Trump verbot Iran die Hormus-Maut - jetzt will er selbst kassieren
Donald Trump hat seine widersprüchliche Iran-Politik erneut um 180 Grad gedreht. Über Monate lautete die Botschaft des Weißen Hauses: Die Seestraße von Hormus müsse frei bleiben. Niemand – schon gar nicht Iran – dürfe Geld dafür verlangen, dass Handelsschiffe die wichtigste Energieroute der Welt passieren. Außenminister Marco Rubio sprach von einem Verstoß gegen die Freiheit der Schifffahrt. Vizepräsident JD Vance argumentierte ähnlich. Die Vereinigten Staaten, so die offizielle Linie, verteidigten das Prinzip offener Seewege. Nun erhebt ausgerechnet Präsident Trump denselben Anspruch – nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Trumps Preisschild: 20 Prozent auf alles Die USA würden künftig als „Guardian of the Hormuz Strait“, als Wächter der Meerenge, auftreten und für Sicherheit sorgen. Als Gegenleistung verlangt Trump eine pauschale Abgabe von 20 Prozent auf sämtliche Fracht, die unter amerikanischem Schutz die Passage nutzt. „Aus Gründen der Fairness“ müssten die Vereinigten Staaten „für alle Kosten entschädigt werden“, die bei der Sicherung dieses „sehr gefährlichen Teils der Welt“ entstünden, schrieb der Präsident. Die Umsetzung solle „sofort beginnen“. Das Ganze spielt sich ab vor einer Kulisse, die einem tatsächlichen Ende des in der Schweiz vor wenigen Wochen verhandelten Rahmenabkommen für einen Waffenstillstand gleichkommt. Trump hat den Kongress offiziell darüber informiert, dass die Kämpfe wieder aufgenommen worden seien. Nach den gegenseitigen Vergeltungsangriffen der vergangenen Tage flogen US-Streitkräfte am Montag bereits die dritte Nacht in Folge Angriffe gegen Ziele im Iran, wie Militärvertreter mitteilten. Der Widerspruch in Trumps Hormus-Strategie springt ins Auge. Noch vor wenigen Tagen hatte Washington Irans Versuche, Gebühren für die Passage durch Hormus zu verlangen, als völkerrechtswidrig kritisiert. Jetzt übernimmt Trump dasselbe Grundprinzip – nur mit amerikanischem Absender. Warum amerikanische Gebühren völkerrechtlich anders zu bewerten sein sollten als iranische, sagte Trump nicht. Auch wie lange diese Abgabe erhoben werden soll, blieb offen. Das Weiße Haus schwieg am Montagabend, möglicherweise wird sich der Präsident erst in einer für Donnerstagabend geplante Rede an die Nation detaillierter äußern. Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost US-Abgabe von 30 Millionen Dollar für große Tanker Die wirtschaftlichen Folgen einer derart hohen US-Maut wären erheblich. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls sowie große Mengen Flüssiggas passieren die nur wenige Dutzend Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman. Hinzu kommen Chemikalien, Düngemittel und andere Massengüter. Eine Abgabe von 20 Prozent würde sich deshalb nicht auf den Ölmarkt beschränken. Sie würde praktisch jede Lieferkette treffen, die auf diese Route angewiesen ist. Analysten rechnen mit deutlich steigenden Transportkosten, höheren Versicherungsprämien und letztlich höheren Verbraucherpreisen weltweit. Branchenexperten halten den Plan zugleich für kaum praktikabel. Mehrere US-Medien zitieren Schifffahrtsexperten mit der Einschätzung, dass die Zusatzkosten für einen großen Öl-Supertanker schnell in die Größenordnung von 30 Millionen Dollar reichen könnten. Ein erheblicher Teil davon würde zwangsläufig auf Raffinerien, Händler und schließlich Verbraucher abgewälzt – auch in Europa. Auch interessant Hormus: Mautstraße auf hoher See? Noch schwerer wiegt die militärische Realität. Trump präsentiert die Abgabe so, als ließe sich Sicherheit auf hoher See wie eine Mautstraße organisieren. Tatsächlich würde eine dauerhafte amerikanische Schutzmission in Hormus einen enormen militärischen Aufwand verlangen. Kriegsschiffe müssten Tanker begleiten, Luftüberwachung wäre rund um die Uhr erforderlich, Minenabwehrkräfte stünden dauerhaft im Einsatz. Vor allem aber müsste verhindert werden, dass Iran die Passage mit Drohnen, Raketen, Schnellbooten oder Seeminen jederzeit wieder gefährdet. Dazu, so Iran-Experten, müssten entlang der iranischen Hormus-Küste US-Truppen stationiert werden; ein Unterfangen, das Trump bisher ausschloss. Teheran betrachtet die Straße von Hormus als seinen wichtigsten militärischen Hebel gegenüber dem Westen. Kaum ein iranischer Regierungsvertreter dürfte akzeptieren, dass ausgerechnet die Vereinigten Staaten künftig als Schutzmacht auftreten und gleichzeitig Gebühren kassieren. Bereits wenige Stunden nach Trumps Vorstoß erklärte die iranische Führung erneut, sie werde ihre Kontrolle über die Meerenge nicht aufgeben. Ein Berater des Obersten Führers sprach davon, ein Rückzug komme „überhaupt nicht infrage“. Außenminister Abbas Araghtschi reagierte mit demonstrativer Ironie: Wenn jemand für Sicherheit bezahlt werden müsse, dann Iran – allerdings seien 20 Prozent „natürlich zu viel“. Teheran werde „fair” bleiben. Militär- und Nahostexperten schließen darum nicht aus, dass die Initiative eine weitere politische Drohkulisse bleibt denn ein echter Operationsplan. Denn sollte Washington seine Ankündigung tatsächlich durchsetzen wollen, bliebe es kaum bei Geleitschutz auf See für Tanker und Frachtschiffe. Die USA müssten iranische Angriffe entlang der gesamten Küste unterbinden, Abschussrampen ausschalten und möglicherweise dauerhaft militärische Stellungen kontrollieren. Eine solche Eskalation würde den Konflikt mit Iran erheblich ausweiten. Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe Trumps Geschäftssinn kollidiert mit der Wirklichkeit Auch rechtlich bewegt sich Trump auf unsicherem Terrain. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) betonte umgehend den Grundsatz der freien Navigation und stellte die Legitimität einer einseitig erhobenen Durchfahrtsgebühr infrage. Internationale Gewässer gelten gerade deshalb als internationale Gewässer, weil einzelne Staaten dort nicht nach Belieben Mautsysteme errichten können. Bemerkenswert ist schließlich die politische Symbolik. Trump verkauft den Vorstoß als Geschäft. Die Vereinigten Staaten sollen militärischen Schutz liefern – und dafür bezahlt werden. Das passt zu seiner seit Jahren gepflegten Vorstellung, amerikanische Sicherheitsgarantien müssten sich unmittelbar finanziell auszahlen. Doch ausgerechnet im Fall Hormus kollidiert diese Logik mit der geopolitischen Wirklichkeit. Die Straße von Hormus ist keine mautpflichtige Infrastruktur, sondern einer der sensibelsten militärischen Brennpunkte der Welt.