DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin -0,04 % 64.285,40 USD 08:14:37 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Trump offenbart Strategielosigkeit gegenüber Iran - „Situation der Verzweiflung“

Welt

Donald Trump sorgt mit seiner Strategielosigkeit gegenüber dem Iran weiter für Verunsicherung und schürt die Sorgen vor lange anhaltenden wirtschaftlichen Folgen des Konflikts. Der US-Präsident kündigte am Montagabend zunächst an, als „Wächter“ wolle er die Kontrolle über die Seestraße von Hormus übernehmen und einen saftigen Aufschlag von 20 Prozent für sämtliche Fracht erheben. Trump sorgte damit auch in der Bundesregierung sowie in der deutschen Wirtschaft für Beunruhigung. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bezeichnete die erneute Eskalation gegenüber dieser Redaktion als eine „besorgniserregende Entwicklung“, die zu neuer Unsicherheit auf den Weltmärkten und steigenden Preisen führen dürfte. „Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten rasch zu einer Einigung gelangen. Unser gemeinsames Ziel muss ein freier und sicherer Warenverkehr durch die Meerenge sein“, betonte sie. Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost Trumps Preisschild: 20 Prozent auf alles. Aber dann kommt die Kehrtwende Wie fast immer bei Trump war die 20-Prozent-Drohung aber nicht von langer Dauer. Schon am Dienstagmorgen Washingtoner Zeit drehte der Präsident bei und kündigte auf seinem Kommunikationsportal Truth Social an: „Auf der Grundlage äußerst produktiver Gespräche mit führenden Vertretern des Nahen Ostens habe ich beschlossen, die 20-prozentige Erstattungsgebühr der Vereinigten Staaten durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die verschiedenen Golfstaaten mit den Vereinigten Staaten abschließen werden.“ Trump sprach von „massiven Investitionen“. Die USA „werden erleben, wie Fabriken, Anlagen und Ausrüstung in historischem Ausmaß in die Vereinigten Staaten strömen, was weitere Millionen hoch bezahlter amerikanischer Arbeitsplätze schaffen wird!“ Kein Staat im Nahen Osten bestätigte die Angaben zunächst. Insider in Washington vermuten, dass Trump aufgrund der massiven Kritik an seiner Maut-Ankündigung, die Irritationen an den Märkten erzeugt hatte, schnellstens eine Exit-Strategie finden musste. Auch interessant Schließlich gab es massive Zweifel am Plan des US-Präsidenten. Trump hatte die Abgabe so präsentiert, als ließe sich Sicherheit auf hoher See wie eine Mautstraße organisieren. Tatsächlich würde eine dauerhafte amerikanische Schutzmission in Hormus einen enormen militärischen Aufwand verlangen. Kriegsschiffe müssten Tanker begleiten, Luftüberwachung wäre rund um die Uhr erforderlich, Minenabwehrkräfte stünden dauerhaft im Einsatz. Vor allem aber müsste verhindert werden, dass der Iran die Passage mit Drohnen, Raketen, Schnellbooten oder Seeminen jederzeit wieder gefährdet. Dazu, so Iran-Experten, müssten entlang der iranischen Hormus-Küste US-Truppen stationiert werden; ein Unterfangen, das Trump bisher ausschloss. Mit seinem Kehrtwende-Manöver stellte Trump nicht nur seine Strategielosigkeit unter Beweis. Er demonstrierte auch, wie sehr die Weltwirtschaft von dem Konflikt in Geiselhaft genommen wird. Über Monate hatte die Botschaft des Weißen Hauses schließlich gelautet: Die Seestraße von Hormus müsse frei bleiben. Niemand – schon gar nicht der Iran – dürfe Geld dafür verlangen, dass Handelsschiffe die wichtigste Energieroute der Welt passieren. Die Vereinigten Staaten, so die offizielle Linie, verteidigten das Prinzip offener Seewege. Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović wertete Trumps gegenteilige Ankündigung als „Akt der Eskalation in einer Situation der Verzweiflung, weil er sich im Iran-Krieg verrannt hat“. Die Freiheit der Schifffahrt in internationalen Gewässern dürfe weder politisch instrumentalisiert noch wirtschaftlich ausgebeutet werden. „Das gilt für den Iran und sein Regime sowie für den US-Präsidenten.“ Ob es nun bei Trumps Kehrtwende bleibt oder der US-Präsident wieder zu Drohgebärden hinsichtlich der freien Schifffahrt in der strategisch wichtigen Meerenge zurückkehrt, ist völlig offen. Trump hat den Kongress offiziell darüber informiert, dass die Kämpfe wieder aufgenommen worden seien. Nach den gegenseitigen Vergeltungsangriffen der vergangenen Tage flogen US-Streitkräfte am Montag bereits die dritte Nacht in Folge Angriffe gegen Ziele im Iran, wie Militärvertreter mitteilten. Unsicherheit in der Straße von Hormus: Reeder warnen vor Folgen Die deutschen Reeder sind wegen des monatelangen Konflikts in Sorge um die weltweiten Lieferketten. „Seit Ende Februar – also seit fast einem halben Jahr – ist eine sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus nicht gewährleistet“, erklärte der Verband Deutscher Reeder. „Hoffnung und Rückschläge wechseln sich seither ab. Das ist tragisch für die Seeleute und zugleich eine Katastrophe für die Planungssicherheit der Schifffahrtsunternehmen, auf die der internationale Handel angewiesen ist.“ Energie, Rohstoffe, Lebensmittel, Medikamente und unzählige weitere Güter, auf die Menschen und Unternehmen weltweit täglich angewiesen seien, würden per Schiff transportiert. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls sowie große Mengen Flüssiggas passieren die nur wenige Dutzend Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Hinzu kommen Chemikalien, Düngemittel und andere Massengüter. Weitere Störungen und Abgaben wie sie nun der Iran ebenso wie Trump zeitweilig angedroht hatten, würden sich deshalb nicht auf den Ölmarkt beschränken. Sie würde praktisch jede Lieferkette treffen, die auf diese Route angewiesen ist. Analysten rechnen mit deutlich steigenden Transportkosten, höheren Versicherungsprämien und letztlich höheren Verbraucherpreisen weltweit. Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe Die Handelsexpertin Sonali Chowdhry vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) warnte vor weiteren Störungen der Öllieferketten. Die Lagerbestände für Öl seien niedriger als nach Beginn des Krieges, wodurch es weniger Puffer gebe, um einen erneuten Preisschock abzufedern. „Das erhöht das Risiko, dass sich neue Schocks schneller und stärker auf die Preise im Inland auswirken“, sagte Chowdhry dieser Redaktion. „Das ist eine weitere Erinnerung daran, wie stark Länder wie Deutschland geopolitischen Risiken bei fossilen Energieimporten ausgesetzt sind.“ Wirtschaftsforscher erwartet keine schnelle und dauerhafte Lösung Dem Vizepräsidenten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, zufolge führt schon die sich immer wieder ändernde Lage in der Region zu hoher Unsicherheit bezüglich der weltweiten Versorgung mit Öl und Gas und zu stark schwankenden Ölpreisen. „Allein schon diese Unsicherheit hat negative wirtschaftliche Folgen, weil sie insbesondere Investitionsentscheidungen erschwert.“ Der Wirtschaftsforscher geht davon aus, dass die Lage „weiterhin sehr unsicher bleibt und keine schnelle dauerhafte Lösung“ gefunden werde. „Wenn der Konflikt weiter außer Kontrolle gerät, wird die Straße von Hormus nicht der einzige gefährliche Krisenherd bleiben“, warnte der SPD-Außenpolitiker Ahmetović. „Deshalb müssen die europäischen NATO-Länder zusammen mit ihren globalen Partner alles daran setzen, eine Ausweitung des Krieges zu verhindern.“

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