Tucker Carlson fordert neue Partei: Trumps Unterstützerbasis wankt
Tucker Carlson wendet sich ab
Trumps wichtigster Unterstützer bricht mit ihm
Eine Analyse von David Schafbuch
05.07.2026 - 19:30 UhrLesedauer: 5 Min.
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Tucker Carlson war einer der bedeutendsten Unterstützer Donald Trumps. Jetzt hat er mit dem Präsidenten und den Republikanern gebrochen und möchte eine neue Partei voranbringen. Kann er Trump damit schaden?
David Schafbuch berichtet aus New York
Dass Tucker Carlson von Donald Trump genug hat, ist schon seit Längerem bekannt. "Er tut mir leid. Er hat sein Leben nicht mehr im Griff", sagte der ehemalige Moderator des Senders Fox kürzlich über den US-Präsidenten in einem Interview mit der "Columbia Journalism Review" (CJR).
Carlson spielte mit seinen Äußerungen auf etwas an, das er dem US-Präsidenten schon seit Monaten vorwirft: Dass Trump von Israel in einen Krieg mit dem Iran hineingezogen wurde, obwohl er eigentlich keinen neuen Krieg führen wollte.
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Kommentar: Trumps Plan geht trotz Niederlage auf
Der Moderator galt viele Jahre als ein entschiedener Fürsprecher Trumps. Noch 2024 hatte er für Trump Wahlkampf gemacht und auf mehreren Veranstaltungen gesprochen. Doch seit Trump im Februar mit Israel gegen den Iran in den Krieg gezogen ist, hat sich die Meinung des Moderators geändert: Zunächst entzog er dem Präsidenten seine Unterstützung, dann der gesamten republikanischen Partei.
In seinem jüngsten Interview ging Carlson noch einen Schritt weiter: Der 57-Jährige behauptete dort, dass es zwischen den Demokraten und Republikanern zu viele politische Gemeinsamkeiten gebe. Daher brauche es eine neue Partei, und Carlson "werde alles dafür tun", dass es eine solche geben werde.
Dass er mit einer neuen Partei Erfolg haben wird, dürfte unwahrscheinlich sein. Ähnliche Bestrebungen haben in den USA noch nie signifikant gefruchtet. Trotzdem könnten seine Pläne dem Trump-Lager schaden: Denn seine Abgrenzung zu Trump zeigt, dass die Unterstützerbasis des Präsidenten immer instabiler wird. Das kann den Republikanern nicht nur kurzfristig bei den Zwischenwahlen Probleme bereiten, sondern auch bei den kommenden Präsidentschaftswahlen.
Carlson hatte Trump bei seinem politischen Aufstieg lange unterstützt. Während Trumps erster Amtszeit war der 57-jährige Moderator bei Fox News und hatte seine eigene Sendung genutzt, um dem Präsidenten den Rücken zu stärken. Seine Sendung wurde zwischenzeitlich laut Einschaltquoten zur erfolgreichsten politischen Nachrichtensendung der USA. Der Moderator galt seitdem als eines der Sprachrohre der "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA), die den harten Kern der Trump-Unterstützer ausmacht.
2023 trennte sich Fox News allerdings trotz großer Erfolge von dem bekannten Moderator. Offiziell gab es nie eine Begründung für den Schritt. Es wurde jedoch gemunkelt, dass er bei den Eigentümern von Fox, der Familie Murdoch, in Ungnade gefallen war.
Millionenklage und Belästigungsvorwürfe
Der Moderator und andere Fox-Mitarbeiter hatten zuvor in ihren Sendungen behauptet, dass die Wahlmaschinen der Firma Dominion, die bei der Präsidentschaftswahl 2020 eingesetzt worden waren, manipuliert gewesen seien. Dominion hatte daraufhin das Medienunternehmen wegen Verleumdung verklagt.
Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich, in dem Fox dem Hersteller fast 790 Millionen Dollar zahlte. Zudem hatte eine ehemalige Mitarbeiterin Carlson in einem weiteren Prozess Sexismus und Belästigungen vorgeworfen. Seitdem war Carlson mit einem eigenen Format vor allem auf der Videoplattform YouTube erfolgreich.
