Typ-2-Diabetes: Knochenschwund erklärt Frakturrisiko nicht allein
Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Frakturrisiko – obwohl ihre Knochenmineraldichte häufig höher ist als bei Menschen ohne Diabetes. Eine aktuelle Analyse deutet nun darauf hin, dass auch langfristige Veränderungen der Knochenstruktur dieses Paradoxon nicht vollständig erklären können. Für die in „Diabetes Care“ veröffentlichte Studie analysierte ein Forschungsteam um Dr. Alyssa B. Dufour vom Hinda and Arthur Marcus Institute for Aging Research und der Harvard Medical School (USA) die Veränderungen der Knochen über einen Zeitraum von durchschnittlich acht Jahren. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes die Knochenstruktur und -festigkeit stärker verschlechtert als bei Menschen mit normalem Glukosestoffwechsel. Langfristige Beobachtung der Knochenstruktur In die longitudinale Untersuchung wurden 769 Teilnehmende der Framingham-Studie eingeschlossen. Das Durchschnittsalter lag bei 67 Jahren, 59 Prozent waren Frauen. Die Knochen wurden zwischen 2012 und 2016 sowie erneut zwischen 2021 und 2023 untersucht. Zum Einsatz kam hierfür die hochauflösende periphere quantitative Computertomografie (HR-pQCT). Mit diesem Verfahren konnten die Forschenden sowohl die äußere, kortikale Knochenschicht als auch den schwammartig aufgebauten inneren Anteil (trabekulärer Knochen) detailliert beurteilen. Neben der Knochendichte wurden auch Parameter der Mikroarchitektur und der Knochenfestigkeit erfasst. Die Teilnehmenden wurden zudem entsprechend ihres Glukosestoffwechsels unterteilt: 57 Prozent hatten eine Normoglykämie, 31 Prozent einen Prädiabetes und zwölf Prozent einen Typ-2-Diabetes. Keine stärkere Verschlechterung bei Typ-2-Diabetes Entgegen der Erwartung zeigte sich über die acht Jahre kein relevanter Unterschied bei den Veränderungen der peripheren Knochendichte und Mikroarchitektur zwischen den Gruppen. Auch innerhalb der Gruppe mit Diabetes ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Ausprägung des Diabetes und der Veränderung der untersuchten Knochenparameter feststellen. Dies galt unter anderem für den HbA1c-Wert, die Dauer der Diabeteserkrankung und die Einnahme von Diabetesmedikamenten. Beispielsweise nahm die volumetrische kortikale Knochendichte am Radius bei Menschen mit Typ-2-Diabetes im Untersuchungszeitraum adjustiert um 1,50 Prozent ab. Bei Menschen mit Prädiabetes betrug der Rückgang 1,96 Prozent und bei normoglykämischen Personen 2,42 Prozent. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant. „Wir hatten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mit stärkeren Veränderungen der Knochenmikrostruktur und -festigkeit gerechnet“, sagt Dufour. „Tatsächlich war der Knochenschwund bei älteren Erwachsenen mit und ohne Typ-2-Diabetes aber ähnlich.“ Das „Knochendichte-Paradoxon“ bleibt bestehen Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund des bekannten Fraktur- bzw. Knochendichte-Paradoxons bei Typ-2-Diabetes relevant. Betroffene weisen häufig eine höhere Knochendichte auf, haben gleichzeitig jedoch ein erhöhtes Risiko für Frakturen. „Die Knochendichte allein erzählt offenbar nicht die ganze Geschichte“, resümiert Seniorautorin Dr. Elizabeth Samelson. Die Forschenden sehen daher weiteren Untersuchungsbedarf, um die Mechanismen der erhöhten Skelettfragilität bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes besser zu verstehen. (mkl/BIERMANN) Mehr zum Thema „Osteoporose“: Menopausale Hormontherapie könnte vor Knochenschwund schützen