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"Über der Linie!": Kontroverser IMSA-Crash reißt Estre und Aitken raus

Sport

(Motorsport-Total.com) - Dieser Unfall sorgt für Diskussionen: Jack Aitken greift im Action-Express-Cadillac #31 (Aitken/Bamber/Vesti; 18.) beim letzten Restart des erstmals im Rahmen der IMSA ausgetragenen 6-Stunden-Rennens auf der Road America Kevin Estre im Penske-Porsche #6 (L. Vanthoor/Estre; 17.) auf der Außenbahn an. Estre zieht rüber und schickt beide ins Verderben. Profiteur der Kollision ist ausgerechnet Porsche-Werksfahrer Laurin Heinrich, der mit dem privaten JDC-Miller-Porsche #5 (van der Helm/Heinrich/Frederick; 2.) den zweiten Platz erbt. Dadurch bleiben Heinrichs Meisterschaftschancen intakt, wenn auch mit 128 Punkten Rückstand eher theoretischer Natur. Die Podiumsserie von Action Express Racing, die seit Saisonbeginn angehalten hatte, riss mit dem Unfall. Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die IMSA hat ein "umfassendes Review" der Kollision angekündigt, weshalb die Ergebnisse provisorisch bleiben. Beide Fahrer hatten anschließend unterschiedliche Ansichten. "Ein Ausfall für uns in den letzten zehn Minuten des Rennens", teilt Estre über die sozialen Medien mit. "Wir haben um ein Podium gekämpft." "Aber beim Restart hat die #31 versucht, in Kurve 1 auf der linken Seite außen vorbeizugehen. Er hatte nur seine Fahrzeugnase neben mir. Ich hätte etwas mehr Platz lassen können. Er hätte genauso gut zurückstecken können. Ich glaube nicht, dass man hier jemandem zu 100 Prozent die Schuld geben kann." "Aber sicher gibt es dieses 'hätte, wäre, wenn', man hätte links ein wenig Platz lassen sollen. Wir hatten Kontakt, als wir auf die Bremse stiegen, und dann waren wir beide nur noch Passagiere und landeten in der Mauer - das war's." "Es ist schade, denn wir haben bis dahin ein tolles Rennen gefahren. Eines ist sicher: Wir müssen derzeit wie die Verrückten fahren, um überhaupt in dieser Position zu sein. So ist das nun mal." Damit kritisiert er die Balance of Performance (BoP), in der die Werks-Porsche seit den Siegen in Daytona und Sebring deutlich schwerer eingestuft sind. Aitken, dem von Beobachtern nachgesagt wurde, dass er als Tabellenführer einen Angriff über die Außenbahn besser unterlassen hätte, äußert sich deutlich kritischer über das Aggressionsniveau auf der Strecke und beklagt eine verpasste Chance, seine Führung in der Meisterschaft auszubauen. "Ich finde es wirklich schade, denn obwohl wir vom Speed her vielleicht nicht ganz da waren, wo wir sein wollten, sind wir ein wirklich fantastisches Rennen gefahren und wir haben es geschafft, uns in den Kampf um den Sieg und das Podium zu bringen", so der Cadillac-Werksfahrer. "Und ich denke einfach, dass die Fahrweise einiger anderer um uns herum über der Linie war. Wie gesagt, es ist schade, weil viel Arbeit in diese Tage fließt und wir nach einem wirklich starken Jahr ein weiteres gutes Ergebnis hätten einfahren können. Aber wir werden die Scherben zusammenfegen, weitermachen und die letzten beiden Rennen in Angriff nehmen." Die Kollision war der Höhepunkt eines wilden Rennens mit 48 Strafen und neun Gelbphasen in sechs Stunden. Insgesamt zwei der sechs Stunden wurden hinter dem Pace-Car absolviert. Schon vor dem Ende hatte es mehrere Kontakte zwischen dem roten Cadillac V-Series.R und den beiden Werks-Porsche gegeben. Zwei Stunden vor Schluss kickte Aitken den Penske-Porsche #7 (Nasr/Andlauer; 6.) von der Strecke, was diesen zwei Runden kostete. Die Auseinandersetzung mit Estre begann rund 75 Minuten vor Schluss, als Estre Verkehr nutzte, um den bis dato zweitplatzierten Aitken zu überholen. In der letzten halben Stunde wechselten die Positionen zwischen den beiden mehrfach hin und her. Je länger der Kampf dauerte, umso härter wurden die Bandagen. Es kam zu mehreren Berührungen. Der Kampf wurde unterbrochen, als Roman de Angelis im THOR-Aston-Martin #23 (Gunn/de Angelis/Riberas; 5.) in Kurve 13 Tom Blomqvists Meyer-Shank-Acura #60 (Blomqvist/Braun; 20.) entsorgte. Wayne Taylor Racing beendet über zweijährige Durststrecke Beim Restart zehn Minuten vor Schluss kam es dann zeitgleich zu einer Kollision im LMP2-Feld in einem äußerst ruppigen Rennen in dieser Klasse, das auch einen heftigen Unfall von John Field im Intersport-Oreca #37 (Jarvis/van der Snel/Field) sah. Gleichzeitig kam es vorne zur Kollision zwischen Estre und Aitken, die das Rennen für beide beendete. Damit war der Aston Martin mit Platz zwei auf Kurs zu seinem bisher besten Ergebnis, doch die Strafe gegen Roman de Angelis für den Blomqvist-Unfall warf den Valkyrie auf Rang fünf