenfalls als Präsidentschaftskandidat bewarb. Dort verlor er aber deutlich gegen Donald Trump. Analysten mutmaßten damals schon, dass er nie das Ziel hatte, zu gewinnen, und sich nur für andere Posten empfehlen wollte: In Debatten verlor er über Trump kaum ein schlechtes Wort.
Der Multimillionär Ramaswamy trickste sich als Biotech-Unternehmer zu großem Reichtum. 2014 gründete er die Firma Roivant Sciences, die eingestellte oder vernachlässigte Medikamenten-Patente aufkaufen und weiterentwickeln sollte. Eines davon war das Alzheimer-Medikament Intepirdine, welches in Studien seine Wirkungsziele verfehlt hatte.
Ramaswamy betrieb eine massive Werbekampagne für das Medikament, pries es als Durchbruch der Medizin an. Im Zuge dessen brachte Ramaswamy eine Tochterfirma von Roivant an die Börse und sammelte Hunderte Millionen Dollar von Investoren ein. Bevor neue Studien die erneute fehlende Wirksamkeit des Medikaments bewiesen, verkaufte Ramaswamy Anteile und machte Millionen. Die herben Verluste, die die Firma über Jahre machte, trugen Investoren.