Distanz wurde größer
Der Krieg im Iran führte dazu, dass Carlson immer weiter auf Distanz zum Trump-Lager ging: Zunächst kritisierte er den Präsidenten, verteidigte aber den Vizepräsidenten JD Vance. Er schätze ihn sehr, sagte er im Mai der "New York Times". Zudem hob Carlson hervor, dass sich Vance aktuell in einer "schwierigen Lage" befinde. Vance wird nachgesagt, dass er den Krieg im Iran skeptisch sieht, ihn aber als Mitglied der Regierung dennoch mittragen muss.
Ende Juni ging Carlson noch einen Schritt weiter und entzog der gesamten republikanischen Partei seine Unterstützung. Zwar habe er sein ganzes Leben die Partei gewählt, sagte Carlson im Podcast "Can't Be Censored", aber die aktuelle Politik der Partei könne er nicht mehr verteidigen. Denn die Republikaner würden "die Interessen eines anderen Landes über die ihrer eigenen Bürger" stellen. Carlson meinte damit erneut die Interessen Israels.
Die Gründung einer neuen Partei stellt Carlson in dem Podcast noch nicht in Aussicht. Allerdings kündigte er dort bereits an, dass er weder die Republikaner noch die Demokraten in Zukunft wählen werde.
Kaum Erfolg für Drittparteien
Wie genau die Partei aussehen könnte, die der Moderator wählen würde, erwähnte er in dem jüngsten Interview allerdings nicht. Dafür aber mehrere Themen, die ihm wichtig seien: Carlson sprach etwa davon, dass die Einwanderung in die USA vollständig beendet werden müsse.
Neu ist die Forderung nach einer weiteren Partei neben den Demokraten und Republikanern nicht. Tatsächlich gibt es in den USA zahlreiche weitere Parteien, die allerdings auf Bundesebene oder Ebene der Bundesstaaten kaum nachweislichen Erfolg haben. Das letzte Mal, dass ein Präsident in den USA nicht von den Republikanern oder Demokraten stammte, war im Jahr 1850. Der damalige Präsident Millard Fillmore gehörte der Whig-Partei ein, die später in der Diskussion um den Umgang mit Sklaverei in den USA zerbrach.
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Ähnliche Bestrebungen wie bei Carlson gab es auch in der jüngeren Vergangenheit, zuletzt etwa von Elon Musk. Der Techunternehmer hat sich im vergangenen Jahr mit Trump überworfen, nachdem er ihn zu Beginn seiner Amtszeit und noch im Wahlkampf unterstützt hatte.
Vor etwa einem Jahr verkündete Musk, er wolle die "America Party" gründen. Trump bezeichnete Musks Absichten damals als "lächerlich". Einen Monat später berichtete dann das "Wall Street Journal", dass Musk seine Pläne schon wieder aufgegeben habe. Stattdessen setze er seine politischen Hoffnungen künftig in den Vizepräsidenten Vance. Seitdem ist von der Musk-Partei öffentlich nichts mehr zu hören.
Mit der Abkehr von Trump ist Carlson auch längst nicht mehr allein. In den vergangenen Monaten haben sich verschiedene Fürsprecher vom Präsidenten abgewandt: Die Kritik geht dabei über den Iran-Krieg hinaus. Trump wird auch mitunter eine zu harte Migrationspolitik oder der zögerliche Umgang mit den Epstein-Ermittlungsakten vorgeworfen. Deswegen hatten sich zuletzt etwa die ehemalige Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, der rechtsextreme Meinungsmacher Nick Fuentes oder Joe Rogan, einer der erfolgreichsten Podcaster der Welt, von Trump distanziert.
"Bin kein Planer"
Offen ist allerdings, welche konkreten Ambitionen Carlson mit einer neuen Partei verbinden würde. Der republikanische Politberater Liam Donovan geht davon aus, dass der Moderator weitere Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte. "Ich glaube, er versucht, sich eine eigene Plattform aufzubauen. Er versucht, sich ein eigenes Publikum aufzubauen", sagte Donovan jüngst der "New York Times". Bislang werden Carlsons Videos auf YouTube von Hunderttausenden, manchmal auch von Millionen Menschen angesehen.
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Andere Beobachter halten es für möglich, dass Carlson auch Interesse an einer Präsidentschaftskandidatur haben könnte. Der Moderator selbst bestreitet das dagegen immer wieder. "Ich will nicht kandidieren", sagte er in dem Interview mit dem "CJR". Allerdings sagte er in demselben Gespräch, dass er nie weit vorausdenke: "Ich plane nicht im Voraus, wo ich heute Abend nach dem Essen sein werde. Ich bin kein Planer. War ich nie."