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Trump und die Ukraine: Die überraschende Patriot-Wende aus dem Weißen Haus

Welt

Patriot-Raketen für die Ukraine Diese Wende hätte Trump kaum jemand zugetraut Eine Analyse von Bastian Brauns Aktualisiert am 09.07.2026 - 19:26 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Vom einstigen Eklat im Oval Office zur überraschenden Wende: Donald Trump stellt der Ukraine plötzlich die Produktion von Patriot-Raketen in Aussicht. Ist das der Beginn eines echten Kurswechsels oder nur ein weiteres Versprechen? Bastian Brauns berichtet aus Washington Im Oval Office hatte Donald Trump Wolodymyr Selenskyj Ende Februar 2025 noch vor laufenden Kameras gedemütigt. "You don't have the cards", schleuderte der US-Präsident dem Ukrainer entgegen. Wer keine Karten oder keine guten Karten habe, könne auch keine Forderungen stellen. Wenig später musste Selenskyj das Weiße Haus verlassen, sogar noch vor dem geplanten gemeinsamen Mittagessen. Der ukrainische Präsident wurde vor der Weltöffentlichkeit hochkant hinausgeworfen. Doch seither, um im Bild zu bleiben, scheint sich das Blatt immer weiter gewendet zu haben. Rund anderthalb Jahre später bot sich beim Nato-Gipfel in Ankara ein vollkommen anderes Bild. Trump sitzt neben Selenskyj, lobt plötzlich dessen Durchhaltevermögen und macht ihm ein Angebot. Noch vor wenigen Monaten wäre es kaum vorstellbar gewesen. Aber die US-Regierung will demnach der Ukraine erlauben, Patriot-Abfangraketen künftig selbst zu produzieren. "Wir werden euch eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Raketen erteilen", sagte Trump. Es klang fast beiläufig, so selbstverständlich wirkte das. "Das ist doch super. So könnt ihr euch nicht beschweren, dass wir ihnen nicht genug geben", sagte er an die mitgereisten Journalisten gerichtet. "Ich habe gesagt: 'Stellt sie selbst her.' Wir haben die Firma zwar noch nicht darüber informiert, aber das wird schon klappen", so Trump. Ein Ziel, das unter Biden nicht erreicht wurde Es ist einer dieser Momente, in denen Beobachter sich unweigerlich fragen: Was ist hier gerade passiert? Denn so improvisiert und spontan Trumps Ankündigung von Ankara auch wirkte, so bemerkenswert wäre dieser politische Kurswechsel. Ausgerechnet jener Präsident, der Waffenlieferungen immer wieder infrage stellte und Selenskyj öffentlich vorführte und beschimpfte, signalisiert nun Bereitschaft, der Ukraine eines ihrer wichtigsten militärischen Anliegen zu erfüllen. Seit Jahren, schon unter der Biden-Regierung, dringt Kiew auf eine Lizenzproduktion der Patriot-Systeme, jener Abwehrraketen des US-Herstellers Raytheon, ohne die Russland die ukrainischen Städte immer weiter in Asche verwandeln könnte. Bislang hatten die USA diese Technologie nur Deutschland und Japan zugestanden. Bei aller Euphorie über diesen offenkundigen diplomatischen Erfolg der Ukraine und der Europäer ist dennoch Vorsicht geboten. Denn zwischen Trumps Worten und den ersten in der Ukraine produzierten Patriot-Abfangraketen liegen voraussichtlich mehrere Jahre. Schon der Aufbau einer Fertigung gilt als hochkomplex. Experten rechnen selbst im günstigsten Fall mit deutlich mehr als einem Jahr Vorlauf. Am Beispiel Deutschland lässt sich beobachten, wie lange solche Prozesse dauern. Die bereits 2024 angekündigte Patriot-Produktion in Bayern soll nach aktuellem Stand erst 2027 die ersten Abfangraketen liefern. Von dort sollen übrigens künftig Systeme auch direkt an die Ukraine gehen. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Eine neue Produktionsstätte in der Ukraine wäre vom ersten Spatenstich an eines der wichtigsten russischen Angriffsziele. Gleichzeitig fehlt es weltweit an Patriot-Abfangraketen. Der Krieg in der Ukraine und zuletzt auch der Krieg der USA und Israel gegen den Iran im Nahen Osten haben die Lagerbestände der USA und ihrer Verbündeten erheblich geleert. Weil diese Verknappung die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine direkt betrifft, machte Selenskyj seit Monaten noch mehr Druck, die Raketen irgendwann selbst herstellen zu können. Dass Trump dem nun zustimmt, ist ein weiteres Indiz dafür, wie knapp die US-Bestände inzwischen wirklich sind. Noch mehr positive Signale Trotz aller Ungewissheiten bleibt Trumps Kehrtwende unter Strich bedeutsam. Russland verschärfte zuletzt seine massiven Raketenangriffe auf ukrainische Städte, und die Patriot-Abfangraketen sind längst zur knappsten Ressource der ukrainischen Luftverteidigung geworden. Der US-Präsident setzte diesen Entwicklungen auf dem Nato-Gipfel trotz aller Sticheleien erstmals wieder ein deutlich positives Signal in Richtung Kiew und der übrigen Verbündeten in Europa entgegen. Die Kritik aus Russland folgte darum auch umgehend. Es scheint sich etwas zu bewegen. Bemerkenswert ist nicht nur die Patriot-Frage. Auch an anderer Stelle scheint sich in Washington etwas zu verschieben. So konnte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz nach dem Nato-Gipfel in Berlin ankündigen, dass jetzt doch künftig Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland gefertigt und stationiert werden sollen. Dieser weitere wichtige Baustein beim Ausbau westlicher Abschreckung gegenüber Russland war zuletzt von US-Seite infrage gestellt worden. Noch sind es hauptsächlich Worte. Keine Lizenz ist unterschrieben, und keine Produktionshalle ist gebaut. Aber in diesem Abwehrkrieg gegen Russlands unerbittliche Angriffe zählen solche politischen Signale viel, gerade, wenn sie von dem sich meist distanziert und zögerlich gebenden Donald Trump stammen. Von Anchorage in Alaska, wo der US-Präsident im vergangenen Sommer Wladimir Putin den roten Teppich ausrollte, bis zur Patriot-Ankündigung in Ankara in der Türkei war es ein weiter Weg für die Ukraine und die westlichen Verbündeten. Er ist noch nicht zu Ende.

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