DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.443,67 USD 07:23:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Truth Social wird zur Gelddruckmaschine: Trump formt sein Präsidentenamt zum Geschäftsmodell um

Technologie

Am Morgen des 9. April 2025 schreibt Donald Trump auf Truth Social: „THIS IS A GREAT TIME TO BUY!!!“ Wenige Stunden später setzt der US-Präsident überraschend einen Teil seiner kurz zuvor verhängten Zölle aus. Die Börsenkurse steigen kräftig. Später zeigen Finanzberichte, dass Trumps Vermögensverwalter rund um diese Handelstage Hunderte Wertpapierkäufe für ihn ausführten. Demokratische Abgeordnete fordern Ermittlungen wegen eines möglichen Insiderhandels. Bislang gibt es keinen Beleg dafür, dass Trump die Käufe selbst angeordnet oder vertrauliche Informationen weitergegeben hat. Das Wall Street Journal dokumentiert allerdings eine auffällige zeitliche Nähe zwischen seinen politischen Entscheidungen und den Bewegungen in seinem Portfolio. Trump macht aus seinem Markteinfluss ein Geschäftsmodell Nun soll aus Trumps Einfluss auf die Märkte ein Geschäftsmodell werden. Seine Mediengesellschaft will Banken, Hedgefonds und automatisierten Handelssystemen einen kostenpflichtigen Schnellzugang zu Truth Social anbieten. Die „Truth API“ soll Beiträge wichtiger Konten früher ausspielen als gewöhnliche Benachrichtigungen. Dazu dürften auch Trumps eigene Mitteilungen über Zölle, Sanktionen, Militäreinsätze oder einzelne Unternehmen gehören – Äußerungen, die binnen Sekunden Aktien-, Anleihe- und Rohstoffkurse bewegen können. ANZEIGE ANZEIGE Rund 41,1 Prozent der Stimmrechte an der Muttergesellschaft Trump Media liegen nach deren jüngstem Jahresbericht in einem Trust. Trump ist dessen alleiniger Begünstigter, sein Sohn Donald Trump Jr. verwaltet ihn. Steigen durch den neuen Dienst die Erlöse oder der Unternehmenswert, profitiert der Präsident höchstpersönlich über seine Beteiligung. Damit verwandelt Trump seine Macht als Präsident in ein privates Erlösmodell. Der Interessenkonflikt könnte offensichtlicher nicht sein. Tausende Geschäfte, zahlreiche Überschneidungen Datenanbieter verkaufen seit Langem schnelle Zugänge zu Börseninformationen. Ungewöhnlich ist aber, dass hier ein Präsident politische Nachrichten verbreitet und das Unternehmen seiner Familie den Geschwindigkeitsvorteil an professionelle Anleger verkauft. Noch größer wird der Interessenkonflikt durch Trumps Depot. Seine Berater tätigten 2025 mehr als 21.000 Wertpapiergeschäfte. Laut ABC News wuchs der bekannte Wert seiner Investmentkonten auf mindestens 858 Millionen Dollar. Darin befinden sich Beteiligungen an etwa 1600 Unternehmen, darunter zahlreiche Konzerne mit Regierungsaufträgen oder einem direkten Interesse an Trumps Industrie-, Rüstungs- und Technologiepolitik. Zum Vergleich: Joe Biden meldete während seiner gesamten Präsidentschaft 13 Aktiengeschäfte. Fragwürdige Aktien-Käufe vor Trump-Statements CNN glich Trumps Veröffentlichungen mit den gemeldeten Käufen ab. Das Ergebnis: In mindestens 44 Fällen kauften seine Konten Aktien von 21 Unternehmen, die Trump innerhalb der folgenden Woche auf Truth Social positiv erwähnte. Betroffen waren unter anderem Apple, Nvidia, Tesla und Boeing. Teilweise verkündete der Präsident zugleich staatliche Maßnahmen, von denen diese Firmen profitieren konnten. Die Untersuchung stellt ausdrücklich nicht fest, dass Trump von den Käufen wusste. Das Weiße Haus erklärt, unabhängige Finanzinstitute träfen die Anlageentscheidungen. Trumps Krypto-Coup Die Geschäfte ergänzen ein bereits weit verzweigtes System privater Einnahmen. Nach einer Reuters-Auswertung erhielt Trump 2025 mehr als 1,4 Milliarden Dollar aus Kryptoprojekten seiner Familie. Beim Meme-Coin „$TRUMP“ konnten Großanleger durch hohe Käufe Zugang zu einem Essen mit dem Präsidenten erhalten. Politische Nähe wurde damit zumindest faktisch Bestandteil eines kommerziellen Produkts. Das Spiel mit den Rohstoffmärkten Wie wertvoll ein Informationsvorsprung sein kann, zeigt der Ölmarkt die vergangenen Monate zahlreiche Male. Am 23. März 2026 verkauften unbekannte Händler innerhalb nur einer Minute Ölterminkontrakte im Volumen von rund 500 Millionen Dollar. Etwa eine Viertelstunde später kündigte Trump auf Truth Social an, Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur vorerst auszusetzen. Die Ölpreise brachen daraufhin um rund 15 Prozent ein. Reuters zufolge untersucht die US-Terminmarktaufsicht CFTC inzwischen, ob bei diesen Geschäften nicht öffentliche