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Trump und seine geschäftige Familie: Ein schamloser Ausverkauf

Welt

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, ich musste in den vergangenen Tagen an ein Interview denken, das Donald Trump Anfang des Jahres gegeben hat. Fast zwei Stunden lang sprach der US-Präsident mit der ihm verhassten "New York Times" über alle möglichen Aspekte seiner zweiten Amtszeit im Weißen Haus. Die Journalisten interessierten sich auch dafür, warum Trump trotz seines Präsidentenamts offenbar weiter ein Geschäftsmann geblieben ist. Trump begründet das so: In seiner ersten Amtszeit habe er sich und seiner Familie noch untersagt, Geschäfte im Ausland zu tätigen. Auch habe er sein gesamtes Gehalt als Präsident gespendet – und trotzdem keinerlei Anerkennung dafür erhalten. In seiner zweiten Amtszeit ist das anders. Trump selbst und sein Umfeld machen so viele Deals, dass man als Beobachter kaum mehr mitkommt. Woher der Sinneswandel komme, wollten die Journalisten also von Trump wissen. "Weil ich herausgefunden habe, dass es niemanden interessiert", lautete die Antwort des Präsidenten. Tatsächlich ist die Wahrheit genau umgekehrt. Trump scheint es mittlerweile selbst nicht mehr zu interessieren, dass die ganze Welt weiß, wie sehr er sich in seinem Amt bereichert. Es ist mittlerweile kaum mehr zu erkennen, wo der Geschäftsmann Trump aufhört und der Präsident Trump anfängt. Ihm und seiner Familie ist es gelungen, in einem ungeahnten Maße politische Macht in persönliches Einkommen umzuwandeln. Dort, wo Trump politisch aktiv wird, klingelt es häufig und gerne in seiner Kasse und umgekehrt. Es ist ein schamloser Ausverkauf eines der mächtigsten politischen Ämter der Welt. Anzeichen dafür, dass der Präsident sich dabei in Zukunft mäßigen könnte, gibt es kaum. Im Gegenteil ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass weder er noch sein gesamtes Umfeld wegen all dieser Geschäfte jemals von einem Richter verurteilt werden. Das jüngste Beispiel für dubiose Geschäftspraktiken erhitzt gerade die Gemüter im Fußball. Fifa-Chef Gianni Infantino plant, künftig die Weltmeisterschaft für Investoren zu öffnen und Teile der Rechte an dem Turnier zu verkaufen. Der europäische Fußballverband Uefa hat jetzt eine deutliche Drohung ausgesprochen: Sollte es dazu kommen, würden alle 55 Mitgliedsländer zukünftige Weltmeisterschaften boykottieren. "Das muss Infantinos Ende sein", meint mein Kollege David Digili. Sollte es die Fifa ernst meinen, wäre das Konzept der Fußball-WM beerdigt – und auch hier würde der Trump-Clan mitverdienen. Tagesanbruch – Der Newsletter für den Wissensvorsprung Die Analyse zu den Themen, die Deutschland bewegen – kostenlos abonnieren. Federführend bei den Plänen soll nämlich der Fonds Thrive Eternal sein. Dahinter steckt der Unternehmer Joshua Kushner. Den Nachnamen haben Sie vielleicht schon einmal gehört: Denn Kushner hat einen Bruder namens Jared und der ist Ehemann von Trumps Tochter Ivanka. Wer hier an Zufälle glaubt, ist schlichtweg naiv. Denn die Verquickung von Geschäft und Politik hat System im Hause Trump. Jared Kushner ist dabei nur ein Beispiel: Wenn er gemeinsam mit Trumps Immobilienkumpel Steve Witkoff durch die Welt fliegt und für die US-Regierung Friedensdeals aushandelt, geht es immer auch ums Geschäft. Kushner verhandelte etwa über das Ende der Kämpfe von Israel im Gazastreifen oder über ein Friedensabkommen mit dem Iran. Gleichzeitig kassiert seine Investmentfirma Milliarden aus Saudi-Arabien, Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten – also aus Ländern, die unmittelbar von den Konflikten in der Region betroffen sind. Es ist ein klassischer Interessenkonflikt, der eigentlich leicht zu lösen ist. Friedensverhandlungen zwischen zwei Staaten sind Aufgabe des Außenministeriums