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Trumps „menschlicher Drucker“: Wie Natalie Harp das präsidiale Ego streichelt

Welt

In Donald Trumps engstem Umfeld dominiert eine Frau, die im konventionellen Sinn nicht seine ist. Natalie Harp steht nicht am Rednerpult. Sie gibt keine großen Interviews. Sie trägt keine Kabinettsmappe. Meist sieht man sie dem Präsidenten mit Laptop, Telefon, Papier und mobilem Drucker hinterherwieseln. Eine blonde, fast geisterhaft präsente Frau von 34 Jahren, die im Machtapparat des Weißen Hauses eine Funktion erfüllt, die in keinem Organigramm präzise zu finden ist. Arbeitsplatz-Beschreibung: den Präsidenten in der Dauer-Schleife seiner eigenen Bewunderung halten. Seit dem neuen Buch „Regime Change“ von Maggie Haberman und Jonathan Swan hat diese Nähe eine unangenehme Intimität bekommen. Harp soll Trump kleine, schwärmerische Zettel in privaten Räumen hinterlassen haben. Einer davon lautete: „Du bist alles, was für mich zählt.” Trump wiederum soll Mitarbeitern gesagt haben: Ihr werdet alle irgendwann gehen und Geld verdienen. „Sie wird mich nie verlassen.“ Natürlich stellt Washington sofort die schmutzige Frage: Haben die beiden ein Verhältnis? Die seriöse Antwort lautet: Dafür gibt es keinen belastbaren Beleg. Was es gibt, ist aber fast noch interessanter: eine Beziehung aus totaler Loyalität, emotionaler Abhängigkeit, Arbeitsnähe und gegenseitiger Bestätigung. Harp ist Verstärkerin. Und Publikum-for-one. Und Botin. Sie ist Donald Trumps menschlicher Algorithmus. Geboren wurde Natalie Joy Harp 1991 in Kalifornien, aufgewachsen in einem christlich-konservativen Milieu. Sie studierte an der Point Loma Nazarene University und machte später einen Wirtschafts-Abschluss an der evangelikalen Liberty University. In die Trump-Welt kam sie über eine persönliche Erlösungsgeschichte. Harp litt an Knochenkrebs, sprach öffentlich über schwere Behandlungen und dankte Trump vor sieben Jahren dafür, dass sein „Right to Try“-Gesetz ihr Zugang zu experimenteller Medizin verschafft habe. „Ohne Sie“, sagte sie später bei der Republikanischen Parteitagsinszenierung 2020, „wäre ich gestorben, während ich darauf wartete, dass sie zugelassen wird.“ Mehr zum Fall Epstein Die Geschichte machte Eindruck auf Trump. Sie fügte sich perfekt in sein Selbstbild: der Präsident als Lebensretter, der bürokratische Knoten durchschlägt und dafür tiefste Dankbarkeit empfängt. Mediziner und die „Washington Post“ meldeten später Zweifel an, ob Trumps Gesetz für Harps konkrete Behandlung tatsächlich entscheidend war. Aber in Trumps Welt zählt emotionale Wahrheit immer mehr als überprüfbare Kausalität. Harp hatte ihm vor Publikum das gegeben, wonach er sich sehnt: Erlösung durch Anerkennung. Nach einem Intermezzo als Moderatorin beim rechten TV-Sender One America News, wo sie tapfer Trumps Wahlbetrugsmythen verteidigte, fand sie 2022 den Weg in seinen unmittelbaren Apparat. Damals war Trump nicht mehr Präsident, sondern der Mann aus Mar-a-Lago: angeklagt, gekränkt, verlassen. Harp blieb. Trump soll das nie vergessen haben. Während frühere Minister, Juristen, Berater und Spender Abstand nahmen, druckte Harp ihm weiter gute Nachrichten aus. Daher der Spitzname: „human printer“ – menschlicher Drucker. Trump liest ungern lange auf Bildschirmen. Er liebt Papier, Zeitungs-Ausschnitte, die rascheln, wenn man sie anfasst. Harp läuft darum mit Laptop und mobilem Drucker in seiner Nähe herum, auf dem Golfplatz, im Flugzeug, im Oval Office. Sie liefert ihm Soulfood für das nimmersatte Ego. Wenn Trump eine gedruckte Passage hochhält, steht oft Harps Tastendruck dahinter. Doch ihr Job geht weit über Bürohilfe hinaus. Senator John Barrasso, ein Republikaner, nennt sie ein „zusätzliches Paar Augen und Ohren für Trump”. Lindsey Graham sagt, wer etwas an Trump herantragen wolle, spreche erst mit Natalie. Harp selbst beschreibt die Anforderungen ihres Jobs als „Vertraulichkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit und Anpassungsfähigkeit“. Damit wird sie politisch wichtig. Harp tippt seine Diktate, hilft bei Truth-Social-Beiträgen, reicht ihm Material an, das seine Instinkte bestätigt. Die unsäglichen Affen-Memes über die Obamas sollen auf ihrem Mist gewachsen sein. Das „Wall Street Journal“ beschrieb ihre Rolle bei den nächtlichen Posting-Schüben des Präsidenten. Offiziell genehmigt Trump jeden Beitrag selbst. Aber wer auswählt, was er sieht, wer es ihm wann zeigt, der hat Einfluss. In einer Präsidentschaft, die oft aus Impulsen besteht, ist die Person am Drucker nicht nur Dienstleisterin sondern Rädchen in der Entscheidungsmaschine. Genau deshalb sind viele im präsidialen Umfeld irritiert. Susie Wiles, Trumps Stabschefin, soll angesichts der schwärmerischen Notizen gedacht haben: „Wo bin ich hier?“ Michael Wolff, lange Jahre Trumps ungeliebter Biograf, berichtete von Sorgen im Secret Service, der den Präsidenten zu beschützen hat. Harps Fixierung könne ein Sicherheitsproblem sein. Ihr entfremdeter Bruder Preston Harp sagte jetzt, die Beziehung wirke „sehr ungesund“. Sie sei „wie sein Fanclub“. Das Weiße Haus weist solche Deutungen reflexartig zurück. Sprecher nennen Harp loyal, hart arbeitend, allseits geschätzt. Aber das Rätselhafte, diese Mischung aus religiöser Dankbarkeit, persönlicher Hingabe und technischer Nähe zur Macht, bleibt. Sie ist weder klassische Sekretärin noch Strategin, weder Familienmitglied noch bloße Mitarbeiterin. Sie bewegt sich in jenem Zwischenraum, in dem Trumps Bedürfnisse politisch werden: sein 24/7-Hunger nach Lob, seine Abneigung gegen Widerspruch, seine Vorliebe für ausgedruckte Bestätigung.

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