Informationen genutzt wurden. Wer hinter den Transaktionen stand, ist bislang nicht bekannt. Eine Verbindung zu Trump oder seinem Umfeld ist nicht belegt. Ein ähnliches Muster zeigte sich am 7. April. Wenige Stunden, bevor Trump eine zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran verkündete, setzten Händler rund 950 Millionen Dollar auf fallende Ölpreise. Nach der Ankündigung stürzte der Preis für US-Öl um gut 16 Prozent ab, die Nordseesorte Brent verlor mehr als 13 Prozent. Auf dem Prognosemarkt Polymarket wetteten zugleich neu angelegte Konten rechtzeitig auf eine Einigung. Einzelne Nutzer erzielten damit sechsstellige Gewinne. Auch hier gibt es bislang keinen Beleg dafür, dass Regierungsinformationen weitergegeben wurden. Die auffälligen Transaktionen zeigen aber, welche Summen sich mit wenigen Minuten Vorsprung verdienen lassen. Trump bewegt auch den Goldpreis Trump bewegt nicht nur den Ölpreis. Als er im August 2025 auf Truth Social erklärte, Goldimporte würden nicht mit Zöllen belegt, fielen die US-Goldfutures binnen kurzer Zeit um 2,4 Prozent. Zuvor hatte bereits die Aussicht auf mögliche Abgaben erhebliche Preisunterschiede zwischen den Handelsplätzen in New York und London ausgelöst. Auch Trumps Kupferpolitik sorgte für extreme Ausschläge: Nachdem seine Regierung zwar einen Zoll von 50 Prozent auf bestimmte Kupferprodukte ankündigte, weniger verarbeitete Formen jedoch ausnahm, brachen die US-Kupferfutures laut Reuters um 20 Prozent ein. Diese Fälle beweisen keine persönliche Bereicherung Trumps an den Rohstoffbörsen. Sie belegen jedoch die enorme wirtschaftliche Macht seiner Mitteilungen. Genau diese Macht will Trump Media mit der „Truth API“ monetarisieren. Wer zahlt, soll potenziell marktbewegende Beiträge früher erhalten. Die verdächtigen Ölgeschäfte zeigen, dass es dabei nicht um einen theoretischen Vorteil geht. Auf hochliquiden Märkten können Sekunden darüber entscheiden, wer Millionen verdient. Der große Aufschrei bleibt aus Trumps Vorgehen wird von Demokraten, Wissenschaftlern und Organisationen für Regierungsethik kritisiert. Von einer breiten, parteiübergreifenden Protestbewegung kann jedoch keine Rede sein. Ein Grund liegt in den Lücken des amerikanischen Rechts. Der Präsident ist vom zentralen strafrechtlichen Interessenkonfliktverbot für Regierungsmitglieder ausgenommen. Anders als ein Minister muss er sich daher nicht allein deshalb aus einer Entscheidung heraushalten, weil sein eigenes Depot davon profitieren könnte. Insiderhandel kann verfolgt werden Ein Freibrief ist das jedoch nicht. Der „STOCK Act“ erfasst ausdrücklich auch den Präsidenten: Nutzt er wesentliche, nicht öffentliche Informationen aus seinem Amt für Wertpapiergeschäfte, kann das als Insiderhandel verfolgt werden. Auch bewusst falsche Aussagen mit dem Ziel, einen Aktienkurs zum eigenen Vorteil zu manipulieren, wären verboten. Die entscheidende Hürde ist der Nachweis. Solange nicht belegt werden kann, dass Trump von den Käufen wusste, sie veranlasste oder seine Politik gezielt auf den eigenen Gewinn ausrichtete, bleibt selbst eine auffällige Abfolge von Aktienkauf, positiver Äußerung und Kursanstieg zunächst ein massiver Interessenkonflikt – aber kein erwiesenes Börsendelikt. Trumps Kritiker stumpfen ab Hinzu kommt die extreme Polarisierung. Eine aktuelle Gallup-Erhebung misst beim Vertrauen in das Präsidentenamt einen Abstand von 70 Prozentpunkten zwischen Republikanern und Demokraten. Politikwissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Menschen Korruptionsvorwürfe gegen Politiker der eigenen Partei deutlich milder bewerten. Für viele Trump-Anhänger sind die Vorwürfe deshalb kein neuer Beleg gegen ihn, sondern ein weiterer Angriff seiner Gegner. Seine Kritiker wiederum stumpfen ab. Sie erleben seit Jahren eine derart schnelle Folge von Affären, dass einzelne Fälle kaum noch längerfristige Aufmerksamkeit erzeugen. Juristisch bleibt deshalb Vorsicht geboten. Auffällige Transaktionen und massive Interessenkonflikte sind noch kein Beweis für strafbaren Insiderhandel oder Bestechlichkeit. Politisch ist der Befund dennoch gravierend. Trump hat Strukturen geschaffen, in denen Regierungsentscheidungen sein Vermögen beeinflussen können und sein Unternehmen nun sogar daran verdienen könnte, dass zahlende Händler früher davon erfahren. Das Außergewöhnliche ist nicht nur das Ausmaß. Es ist, wie gewöhnlich es in den Vereinigten Staaten inzwischen behandelt wird.

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