Trumps "goldenes Zeitalter" wird für Amerikas Farmer zum Milliarden-Desaster
In den Schlagzeilen klingt das nach einer Trendwende. Im Verhältnis zu den politischen Versprechen bleibt das Volumen jedoch gering. China hatte nach Angaben der US-Regierung zugesagt, bis Ende 2028 jährlich mindestens 25 Millionen Tonnen amerikanische Sojabohnen zu kaufen. Vor den jüngsten Geschäften waren für 2026 erst etwas mehr als vier Millionen Tonnen bestellt. Selbst einschließlich der neu gemeldeten Käufe kommt China damit lediglich auf rund 4,5 bis fünf Millionen Tonnen. Das entspricht nur etwa 18 bis 20 Prozent der zugesagten Jahresmenge. Anders gesagt: Selbst die derzeit gefeierten "Großkäufe" bringen China gerade einmal in die Nähe eines Fünftels des vereinbarten Volumens. Hinzu kommt, dass vor allem chinesische Staatskonzerne wie Sinograin kaufen. Private Ölmühlen halten sich weiterhin zurück. US-Soja ist für sie wegen bestehender Zölle und günstigerer brasilianischer Angebote häufig nicht wettbewerbsfähig. Die jüngsten Bestellungen dürften daher nicht nur wirtschaftlich motiviert sein. Sie passen auch zur Vorbereitung des für September erwarteten Besuchs von Chinas Staatschef Xi Jinping in den Vereinigten Staaten. Die langfristigen Handelsströme sprechen weiterhin gegen die USA. China importierte im Juni die Rekordmenge von 13,55 Millionen Tonnen Sojabohnen. Davon kamen 12,08 Millionen Tonnen aus Brasilien, aber lediglich 1,27 Millionen Tonnen aus den Vereinigten Staaten. Die US-Lieferungen sanken damit gegenüber dem Vorjahr um mehr als 20 Prozent, während Brasiliens Exporte kräftig zulegten. Für amerikanische Sojafarmer ist das besonders schmerzhaft. Sie können ihre Ernte nicht kurzfristig in anderen Märkten unterbringen. Während Brasilien seine Anbauflächen und Hafeninfrastruktur ausgebaut hat, verlieren die USA Marktanteile beim größten Sojaimporteur der Welt. Politische Hilfen ersetzen keinen dauerhaft verlässlichen Abnehmer. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten. Der Krieg mit Iran hat Diesel und Dünger verteuert. Nach Berechnungen aus Illinois könnten sich die Treibstoffkosten bei klassischen Ackerbaubetrieben von durchschnittlich rund 50 auf 75 US-Dollar je Hektar erhöhen. Währenddessen bleiben die Preise für Getreide und Ölsaaten unter Druck. Das American Farm Bureau erwartet deshalb für die wichtigsten US-Feldfrüchte 2026 einen Verlust von insgesamt 31 Milliarden US-Dollar. Für 2027 könnte das Minus auf 32 Milliarden US-Dollar steigen. In einer Befragung erklärten 70 Prozent der Farmer, sie könnten sich nicht die gesamte benötigte Düngermenge leisten. Washington reagiert mit Milliardenhilfen. Trump ließ bereits 12 Milliarden US-Dollar an die Branche auszahlen und beantragte weitere Mittel. Direkte staatliche Zahlungen könnten 2026 rund ein Drittel des gesamten Farmeinkommens ausmachen – so viel wie seit 2001 nicht mehr. Das stabilisiert Betriebe kurzfristig, löst aber das Grundproblem nicht. Viele Farmer wollen ihr Einkommen nicht aus Hilfsprogrammen beziehen, sondern auf dem Markt verdienen. Dafür brauchen sie wettbewerbsfähige Kosten, verlässliche Handelspartner und planbare politische Rahmenbedingungen. Die Sojakäufe Chinas zeigen die Diskrepanz besonders deutlich: Eine Million Tonnen erzeugt positive Schlagzeilen. Gemessen an 25 Millionen zugesagten Tonnen bleibt sie jedoch kaum mehr als ein politisches Signal. Das "goldene Zeitalter" der US-Landwirtschaft besteht bislang vor allem aus neuen Subventionen – und dem Warten auf Aufträge, die nur in Bruchteilen eintreffen. Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion