Trump lockt mit hohen Zinsen: Lohnt sich das?
Fünf Prozent und mehr
Trump lockt mit hohen Zinsen
27.09.2026 - 12:32 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Renditen für Staatsanleihen sind zuletzt stark gestiegen. Woran das liegt und ob Anleger zugreifen sollten.
Steigende Zinsen und anziehende Renditen klingen erst einmal nach einer guten Nachricht für Anleger. Das stimmt auch, wenn Sie neues Geld investieren wollen. Dann werden Staatsanleihen gerade immer interessanter. Sind Sie allerdings bereits in Bundesanleihen oder amerikanischen Staatsanleihen engagiert, den sogenannten US-Treasuries, dann haben Sie in den vergangenen Tagen einige Verluste gemacht, zumindest auf dem Papier.
Am Rentenmarkt geht es aktuell ziemlich turbulent zu. Von einem regelrechten "Ausverkauf" ist zu lesen. Vor allem amerikanische Anleihen flogen aus den Depots der Profi-Investoren. Doch warum eigentlich? US-Treasuries gelten doch als super sicher.
Aus diesen Gründen schwindet das Vertrauen
Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen die Papiere von den Ratingagenturen mit Bestnoten bedacht wurden, gelten sie immer noch als sehr sicher mit stabilem Ausblick. Ihre Bestnoten haben sie allerdings schon vor einiger Zeit verloren, weil Standard & Poor’s (S&P), Moody’s Ratings und Fitch die hohen Haushaltsdefizite, steigende Schulden und damit auch steigende Zinslasten monierten.
Genau diese Gründe sind es auch jetzt, die das Vertrauen in amerikanische Staatsanleihen belasten. Die Staatsverschuldung hat im Sommer erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Steigende Zinsen führen dazu, dass der Schuldendienst einen massiven Teil des Haushalts verschlingt.
Zur Person
Jessica Schwarzer ist Finanzjournalistin, Bestsellerautorin und langjährige Beobachterin des weltweiten Börsengeschehens. Ihr jüngstes Buch "Über die Psychologie der Börse: 20 zeitlose Lektionen über Börsenpsychologie – So wirst Du ein besserer (und entspannterer) Anleger" erschien im Deutschen Wirtschaftsbuch Verlag. Bei t-online schreibt sie über Investments und Finanztrends, die eine breit gestreute Basisgeldanlage ergänzen.
Alle Gastbeiträge von Jessica Schwarzer lesen Sie hier.
Fallende Kurse, steigende Renditen
Überhaupt die Zinsen. Weil die Inflation noch immer zu hoch ist, es wirtschaftlich aber ziemlich gut läuft, hat die US-Notenbank gerade erst die Zinsen erhöht. Und weil auch der Konjunkturausblick robust ausfällt und der Preisdruck anhalten sollte, steigen die Zinserwartungen weiter. An den Anleihemärkten führten die Sorgen vor diesem strafferen Kurs der US-Notenbank zu einem Ausverkauf. Fallen die Preise für Anleihen, steigt spiegelbildlich ihre Rendite. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterten wieder auf mehr als fünf Prozent pro Jahr. Auch für zehnjährige Bundesanleihen gibt es mittlerweile wieder über 3,5 Prozent.
Das sind spannende Zahlen. Mehr als fünf Prozent gibt es auf keinem Tagesgeldkonto, auch die deutschen 3,5 Prozent können sich sehen lassen. Diese Rendite ist aber nicht zu verwechseln mit dem Zins. Anleihen funktionieren anders als Tagesgeld oder Festgeld, wo der Zinssatz gleich die Rendite ist. Es ist ein Zusammenspiel von Zinskupon, der in der Regel jährlich ausgezahlt wird, Laufzeit und Kursentwicklung. Die Anleihen werden an der Börse gehandelt und ihre Kurse schwanken, normalerweise deutlich weniger stark als die Aktienkurse, manchmal aber dann doch etwas stärker; genau das passiert gerade.
Geld leihen, Zinsen kassieren
Aber zurück zur Funktion von Anleihen. Wenn Sie eine Anleihe kaufen, leihen Sie einem Staat oder Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum Geld und bekommen dafür den Zinskupon. Wie hoch dieser ausfällt, hat mit der Bonität, also dem Rating des Schuldners, dem aktuellen Marktumfeld und der Laufzeit der Anleihe zu tun. Für 10- oder 30-Jährige steht etwas mehr, für Kurzläufer etwas weniger auf dem Kupon.
