Türkei: Comedian drohen wegen Witzen über Erdoğan mehr als neun Jahre Haft
Wegen Witzen in einer im Internet viral gegangenen Show hat ein Gericht in Istanbul eine Anklage gegen den türkischen Comedian Deniz Göktaş zugelassen. Göktaş könnten demnach bis zu neun Jahre und acht Monate Haft drohen, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Die Anklageschrift der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft wirft dem 32-Jährigen unter anderem vor, Präsident Recep Tayyip Erdoğan beleidigt, die Bevölkerung zu Hass und Feindschaft angestachelt sowie Straftaten und Straftäter gelobt zu haben. Göktaş soll die betroffenen Äußerungen in seinem am 24. Juni veröffentlichten YouTube-Special gemacht haben.
Comedian seit Juli in Untersuchungshaft
In der Sendung sagte Göktaş: »Ich habe Recep Tayyip Erdoğan noch nie gemocht, nicht einmal für eine Minute in meinem Leben.« Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hätten die Äußerungen des Comedians »die Grenzen der Kritik überschritten« und das »Ansehen und die Würde des Präsidenten in den Augen der Öffentlichkeit beschädigt«. Zudem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, Witze über Frauen gemacht zu haben, die mit islamisch-konservativer Badebekleidung im Meer schwimmen gehen.
Der Comedian selbst hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Seit dem 3. Juli sitzt er in Untersuchungshaft. Das Gericht ordnete nun an, dass er vorerst in Haft bleibt. Der erste Verhandlungstermin ist am 28. September.
Göktaş’ Video wurde 14 Millionen Mal angeguckt
Das YouTube-Special wurde 14 Millionen Mal aufgerufen. Es enthielt auch Witze über Religion sowie weitere gesellschaftliche und politische Themen und löste bei regierungsnahen Akteuren heftige Kritik aus.