Trump spricht von „Schachpartie“
Startseite Politik Trump spricht von „Schachpartie“ – während Teheran im Hormus-Poker die Daumenschrauben anzieht Von: Felix Busjaeger Uns auf Google folgen Aktuelle Lage im Iran-Krieg im Überblick: Iran schraubt Forderungen hoch, Trump redet die Lage klein – doch Experten sehen den US-Präsidenten in der Falle. Teheran/Washington, DC – Die Lage im aktuellen Iran-Krieg bleibt weiter angespannt. Donald Trump gibt sich zwar gelassen, doch Teheran schraubt die Bedingungen für ein Ende des Konflikts im Nahen Osten hoch. „Wir geben dem nicht viel Aufmerksamkeit“, sagte der US-Präsident dem Nachrichtenportal Axios in einem Telefoninterview. Die USA würden „nur halbherzig“ mit dem Iran verhandeln. Stattdessen setzt Washington nach Angaben von US-Beamten vorerst auf Deeskalation. Und viel wichtiger: auf wirtschaftlichen Druck. Seit knapp einem halben Jahr hält der Konflikt zwischen den USA und dem Iran inzwischen an. Immer wieder kommt es zu schweren Angriffen. Durch die gegenwärtige Lage in der Straße von Hormus leidet zudem die weltweite Wirtschaft seit Monaten. Trump hingegen betont, dass es vor allem den Iran treffen würde, und verwies auf die hohe Inflation und die Tatsache, dass Teheran „kein Geld“ habe. Die seit April geltende US-Seeblockade gegen iranische Häfen verschärfe die Lage zusätzlich. „Es wird sich regeln. Es regelt sich immer. Es ist wie eine Schachpartie“, so Trump. Iran-Krieg aktuell: Trump spricht von „Schachpartie“ – doch Lage wird viel mehr zum Hormus-Poker Doch die Ausgangslage im aktuellen Iran-Krieg ist komplizierter als das Bild einer gewonnenen Partie. Vorige Woche hatte Trump nach eigenen Angaben die bislang heftigste Welle von Angriffen auf den Iran in letzter Minute abgesagt. Gleichzeitig erklärte er wiederholt öffentlich, die Straße von Hormus sei bereits „vollständig geöffnet“. Doch jedes Mal stellte sich bislang heraus, dass seine Aussagen verfrüht waren. Laut Wall Street Journal hatte das Weiße Haus intern sogar die Hoffnung gehegt, Trump könnte einen Abzug aus dem Konflikt als Sieg verkaufen, sobald die Meerenge wieder frei befahrbar sei. Doch der Iran durchkreuzte diese Pläne. Am Samstag stellte der Nationale Sicherheitsrat in Teheran einen Katalog von Maximalforderungen auf, der eine schnelle Einigung im aktuellen Iran-Krieg praktisch ausschließt: Die USA müssten die Seeblockade iranischer Häfen aufheben, ihre Streitkräfte aus der Region abziehen, alle Sanktionen vollständig aufheben, eingefrorene iranische Vermögenswerte „bedingungslos“ freigeben, Kriegsschäden vollständig erstatten und den Krieg gegen den Iran sowie dessen Verbündete endgültig beenden. Zudem dürften die USA die Islamische Republik „nie wieder bedrohen“. US-Vizepräsident JD Vance räumte gegenüber dem Sender Fox News ein, der Iran habe die Forderungen Washingtons noch nicht erfüllt – sprach aber auch von Fortschritten in den vergangenen Tagen. Aktuelle Lage im Iran-Krieg bleibt angespannt: Teheran spielt hart – Trump unter Druck Das Wall Street Journal zitierte die Expertin Mona Yacoubian vom Center for Strategic and International Studies mit einer nüchternen Einschätzung: „Irans jüngste Hardliner-Forderungen zur Wiedereröffnung der Meerenge machen es für den Präsidenten zunehmend schwierig, einen gesichtswahrenden Ausstieg aus dem Konflikt zu konstruieren.“ Gregory Brew vom Beratungsunternehmen Eurasia Group ergänzte: „Die Iraner glauben fest daran, dass Trump raus will und sich auf die Öffnung der Meerenge konzentriert – deshalb spielen sie hart.“ Parallel dazu verhandelt der Iran direkt mit dem Oman, dem gegenüberliegenden Anrainerstaat der Meerenge, über die Modalitäten möglicher Schiffspassagen. Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte erklärt, eine Einigung mit Maskat sei nahe. Beide Seiten sprachen von einer „finalen“ Phase der Gespräche. Trump behauptete in der Vergangenheit, seine Regierung sei in diese Verhandlungen eingebunden, was der Iran aber bestritt. Die iranische Revolutionsgarde betonte unterdessen, die Öffnung der Straße von Hormus sei von den Gesprächen mit Oman getrennt zu betrachten. Wie ernst die Lage in der Meerenge bleibt, dokumentiert die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO): Die Angriffe der Revolutionsgarden auf Handelsschiffe dauerten an. „Diese Aktionen zeigen weiterhin die Absicht des Iran, seine Präsenz entlang wichtiger Transitrouten zu behaupten und den Druck auf die durchfahrenden Schiffe aufrechtzuerhalten“, erklärte die Behörde. Der Handelsverkehr stagniere auf einem „reduzierten Niveau“. Vor Kriegsbeginn Ende Februar verlief die Schifffahrt in der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman weitgehend ungestört. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wurde durch die Straße von Hormus transportiert, die auch für Flüssiggas und Dünger eine zentrale Rolle spielt Iran-Krieg aktuell: Experte warnt vor Trumps Kalkül Mit Blick auf die aktuelle Lage im Iran-Krieg mahnte der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz auf X zur Vorsicht gegenüber Trumps Kalkül: Die wirtschaftliche Lage des Irans sei zwar zweifellos schlecht. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass wirtschaftlicher Druck allein das Land zu einer Kapitulation am Verhandlungstisch oder zu einem Abrücken von zentralen strategischen Interessen zwingen werde. Unterdessen hat der iranische Machtapparat am Wochenende den Nationalen Sicherheitsrat neu aufgestellt. Der frühere Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohsen Resai, übernimmt den Vorsitz des mächtigen Gremiums. Resai gilt als eine der dienstältesten Figuren des iranischen Machtapparats: Als 27-Jähriger befehligte er die Revolutionsgarden während des Iran-Irak-Kriegs. Die argentinische Staatsanwaltschaft benannte ihn als einen der mutmaßlichen Hinterleute des Bombenanschlags auf eine jüdische Gemeinde in Buenos Aires im Jahr 1994. Der Wechsel an der Spitze des Sicherheitsrates könnte auf eine weitere Festigung des Einflusses der Revolutionsgarden auf die iranische Regierung hindeuten. (Quellen: dpa, Wall Street Journal, Axios, Al Jazeera) (fbu)