U-Boot-Bauer: Wie das Kanzleramt den Rüstungsstar TKMS fast in US-Hand gab
Berlin. Das Aufsehen war groß, als der Schiffbauer TKMS Anfang Juli einen Riesenauftrag erhalten hat. Kanada orderte bei der Thyssenkrupp-Tochter bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD. Das Auftragsvolumen wird über den gesamten Lebenszyklus einschließlich Wartung und Betrieb auf bis zu 100 Milliarden kanadische Dollar geschätzt, umgerechnet rund 62 Milliarden Euro. Die Order aus Ottawa hat an zahlreichen Stellen für Jubel gesorgt: bei der Bundesregierung, bei Landesregierungen, beim Unternehmen sowieso. Es handelt sich nicht nur um eine wirtschaftlich wichtige Nachricht für das Unternehmen und den Werftstandort Deutschland. Sie wird von den Beteiligten auch als Zeichen einer größeren Unabhängigkeit von den USA gewertet – und dass Deutschlands Verteidigungsfähigkeit vielleicht nicht so schlecht aufgestellt ist wie befürchtet. Dabei sah es noch 2024 wirtschaftlich düster aus für die Marinesparte von Thyssenkrupp, die sich erst mit dem Börsengang im Oktober 2025 vom Mutterkonzern löste. Dem Unternehmen fehlten damals Aufträge, die finanziellen Probleme nahmen zu. Um den einzigen echten Player im Bereich des militärischen Schiffbaus in Deutschland und zahlreiche Arbeitsplätze zu erhalten, startete die damalige Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP Verhandlungen über eine Staatsbeteiligung.