Kaufen Sie eine Anleihe über 10.000 Euro mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Zinssatz von zwei Prozent pro Jahr, erhalten Sie jährlich 200 Euro Zinsen. Nach zehn Jahren erhalten Sie die 10.000 Euro zurück. Sie können die Anleihe aber jederzeit an der Börse verkaufen, wahrscheinlich zu einem etwas höheren oder etwas niedrigeren Kurs.
Apropos Kurs: Anleihen notieren in Prozent. 100 Prozent entsprechen dann beispielsweise 1.000 Euro und sie können 1.000 Euro oder ein Vielfaches davon investieren. Kaufen Sie eine Anleihe beispielsweise für 90 Prozent und halten diese bis zur Fälligkeit, wird sie zu 100 Prozent zurückgezahlt. Bei unserem Beispiel wären es dann jährlich 200 Euro Zinsen plus 1.000 Euro Kursgewinn.
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Anleihen bilden – wie im Beitrag erläutert – einen zentralen, defensiven Bestandteil eines ausgewogenen Portfolios. Anleger können diesen Bereich entweder über einzelne Papiere abdecken oder über breit gestreute Anleihen ETFs, die verschiedene Staatsanleihen in einem einzigen Produkt bündeln.
Für wen geeignet?Mittel- bis Langfristanleger
In welcher Marktsituation geeignet?Steigende Notierungen bei den ausgewählten Anleihen
Risikoklasse: Moderat
Laufende Gebühren: 0,25% p.a.
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Auf dem aktuellen Renditeniveau sind Staats und Unternehmensanleihen wieder deutlich attraktiver geworden. Wichtig bleibt jedoch, bei jedem Anleiheninvestment die Inflation im Auge zu behalten, damit die Realrendite ausreichend positiv ausfällt.
Für wen geeignet?Mittel- bis Langfristanleger
In welcher Marktsituation geeignet?Steigende Preise bei den im ETF enthaltenen Anleihen
Risikoklasse: Moderat
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Die Zinsen sind die festen, regelmäßigen Auszahlungen während der Laufzeit. Die Rendite beschreibt dagegen den tatsächlichen Ertrag, den Sie beispielsweise bei einem Kauf oder Verkauf während der Laufzeit erzielen – inklusive Kursveränderungen. Dabei bewegen sich Kurs und Rendite gegensätzlich zueinander. Das heißt, wenn der Kurs der Anleihe sinkt, steigt die Rendite und umgekehrt. Warum das so ist: Die Renditen der bereits emittierten Anleihen passen sich dem aktuellen Kapitalmarktzins an. Und deshalb fallen an den Rentenmärkten gerade die Kurse.
Ein wichtiger Baustein im Depot
Ob das Kaufgelegenheiten sind? Das kommt auf Ihre Strategie an. Für mich sind Anleihen ein wichtiger Baustein im Depot. Ich investiere in zwei ETFs, einen auf europäische Staatsanleihen und einen auf europäische Unternehmensanleihen. Im Euro-Raum bleibe ich, damit ich das Währungsrisiko ausschließe – zumindest in meinem Depot für den langfristigen Vermögensaufbau.
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Für mein Spielgeld-Depot könnten US-Staatsanleihen eine spannende Beimischung sein. Wenn Sie der Regierung von US-Präsident Donald Trump kein Geld leihen möchten, sind vielleicht die Anleihen der großen Tech-Konzerne einen Blick wert. Ihre Rendite ist noch ein wenig höher als die der US-Treasuries.
Eine Frage habe ich in den vergangenen Tagen und Wochen öfter gehört: Sind Anleihen noch ein Ruhekissen im Depot? Ja und nein. Ihre Kurse schwanken aktuell etwas stärker, keine Frage. Aber wenn ich eine Anleihe bis zur Endfälligkeit halte, kann mir das egal sein. Dann zählt die Rendite pro Jahr, die ich bei Kauf eingeloggt habe. Die finden Sie übrigens auf allen Finanzportalen. Sie müssen also nicht selbst rechnen.
Verwendete Quellen
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