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Tunguska erledigt, was Gepard und Skynex nicht können

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Alte Waffe, neue Wirkung: Ukraines Tunguska erledigt, was Gepard und Skynex nicht können

Von: Bedrettin Bölükbasi

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Eine sowjetische Flugabwehr-Waffe erlebt in der Ukraine ein Comeback: Die Tunguska kann sogar schnelle, düsengetriebene Drohnen abschießen.

Kiew – Sie stammt aus der Sowjetzeit und wirkt auf den ersten Blick wie ein Relikt des Kalten Krieges. Doch auf dem ukrainischen Schlachtfeld erfüllt die 2S6 Tunguska weiterhin eine wichtige Aufgabe gegen die Drohnenattacken von Wladimir Putin: Das Flugabwehrsystem kann mit seinen 30-Millimeter-Kanonen auch düsengetriebene Drohnen bekämpfen – eine Fähigkeit, die in der ukrainischen Flugabwehr derzeit nur begrenzt verfügbar ist.

Ukraine-Krieg: Kiews Luftabwehr kämpft gegen russische Drohnen

Die ukrainischen Streitkräfte haben nun erneut Aufnahmen veröffentlicht, die den Einsatz einer Tunguska zeigen. Das Video stammt vom 1020. Flugabwehrraketenregiment der ukrainischen Streitkräfte und zeigt die Bedienmannschaft beim Einsatz gegen ein Luftziel. Zu sehen ist, wie die beiden 30-Millimeter-Kanonen des Systems auf eine düsengetriebene Drohne feuern und diese schließlich abschießen. Bei dem Ziel soll es sich vermutlich um eine Geran-4-Drohne gehandelt haben.

Tunguska-Systeme sind in den Aufnahmen aus dem Ukraine-Krieg vergleichsweise selten zu sehen. Dennoch werden die sowjetischen Flugabwehrfahrzeuge weiterhin eingesetzt. Bereits 2024 gab es Berichte über ihren Einsatz gegen russische Drohnen. Auch im August 2026 veröffentlichte der ukrainische Generalstab Aufnahmen einer Tunguska-Besatzung. Die Soldaten berichteten darin, neben Shahed-Drohnen auch Aufklärungsdrohnen wie die russische Orlan zu bekämpfen.

Mit Kanonen gegen Drohnen: Tunguska unterstützt ukrainische Luftabwehr

Ihre besondere Stärke liegt dabei nicht allein in den Flugabwehrraketen. Die Tunguska verfügt über zwei 30-Millimeter-Kanonen und führt insgesamt 1936 Schuss Munition mit. Damit kann sie Luftziele auf Entfernungen von bis zu rund vier Kilometern bekämpfen.

Gerade gegen Drohnen kann das ein entscheidender Vorteil sein. Der Einsatz von Kanonen ist deutlich günstiger als der Abschuss teurer Flugabwehrraketen. Gleichzeitig kann die Tunguska auch schnelle, düsengetriebene Ziele bekämpfen. Für die ukrainische Luftverteidigung ist das angesichts der zunehmenden Verwendung solcher Drohnen durch Russland von besonderem Interesse.

Bei den Flugabwehrraketen des Systems gibt es dagegen Einschränkungen. Auf Aufnahmen ukrainischer Einheiten sind Tunguskas teilweise nur mit drei oder vier 9M311-Raketen bestückt, obwohl das System über acht Startvorrichtungen verfügt. Ein möglicher Grund: Die Raketen wurden ausschließlich in Russland produziert und sind für die Ukraine entsprechend schwer zu beschaffen. Damit kommt der Kanonenbewaffnung eine umso größere Bedeutung zu. Die Tunguska kann ihre Mission auch dann erfüllen, wenn nur wenige Raketen zur Verfügung stehen.

Sowjet-System neben deutscher Flugabwehr: Ukraine setzt neben Gepard auch auf Tunguska

Dass die Ukraine weiterhin auf ein sowjetisches System setzt, bedeutet allerdings nicht, dass moderne Flugabwehr fehlt. Im Gegenteil: Neben der Tunguska setzt die ukrainische Armee unter anderem auf den deutschen Gepard. Das ebenfalls auf Kanonen basierende System stammt zwar aus einer ähnlichen Ära, hat sich im Krieg gegen russische Drohnen jedoch als äußerst wirksam erwiesen.

Hinzu kommen modernere Systeme wie Skynex. Außerdem wartet die Ukraine auf die Lieferung von Skyranger-35-Systemen, die auf Leopard-1-Fahrgestellen montiert werden sollen. Diese Systeme verfügen über moderne Sensorik und können unter anderem programmierbare Airburst-Munition einsetzen, die ihre Wirkung gegen kleine Luftziele erhöhen soll.

Die alte Tunguska hat damit eine Nische behalten, die auch moderne Systeme nicht vollständig überflüssig macht. Während die Ukraine ihre Flugabwehr Schritt für Schritt modernisiert, muss sie gleichzeitig mit dem vorhandenen Material möglichst viele russische Drohnen abfangen – und dabei auch auf bewährte sowjetische Technik zurückgreifen.

Putin verstärkt Luftangriffe: Ukraine braucht dringend weitere Abfangraketen

Der Bedarf an Flugabwehr bleibt unterdessen enorm. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigte, dass die Ukraine bei den EU-Staaten einen neuen Antrag auf finanzielle Unterstützung für ihre Luftverteidigung gestellt hat. Die Forderung habe einen Wert von mehreren Milliarden Euro und solle unter anderem die Beschaffung moderner PAC-3-Patriot-Abfangsysteme ermöglichen.

Gleichzeitig arbeitet Europa nach Angaben von der Leyens mit der Ukraine am Raketenabwehrprojekt Freya. Aus dem seit Juni bereitgestellten Unterstützungskredit von 90 Milliarden Euro seien bereits 8,5 Milliarden Euro für Drohnen und Raketen vorgesehen. Die ukrainische Führung hatte ihren Bedarf zuletzt mit rund 300 Abfangraketen angegeben. Ein anhaltender Mangel könnte insbesondere im kommenden Winter problematisch werden, wenn Russland erneut verstärkt die ukrainische Energieinfrastruktur angreifen sollte.

Bis moderne westliche Systeme in ausreichender Zahl verfügbar sind, bleibt deshalb auch die Technik aus der Sowjetzeit im Einsatz. Die Tunguska zeigt dabei, dass selbst ein Flugabwehrsystem aus dem Kalten Krieg unter den Bedingungen des Drohnenkriegs noch überraschend gut aktuelle Aufgaben erfüllen kann. (Quellen: dpa, Defense Express, eigene Recherche) (bb)

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