und nicht von Schwiegersöhnen oder Präsidentenfreunden aus der Baubranche. Doch Trump sucht diese Konstellationen ganz bewusst: Denn so hält er Beamte, denen er ohnehin nicht traut, aus Entscheidungsprozessen fern, an denen sein engstes Umfeld noch dazu mitverdienen kann. Die Immobilien sind aber bei Weitem nicht mehr der lukrativste Geschäftszweig der Trump-Familie. Die Söhne des Präsidenten, Don Junior und Eric, haben längst die Kryptobranche für sich entdeckt. Beide stehen einem Unternehmen mit dem Namen World Liberty Financial vor. Witkoff und Donald Trump werden dort als "emeritierte Mitgründer" genannt. Das Geschäft mit den digitalen Währungen brummt. Allein in den ersten Monaten von Trumps zweiter Amtszeit soll das Kryptounternehmen 800 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben – und damit deutlich mehr als die Baubranche, Trumps ehemaliges Kerngeschäft. Parallel zu den Kryptoeinnahmen sorgt Präsident Trump im Weißen Haus dafür, dass der Handel mit den digitalen Währungen weitgehend unreguliert bleibt. Eine spezielle Ermittlungseinheit im Justizministerium wurde etwa im vergangenen Jahr aufgelöst. Untersuchungen gegen den dubiosen Kryptounternehmer Justin Sun stellten US-Behörden ein, nachdem er sich mit 75 Millionen Dollar an der Firma der Trumps beteiligt hat. Doch es ist längst nicht nur Trumps Umfeld, das fleißig an seiner Präsidentschaft mitverdient. Auch Trump selbst hat sein Einkommen schon deutlich gesteigert. Das Magazin "Forbes" beziffert Trumps persönliches Vermögen auf 6,5 Milliarden Dollar. Rund vier Milliarden mehr, als Trump noch vor seiner Wiederwahl 2024 besessen haben soll. Mit dem Gehalt des Präsidenten sind solche Geldflüsse nicht zu erklären. Offiziell kassiert Trump pro Jahr 400.000 Dollar. Seine Vermögenssprünge resultieren auch daraus, dass er weiterhin an den Geschäften seiner Familie beteiligt ist. Mehr als eine Milliarde Dollar verdiente der Präsident etwa 2025 allein durch Kryptowährungen. So steht es zumindest in seiner mehr als 900 Seiten langen Einkommenserklärung, die er Anfang des Monats veröffentlicht hat. An dieser Stelle wäre jetzt die Frage angebracht, warum gegen all diese öffentlich vorgetragene Korruption so wenig unternommen wird. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen hat der Präsident in den Ermittlungsbehörden und im Justizministerium zahlreiche Anhänger installiert, die größtenteils nach seinen Befehlen arbeiten. Im Kongress, der Beteiligte vorladen oder ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einleiten könnte, haben seine Republikaner die Mehrheit. Sollten die Demokraten im November die Mehrheit im Kongress wieder kippen, könnten sie dort eigene Ermittlungen anstoßen. Das könnte für Trump unangenehm, aber wohl nicht existenzgefährdend sein. Der oberste Gerichtshof, der Supreme Court, urteilte 2024, dass ein Präsident im Amt weitgehende Immunität genießt. Offensichtlich fühlt sich Trump durch diese Sicherheiten so gestärkt, dass er seine korrupten Tendenzen nicht länger verbergen will. Auch sein Umfeld dürfte sich geschützt fühlen, solange er Präsident ist. Sie alle können damit rechnen, dass der Präsident sie zum Ende seiner Amtszeit begnadigt und damit vor Strafverfolgung schützt. Entwaffnung der Hamas Donald Trump hat ein Abkommen zur Entwaffnung der islamistischen Terrorganisation Hamas und anderer bewaffneter Gruppen im Gazastreifen verkündet. Der von ihm ins Leben gerufene Friedensrat habe eine entsprechende historische Vereinbarung erzielt, teilte Trump am Donnerstag auf seiner Online-Plattform Truth Social mit. "Dieses Abkommen ist ein entscheidender Schritt hin dazu, dass der Gazastreifen endlich von einer neuen palästinensischen Regierung regiert wird, die eng mit dem Friedensrat zusammenarbeiten wird, um dem palästinensischen Volk zu helfen", schrieb Trump. Gleichzeitig erhalte Israel die Sicherheit, die es verdiene, betonte er und dankte auch den Vermittlern Ägypten, Katar und der Türkei. Ob die Vereinbarung Bestand haben wird, ist jedoch unklar. Die israelische Botschaft in Washington und die Hamas äußerten sich zunächst nicht zu Trumps Angaben. Mehr dazu lesen Sie hier. Dramatische Lage in Ceuta Es sind aufwühlende Bilder, die derzeit an der EU-Außengrenze Ceuta zu beobachten sind. In der spanischen Exklave auf dem Territorium Marokkos landeten in den vergangenen Tagen offenbar Tausende Miganten an. "Die Lage ist das reinste Chaos", sagte Rachid Sbihi der Nachrichtenagentur AP. Sbihi ist der Vorsitzender des Verbandes, der die Beamten der spanischen Guardia Civil vertritt, die in Ceuta die Grenze überwachen. "Es ist nicht möglich, genaue Zahlen zu nennen, aber es überqueren Tausende von Migranten die Grenze", sagte Sbihi und fügte hinzu, dass die Grenze "völlig zusammengebrochen" sei. Die Regierung in Madrid schickte bereits Militär, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sanchéz weigert sich jedoch, den Notstand auszurufen. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drohte am Donnerstag damit, Spanien aus dem Schengen-Raum werfen zu lassen. Sie nannte die Situation in Ceuta "schockierend". Über die Hintergründe der Migrationskrise lesen Sie hier mehr. Tödliche Temperaturen Die Zahl spricht eine deutliche Sprache. 2026 sind in Deutschland laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bereits 9.800 Menschen wegen Hitze gestorben. Das ist mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. 5.420 dieser Todesopfer waren älter als 85. Die Auswirkungen der extremen Hitze sind jedoch nicht nur hierzulande spürbar, in vielen Teilen Südeuropas ist die Lage noch deutlich dramatischer. Denn dort toben seit einiger Zeit große Waldbrände. Neben Frankreich und Spanien sind am Donnerstag auch Feuer in der Türkei, Griechenland und Großbritannien ausgebrochen. Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis warnte bereits, dass das Land im August einen komplizierten Monat erwarte. Auf der Urlaubsinsel Kreta mussten am Donnerstag bereits 8.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. In Spanien und Frankreich entspannt sich die Lage dagegen allmählich. 84.000 Menschen konnten an der französischen Atlantikküste wieder in ihre Häuser zurückkehren. Allerdings sind die Feuer dort noch nicht vollständig unter Kontrolle. Im Süden Europas könnte die Gefahr von Waldbränden künftig zum Alltag gehören. "Die Region scheint in eine Ära extremer Brandgefahr einzutreten", heißt es in einer neuen Studie im Fachblatt "Scientific Reports". Lesetipps Die Ost-Ministerpräsidenten warnen vor Reformen zulasten älterer Menschen. Tatsächlich ist die Ausgangslage in Ostdeutschland besonders heikel, schreibt meine Kollegin Christine Holthoff. Artikel lesen Tausende Ausländer auf Bali und waren jahrelang einem korrupten Netzwerk ausgeliefert. Indonesische Beamte sollen für Aufenthaltsgenehmigungen illegal kassiert haben – wer nicht zahlte, dessen Visum wurde blockiert. Meine Kollegin Anna-Lena Janzen hat sich den Fall angeschaut. Artikel lesen Wer regelmäßig zu wenig schläft, riskiert nicht nur Müdigkeit, sondern auch mehr Gewicht. Bestimmte Menschen sind dafür womöglich besonders anfällig, schreibt meine Kollegin Lynn Zimmermann. Artikel lesen Ohrenschmaus Das legendäre Wacken Open Air ist in vollem Gange. Auch wenn Sie kein Freund von Heavy Metal sein sollten: Heute Abend spielt auf dem Festival eine Band, die über jeden Zweifel erhaben ist. Zum Schluss Gespräche im Urlaub ... Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Freitag und einen guten Start ins Wochenende. Herzliche Grüße Ihr David Schafbuch Korrespondent in New York

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