Trump sorgt für Irritationen bei Korrespondenten-Dinner
Die Rede des Ehrengastes fing gut an. Als Donald Trump am Freitag in Washington an einer Journalistengala zu sprechen begann, sagte er: «Wir beugen uns politischer Gewalt nicht.» Das war eine Anspielung auf den Zwischenfall vor drei Monaten, als ein bewaffneter Attentäter versucht hatte, das White House Correspondents’ Dinner im «Washington Hilton» zu stürmen. Der 31 Jahre alte Mann wurde glücklicherweise vom Secret Service überwältigt; die Gala mit 2600 Anwesenden musste nach den dramatischen Ereignissen dennoch beendet werden. Am Freitag stand nun die Wiederholung des White House Correspondents’ Dinner auf dem Programm. Weil die Organisatoren einen kleineren Saal im Hotel «Waldorf Astoria» ausgewählt hatten, waren nur noch rund sechshundert Personen im Publikum. Auch wurden die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft. Trump gratuliert Journalisten, die über Epstein schrieben Trump war erneut als Ehrengast der White House Correspondents’ Association eingeladen – obwohl lange nicht alle Mitglieder der Organisation das Gefühl haben, der Präsident sei ein Unterstützer der in der amerikanischen Verfassung verankerten Pressefreiheit. Der Präsident schien anfänglich guter Laune zu sein. Während der langfädigen Festreden der Journalistenvereinigung schloss er hin und wieder die Augen; wohl auch, weil ständig von Trump-kritischen Artikeln die Rede war. Als eine Gruppe von Angestellten des «Wall Street Journal», die über seine Freundschaft mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berichtet hatte, eine wichtige Journalistenauszeichnung bekam, verzog Trump das Gesicht. Dann aber gratulierte er den sieben anwesenden Preisträgern mit einem festen Händedruck. Dabei hat Trump das Wirtschaftsblatt auf Schadenersatz in Milliardenhöhe verklagt. Dann aber kam seine Rede. Und rasch kippte die Stimmung im Ballsaal. Denn Trump nutzte die Gelegenheit, um über seine angeblichen Antagonisten in der Medienbranche und im Politbetrieb herzuziehen. Er machte Witze über diverse CNN-Korrespondenten und riss Sprüche über hochrangige demokratische Politiker. Das war lustig gemeint, weil der Ehrengast am White House Correspondents’ Dinner häufig eine launige Festrede hält, in der er kein gutes Haar am politischen Betrieb in Washington lässt. Aber Trump – besser gesagt seine Gag-Schreiber – lieferte nicht. Einige Witze waren schlicht Beleidigungen – so regte sich der achtzig Jahre alte Präsident wieder einmal darüber auf, dass die 34 Jahre alte CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins im Weissen Haus immer einen so ernsten Gesichtsausdruck habe. Den Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, bezeichnete Trump als «fettes Schwein». Andere Sprüche funktionierten nicht. Wenn die Kameras das Publikum zeigten, dann lachten jeweils nur ganz wenige Menschen. Irgendwann merkte das auch der Präsident. Als er eine verunglückte Zote über einen alten Senator und dessen Sexualleben riss, nannte er seine Rede «bescheuert». Weil Trump aber Trump ist, sprach er dennoch weiter. Er beschwerte sich über den Medienbetrieb («Fake News») und sagte, dass er bei der Präsidentenwahl 2028 zum vierten Mal kandidieren werde. «Ich habe drei Mal gewonnen», sagte Trump und tat erneut so, als habe er 2020 gegen den Demokraten Joe Biden gewonnen. Einige unentwegte Zuschauerinnen und Zuschauer im «Waldorf Astoria» klatschten. Die grosse Mehrheit wünschte sich aber wohl, dass die Rede bald zu Ende gehen würde. Das Schlimmste an der Ansprache von Trump sei gewesen, sagte später ein CNN-Kommentator, dass er mehr als sechzig Minuten gesprochen habe. Der Präsident hätte zur Kenntnis nehmen müssen, dass er nicht lustig sei, und früher abbrechen sollen. Trump kündigte übrigens an, dass er auch nächstes Jahr am White House Correspondents’ Dinner teilnehmen werde. Vielleicht reicht die Zeit bis dahin ja, um bessere Gag-Schreiber zu finden.