TSV 1860 München als Start-up: Mangs Plan zur Umstrukturierung
Wenn der Präsident des TSV 1860 München über die letzten Wochen spricht, möchte er auf keinen Fall das Wort "Chaos" in den Mund nehmen. Stattdessen vergleicht er die Situation mit einem Flug: "Es war turbulent. Wie, wenn wir im Flieger sind. Es hat wirklich schön gewackelt und geruckelt." Seit dem "Schwarzen Mittwoch" am 3. Juni, der den Zwangsabstieg in die Regionalliga besiegelte, befand sich das Flugzeug TSV 1860 München lange im Tiefflug. Der Hauptsponsor stieg aus, der Kooperationsvertrag mit Investor Hasan Ismaik wurde aufgekündigt, die KGaA musste Insolvenz anmelden. "Eine Achterbahnfahrt ist nichts dagegen", sagte Gernot Mang im exklusiven BR24Sport Interview. Start-up TSV 1860 München: viele offene Fragen "Vor vier Wochen sind wir drüben im Büro gesessen und haben gedacht: Wie soll das alles gehen?" Aber mit der Unterzeichnung des Servicevertrags mit der insolventen KGaA, der die Nutzung der bestehenden Strukturen ermöglichte, sind laut Mang "die Steine ins Rollen gekommen." Ab diesem Zeitpunkt hatte das Präsidium die neu gegründete Spielbetriebs-GmbH wie "ein klassisches Start-up Unternehmen" behandelt. Der Flieger hatte seine Nase also wieder nach oben ausgerichtet. Doch das Präsidium hatte, wie jedes Start-up, alle Hände voll zu tun: Spielerverträge, Trikots, Logo, Stadion-Mietvertrag, Dauerkarten – überall gab es offene Fragen. Dass diese innerhalb von vier Wochen geklärt werden konnten, lag auch an der guten Teamarbeit, laut Mang: "Ich finde es Wahnsinn, was meine Präsidiumskollegen hier runterreißen an Arbeit, an Stunden, Wochenende, Abende, fast auch schon Nächte und das ehrenamtlich. Also Hut ab!" Prominente Unterstützung und Mitgliederrekord bei den Löwen Für den Präsidenten und seine Mitstreiter sei die Unterstützung von außen für diese Arbeit enorm motivierend gewesen. Prominente wie der Komiker Michael Mittermeier oder die Band Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys haben sich öffentlich für den TSV 1860 München ausgesprochen. Anwälte boten ihren Support an, Sponsoren sind von sich aus auf den Verein zugekommen. Und auch die eigene Fanszene ist dem Verein treu geblieben, sogar noch gewachsen. Am Mittwoch vermeldete der TSV 1860 einen neuen Rekord von 29.000 Mitgliedern. "Es kommen immer noch mehr Mitglieder. Wir haben heute Mitgliederausweise nach Japan, in die USA, Skandinavien verschickt", freute sich der Präsident. Die von den Fans gestartete Crowdfunding-Aktion ist ebenfalls erfolgreich. Die gesammelte Summe beläuft sich aktuell auf 340.000 Euro. "Kein Kontakt zu Ismaik" – mögliche Schadensersatzklage? Dieses Geld braucht der Klub dringend, um den Spielbetrieb langfristig sicherzustellen. Aber Crowdfunding allein wird nicht reichen. Der Verein wird am Donnerstag einen neuen Hauptsponsor präsentieren. Dieser soll laut Mang finanzielle Sicherheit und Stabilität geben. Außerdem müsse ein Umdenken im Verein stattfinden: "Wir müssen sehr kostenbewusst umgehen. Das ist das oberste Ziel." Das Modell der letzten 16 Jahre sei nicht das "Erfolgsrezept" gewesen, Investor Hasan Ismaik musste jährlich ein finanzielles Defizit ausgleichen. Die Situation spitzte sich immer mehr zu bis es letztendlich vor zwei Monaten zur Bruchlandung kam. Zwischen dem ehemaligen Investor Hasan Ismaik und dem TSV 1860 München herrscht Funkstille. "Kontakt besteht keiner", sagte Mang. Was von dieser Seite aus noch auf den Verein zukommen könnte, eine Schadensersatzklage möglicherweise, wisse er auch nicht. Präsident Mang schließt neue Investoren bei 1860 nicht aus Doch trotz dieser Unwissenheit und der Erfahrungen der letzten 16 Jahre schloss der Präsident eine erneute Zusammenarbeit mit Investoren nicht aus. Er wolle allerdings erstmal beweisen, dass der Verein auch Geld verdienen kann. "Und dann sind wir auch interessant für Sponsoren, für strategische Partner. Wie dann dieses Modell aussieht, dass man Anteile verkauft, sieben, acht, neun, zehn Prozent über die Mitgliederversammlung – das ist dann der nächste Schritt." Gerade im Hinblick auf einen kostspieligen Ausbau des Grünwalder Stadions wäre das eine Überlegung. "Löwe zeigt seine Zähne" – Mang optimistisch Aber der Präsident zeigte sich optimistisch und kämpferisch: "Der Löwe zeigt Zähne und er befreit sich von seinen Fesseln." Und bei den Fans hat gerade die "Befreiung" vom Investor neue Euphorie entfacht. Beim öffentlichen Training am Mittwoch marschierten mehrere hundert Fans auf und unterstützten ihr Team mit Gesängen. Die Turbulenzen sind also vorerst überstanden. Das Start-up TSV 1860 München nimmt wieder Reiseflughöhe auf. Ob sich das in einen Höhenflug entwickelt, wird sich zeigen. Präsident Gernot Mang ist aber optimistisch: "Ich bin überzeugt, dass wir Erfolg schreiben werden. Vielleicht nicht jetzt, aber langfristig auf jeden Fall." Und neben dem ganzen vereinspolitischen und wirtschaftlichen Trubel wird am Samstag mit dem Saisonstart gegen den 1. FC Schweinfurt 05 auch erstmals zu sehen sein, wo die Mannschaft sportlich steht.