zurück. So profitierte Heinrich, obschon der JDC-Miller-Porsche eingangs der letzten Stunde mit der "Spiegeleiflagge" an die Box kommen musste, weil die Beifahrertür aufging. Über allem schwebte der WTR-Cadillac #10 (R. Taylor/Albuquerque; 1.), der einen ungefährdeten Sieg einfuhr und eine 792 Tage dauernde sieglose Zeit beendete. Wie schon im Vorjahr war die Road America bislang der einzige Kurs, auf dem Wayne Taylor Racing wirklich konkurrenzfähig war. Obwohl der Cadillac V-Series.R 21 Kilogramm Zuladung nach Watkins Glen bekam, durfte die General-Motors-Tochter den dritten Sieg in Folge bejubeln - nur diesmal nicht durch Action Express, sondern Wayne Taylor Racing. "Die vergangenen 18 Monate waren die härtesten, an die ich mich in meiner Motorsportzeit erinnern kann", sagt Wayne Taylor. Der dritte Platz des WTR-Cadillacs #40 (J. Taylor/Deletraz; 3.) rundete das gelungene Wochenende ab. BMW vergibt Elfmeter auf ersten WRT-Sieg Dass es zum Sieg reichte, war auch einem Debakel der beiden BMW M Hybrid V8 zu verdanken. Denn eigentlich hätte Elkhart Lake den ersten Sieg von WRT in der IMSA SportsCar Championship sehen müssen. Der M Hybrid V8 war ausgesprochen gut eingestuft, fuhr mit über einer halben Sekunde Vorsprung auf das nächste Fabrikat die schnellste Runde des Rennens und genoss zwischenzeitlich eine Doppelführung, bevor ab Rennhalbzeit alles schieflief. Bremsprobleme zwangen den WRT-BMW #24 (S. van der Linde/D. Vanthoor; 49.) zur Aufgabe. Das Schwesterfahrzeug #25 (Eng/Wittmann; 7.), das von Startplatz zehn gestartet ebenfalls Führungsarbeit leistete, verlor zwei Runden durch einen Reparaturstopp wegen Problemen an der Kühlung. BMW verpasste den ersten WRT-Sieg genau ein Jahr nach dem finalen Triumph des Team-Vorgängers RLL. BMW-Motorsportchef Andreas Roos beschönigt nichts: "Unsere Enttäuschung ist riesig. Es ist immer sehr ärgerlich, wenn man wegen technischer Probleme aus- oder zurückfällt. Es ist aber umso bitterer, wenn man das ganze Wochenende über eine so starke Pace zeigen konnte und eine gute Chance hatte, um den Sieg zu kämpfen." "Es tut mir leid für alle Beteiligten, die sehr hart arbeiten, in der IMSA-Serie in diesem Jahr aber nicht mit den entsprechenden Resultaten belohnt werden. Der BMW M Hybrid V8 hat sich in dieser Saison als sehr zuverlässig erwiesen. Daher müssen wir uns genau anschauen, was die Ursache war." Teamchef Vincent Vosse ergänzt: "Wir haben eine gute Pace, aber das allein reicht nicht. Wir müssen die Rennen auch fehlerfrei und ohne technische Probleme zu Ende bringen. Das haben wir nicht geschafft. Warum das so war, werden wir genau analysieren und in Indianapolis einen erneuten Anlauf auf den Sieg nehmen." Weitere Kollision in GTD Pro Auch in der GTD Pro kam es zu einer weiteren Kollision, die viel Beachtung fand, weil sie die amerikanischen Erzrivalen Ford und Chevrolet betraf. Alexander Sims landete mit seiner Pratt-Miller-Corvette #3 (Garcia/Sims; 10. GTD Pro) im Kiesbett, als er mit Frederic Vervisch im Multimatic-Ford #65 (Mies/Vervisch; 4. GTD Pro) kollidierte. Sims nahm die Schuld aber auf sich: "Ich wusste, dass ich einen Porsche auf meiner Innenseite hatte, und dann war ich direkt hinter dem Mustang #65. Er war in der Fahrbahnmitte, also bremste ich mich außen daneben. Im Nachhinein war das die falsche Entscheidung. Es war etwas unübersichtlich. Ich sitze jetzt aber auch nicht hier und denke, dass ich unklug gehandelt habe. Ich habe ein Risiko auf mich genommen, und es hat sich diesmal einfach nicht ausgezahlt." Auch in der GTD Pro warf BMW einen möglichen Sieg weg, als Connor De Phillippi bei Rennhalbzeit einen Unfall in der Canada Corner hatte. Der Pfaff-Lamborghini #9 (Caldarelli/Mitchell; 1. GTD Pro) holte schließlich den ersten IMSA-Sieg für den Temerario GT3. Allerdings gab Pfaff gleichzeitig seinen Ausstieg aus der IMSA SportsCar Championship bekannt. Über Paul Miller Racing schweben ebenfalls Fragezeichen. Der AO-Porsche #77 (Tandy/King; 2. GTD Pro) "Rexy" holte den dritten zweiten Platz der Saison und verpasste damit erneut den ersten Klassensieg seit dem Wechsel Heinrichs in die GTP-Klasse knapp. Platz drei holte die Pratt-Miller-Corvette #4 (Milner/Catsburg; 3. GTD Pro). In der IMSA SportsCar Championship 2026 stehen noch drei Rennen auf dem Programm: Der Virginia International Raceway (VIR) am 23. August ist den beiden GT-Klassen vorbehalten. Für die anderen beiden Klassen geht es am 20. September auf dem Indianapolis Motor Speedway weiter. Das Rennen wurde zum 2:40-Stunden-Rennen herabgestuft, nachdem Elkhart Lake das 6-Stunden-Rennen bekommen hat.

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