DAX +1,15 % 25.704,02 Pkt 18:00:00 MDAX +0,45 % 30.425,40 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,05 % 6.167,81 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,22 % 52.475,10 Pkt 22:18:52 S&P 500 +0,88 % 7.743,98 Pkt 22:18:42 Nasdaq +1,45 % 26.549,85 Pkt 22:15:59 Nikkei +0,96 % 64.566,67 Pkt 06:59:30 Gold -0,31 % 4.039,00 USD 07:04:34 Silber -1,09 % 52,88 USD 07:04:34 Brent -4,58 % 110,04 USD 07:03:28 WTI -1,47 % 101,27 USD 07:04:23 Bitcoin -1,50 % 80.039,62 USD 07:14:32 EUR/USD +0,04 % 1,11350 USD 07:13:46 EUR/GBP +0,06 % 0,83660 GBP 07:14:35 EUR/CHF +0,11 % 0,92330 CHF 07:14:35 EUR/JPY -0,01 % 175,770 JPY 07:14:35

TUM-E-Auto-Studie: Zitierte Forscher gehen auf die Barrikaden

Technologie

Die Debatte um die E-Auto-Studie der Technischen Universität München (TUM) spitzt sich weiter zu. Nachdem zunächst Forscher aus den eigenen Reihen die Methodik und Auswahl der beteiligten Wissenschaftler kritisiert hatten, wenden sich nun auch internationale Spitzenforscher gegen die öffentliche Darstellung der Studie.

Ihr Vorwurf: Die TUM und ihr Präsident sollen die wissenschaftlichen Ergebnisse für politische PR massiv verzerrt haben.

Was zuvor geschah: Noch vor Veröffentlichung der vollständigen Studie wetterte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der „Bild“-Zeitung gegen das geplante Verbrenner-Aus ab 2035. Auch die TUM selbst stellte in ihrer Pressemitteilung das E-Auto als Klimaretter infrage.

Das Timing: In der EU-Kommission, dem Europaparlament und EU-Regierungen stehen diesen Herbst Beratungen zum Verbrenner-Aus an. Dafür hatte die unionsgeführte Bundesregierung ein „Automobilpaket“ vorgelegt, das weniger strenge CO2-Vorgaben für Autohersteller vorsieht.

Was steht drinnen: Die Studie zur CO2-Bilanz von Fahrzeugen zeigt, dass Elektroautos die Atmosphäre über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg deutlich weniger mit CO2 belasten als Verbrenner. Allerdings seien auch E-Autos bei der Produktion nicht emissionsfrei. Eine Erkenntnis, die der Fachwelt schon lange bekannt ist.

Doch die Arbeit geriet schnell in die Kritik: Zunächst bemängelten eigene TU-Professoren und Fahrzeugexperten, dass sie bei der Erstellung übergangen wurden und die Studie nicht peer-reviewed wurde (also von nichtbeteiligten Experten gecheckt), wie in der Wissenschaft üblich.

Zitierte Forscher widersprechen der TUM-Studie

Jetzt kommt weiterer Ärger hinzu. Denn auch Wissenschaftler, deren Arbeiten als Grundlage für die TUM-Metastudie dienten, gehen öffentlich auf Distanz.

ANZEIGE

ANZEIGE

Im Zentrum steht Arnold Tukker, Professor an der renommierten Universität Leiden in den Niederlanden und Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für industrielle Ökologie. Seine Forschung bildet ein wichtiges Fundament der Münchner Untersuchung.

Doch mit der öffentlichen Darstellung seiner Arbeit durch die TUM will Tukker nichts zu tun haben.

Auf LinkedIn stellte der Wissenschaftler klar: „Wir sind zutiefst enttäuscht über diese Fehlinterpretation unserer Arbeit in der Pressemitteilung der TUM. Dadurch wurde die Aussage unserer Studie in den öffentlichen Medien stark verzerrt.“

Tukker distanziert sich ausdrücklich von der Stellungnahme der Münchner Universität.

Dabei geht es um mehr als eine unglückliche Formulierung. Tukker widerspricht der politischen Interpretation, wonach seine Forschung den Klimanutzen von Elektroautos infrage stelle.

Seine eigene Forschung zeige vielmehr, dass Elektrofahrzeuge ein hervorragendes Mittel für ein emissionsarmes Verkehrssystem seien. Aus seiner Sicht lautet die Konsequenz deshalb nicht, den Umstieg auf E-Autos zu bremsen.

Im Gegenteil: Der Ersatz von Verbrennern durch Elektroautos müsse „beschleunigt und nicht verzögert werden“, so Tukker.

Auch bei der TUM selbst regt sich Widerstand

Die Kritik kommt allerdings nicht nur von außerhalb der Universität. Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Studie hatten sich auch TUM-Forscher zu Wort gemeldet.

Markus Lienkamp, Leiter des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik, kritisierte insbesondere, dass wichtige Experten der Universität nicht in die Untersuchung einbezogen worden seien.

„Relevante Professoren der TUM, wie Andreas Jossen, Malte Jaensch, Thomas Hamacher und Markus Lienkamp, wurden nicht eingebunden“, erklärte Lienkamp.

Das ist deshalb brisant, weil es bei der Untersuchung um eine hochkomplexe Frage geht, bei der unterschiedliche Fachgebiete zusammenkommen: Fahrzeugtechnik, Batterieforschung, Energieversorgung, Klimawissenschaft und Ökobilanzierung.

Kritik auch an Hofmanns Forderung

Besonders umstritten ist eine Forderung von TUM-Präsident Thomas Hofmann, der die Metastudie beauftragt hat. Er plädiert dafür, bei der europäischen CO2-Bewertung von Autos stärker den gesamten Lebenszyklus zu betrachten – also nicht nur die Emissionen, die während der Fahrt aus dem Auspuff kommen.

Auf den ersten Blick klingt das nach einer naheliegenden Forderung von Hofmann. Doch auch dagegen gibt es Widerspruch.

Der Energieökonom Edgar Hertwich, leitender Forscher am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) im österreichischen Laxenburg, hält Hofmanns Darstellung für „grob falschinformiert“.

Hertwich argumentiert, dass die EU die verschiedenen CO2-Faktoren eines Elektroautos bereits berücksichtigt – allerdings über unterschiedliche politische Instrumente. Die Emissionen der Stromerzeugung werden demnach beispielsweise über die Energiepolitik adressiert und nicht allein über die CO2-Regulierung für Pkw.

Gerade das ist für die anstehenden politischen Verhandlungen relevant. Denn die EU berät über die künftigen CO2-Vorgaben für Autohersteller. Die Bundesregierung will dabei mit ihrem „Automobilpaket“ weniger strenge Vorgaben durchsetzen.

Hertwich zieht deshalb mit Blick auf Hofmanns öffentliche Stellungnahme eine ungewöhnlich deutliche Konsequenz: „Er sollte es zurückziehen.“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren