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Über 75-Jährige setzen Statine ab - Sterberisiko steigt nicht

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Über 75-Jährige setzen Statine ab – Sterberisiko steigt nicht

Von: Pamela Dörhöfer

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Eine französische Studie mit 1160 Teilnehmern zeigt: Ältere Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Statine absetzen, ohne dass sich ihr Sterberisiko erhöht. Allerdings stieg ihr LDL-Cholesterin um 50 Prozent an.

Alleine in Deutschland nehmen rund fünf Millionen Menschen wegen eines erhöhten Cholesterinspiegels im Blut und des damit verbundenen Herz-Kreislauf-Risikos Statine ein; die meisten von ihnen sind zwischen 60 und 80 Jahre alt. Die seit Ende der 1980er Jahre zugelassenen Medikamente hemmen das Leberenzym HMG-CoA-Reduktase und reduzieren dadurch die körpereigene Produktion des „schädlichen“ LDL-Cholesterins um bis zu 50 Prozent. Außerdem stabilisieren sie die Gefäßwände und wirken entzündungshemmend. Auf diese Weise sollen sie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch Atherosklerose hervorgerufen werden, vorbeugen. Doch Statine können auch unangenehme Nebenwirkungen haben, vor allem Schmerzen und Schwächegefühl in den Muskeln.

Ein französisches Forschungsteam der Universität Bordeaux hat nun untersucht, ob sich das Absetzen von Statinen bei Menschen ab 75 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder früheren Schlaganfall negativ auswirkt. Tatsächlich erhöhte sich das Sterberisiko über drei Jahre nicht im Vergleich zu den Teilnehmenden der Studie, die weiterhin Statine einnahmen. Jedoch stieg der Spiegel des „schlechten“ LDL-Cholesterins bei jenen, die sie absetzten, um etwa 50 Prozent an. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachmagazin „The Lancet Healthy Longevity“.

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Nun gibt es viele Studien, die eine Wirksamkeit von Statinen zur Vorbeugung eines Herz-Kreislauf-Todes bestätigen. So berichtet eine 2013 erschienene Metaanalyse des unabhängigen Forschungsnetzwerks Cochrane, für die 18 Studien mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren ausgewertet wurden, von einer Verringerung der Gesamtmortalität um 14 Prozent bei Erwachsenen, die Statine zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnahmen. Allerdings betrug das durchschnittliche Alter der Teilnehmenden in diesen Studien 57 Jahre. Da die meisten Studien zu Statinen Personen über 70 oder 80 Jahre ausschließen (diese Gruppe nimmt an vielen medizinischen Studien nicht teil), blieb der Nutzen von Statinen zur Primärprävention von Herzerkrankungen oder Schlaganfall bei älteren Menschen unklar.

An der aktuellen Studie nehmen 1160 Erwachsene ab 75 Jahren ohne Vorerkrankungen wie Herzkrankheiten oder Schlaganfall in allgemeinmedizinischen Praxen in Frankreich teil. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie entweder der Gruppe zugeteilt, die Statine absetzte, oder der Gruppe, die die Medikamente weiter einnahm.

Das Resultat: Nach drei Jahren waren 7,2 Prozent der Teilnehmenden aus der Gruppe ohne Statine verstorben, in der Gruppe mit Statinen waren es 7,9 Prozent. Es zeigte sich zudem kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen hinsichtlich schwerer kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der berichtete 50-prozentige Anstieg beim LDL-Cholesterin bedeutet in der Gruppe ohne Statine einen Durchschnittswert von 171 mg/dl, in der Gruppe mit Statinen einen Durchschnittswert von 115 mg/dl. Ein weiteres Resultat der Studie: Die Teilnehmenden aus beiden Gruppen berichteten nicht von einer Änderung ihrer Lebensqualität, gleich ob sie die Medikamente weiternahmen oder nicht.

Die Autor:innen betonen, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass ältere Patient:innen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfall in der Vorgeschichte ihre ärztlich verordneten Statine absetzen sollen. Die Entscheidung, die Behandlung im Alter fortzusetzen oder zu beenden, sollte vielmehr individuell und gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin getroffen werden. Weitere Studien seien erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen und die langfristigen Auswirkungen des Absetzens von Statinen bei älteren Menschen zu erforschen.

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