DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.447,15 USD 07:18:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

Überflutungen, Stromausfall, Aufräumarbeiten: Hagel

Nation

REUTLINGEN. »Nicht schon wieder«, das war der Gedanke von Tausenden am frühen Mittwochmorgen in Reutlingen, nachdem sich nicht nur der Himmel für ein heftiges Gewitter verdunkelt und der Hagel ganze Straßenzüge in fließende Gewässer verwandelt hatte, sondern obendrein auch noch der Strom ausgefallen war – was auch in Honau sowie in Unterhausen im Bereich Sonnenhalde der Fall war. Die Folgen des Unwetters waren vielfältig und beschäftigten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei sowie die Technischen Betriebsdienste der Stadt Reutlingen viele Stunden lang. Die übrige Region Reutlingen kam bei dem räumlich stark begrenzten Ereignis glimpflich davon. Wetterlage »Das waren Gewitterzellen, die aus dem Nichts entstanden sind«, analysierte Roland Hummel vom Engstinger Wetterring 2000+ die Lage am Himmel. Gegen 2.15 Uhr seien die ersten Hagelkörner in Filderstadt niedergegangen. Von dort aus zog das Unheil weiter nach Sindelfingen und Böblingen, erreichte gegen 3.30 Uhr das Aichtal, baute sich zwischen Holzgerlingen und Herrenberg weiter auf. »Knapp an Tübingen vorbei«, so Hummel, »erreichte das Gewitter mit Hagel gegen 5.10 Uhr Reutlingen – um 5.20 Uhr war es durch.« Zehn Minuten, die in der Großstadt Reutlingen sowie darüber hinaus erhebliche Folgen hatten. Starkregen Starkregen überforderte die Kapazitäten der Kanalisation. Zahlreiche Straßen in der Innenstadt wurden überflutet. Videos zeigen beispielsweise die Kaiserstraße als Wasserweg mit schwimmenden Hagelkörnern. An anderen Orten in der Oststadt und der Stadtmitte herrschte ebenfalls Land unter. Die Tiefgarage der Stadthalle Reutlingen musste nach dem Unwetter am Mittwoch bis mindestens Donnerstagmittag gesperrt werden. Eingedrungenes Wasser machte eine Nutzung unmöglich. Auch weitere unterirdische Parkplätze wurden zu Feuchtgebieten. Feuerwehreinsätze Feuerwehr und Polizei waren im Dauereinsatz. Insgesamt rückte die Feuerwehr Reutlingen mit über 200 Einsatzkräften zu mehr als 100 Einsätzen aus. Besonders betroffen waren nach Angaben von Feuerwehrsprecher Samuel Schickler die Reutlinger Kernstadt und Betzingen. »Wir hatten die klassischen Einsätze bei einem Unwetter. Also vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume und herumliegende Äste sowie überschwemmte Straßen«, sagte Schickler auf GEA-Anfrage. »Die Feuerwehr, das THW, die Stadtentwässerung und die Polizei waren im Dauereinsatz, um die Schäden zu beheben«, sagte Reutlingens Feuerwehrkommandant Stefan Hermann. Die betroffenen Bereiche wurden von der Polizei abgesperrt. Meldungen über verletzte Personen gab es keine. Indirekt aufgrund des Unwetters schwer verletzt wurde ein Radfahrer in Reutlingen. Der 63-Jährige war gegen 5.50 Uhr mit seinem Pedelec auf der Bismarckstraße in Richtung Karlsstraße unterwegs, als er auf dem losen Blattwerk und den Graupelanhäufungen nach dem kurz zuvor niedergegangen Unwetter die Kontrolle über sein Fahrrad verlor und stürzte. Nach einer Erstversorgung an der Unfallstelle wurde er vom Rettungsdienst schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Der Sachschaden an seinem Pedelec wird auf rund 200 Euro geschätzt. Hagel Im Reutlinger Friedrich-List-Gymnasium sorgte ein durch das Unwetter ausgelöster Amokalarm für Aufregung. »Es besteht kein Grund zur Sorge. Beim heutigen Amokalarm im Hauptgebäude handelt es sich um eine technische Störung in Folge des Unwetters. Die Polizei hat das Gebäude kontrolliert und wieder freigegeben. Es geht allen gut«, schrieb Schulleiterin Susanne Goedicke in den sozialen Medien. Einen »pflanzlichen Totalschaden« beklagt Martin Großmann als Inhaber und Geschäftsführer der Betzinger Gartenbaumschule Schlotterbeck. »Die Pflanzen sind weich wie Butter und wurden durch den Hagel schwer geschädigt«, stellt er fest, »wir wissen nicht, ob noch etwas zu retten ist.« Leserfotos zeigen Impressionen wie im Winter, denn der Hagel blieb stundenlang liegen. Die Eiskörner schlugen darüber hinaus jede Menge Laub und Äste von den Bäumen auf die Straßen. Auch diese Unwetterfolgen machten jede Menge Arbeit. Stadtreinigung »Wir waren seit 6 Uhr morgens im gesamten Stadtgebiet im Einsatz«, berichtet Dirk Kurzschenkel als Betriebsleiter der Technischen Betriebsdienste der Stadt Reutlingen (TBR). »Besonders betroffen waren die Innen- und Oststadt sowie Ringelbach, Betzingen und die Tübinger Vorstadt.« Mit 20 Fahrzeugen und 50 Mitarbeitern wurde sauber gemacht. »Der Hagel hat das Laub von den Bäumen geschlagen. Das hat dann die Gullydeckel an den Straßen verstopft, dadurch konnte das Wasser nicht ablaufen«, so Kurzschenkel. »Wir hatten Ast- und Baumbruch überall. In Betzingen auch auf dem Friedhof.« Im Einsatz waren neben mehreren Kehrfahrzeugen auch Radlader und Lastwagen zum Abtransport der Hagelberge. Die weiße Hinterlassenschaft durfte auf dem Betriebshof der TBR abtauen, denn dort fließt das Abwasser über einen Ölabscheider in die Kanalisation. »Es war ein Unwetter im mittleren Bereich. Um die Mittagszeit konnten wir das Personal zurückfahren«, bilanziert der Betriebsleiter. Sein Appell an Autofahrer: Nicht in Straßen fahren, die vom Hagel bedeckt sind und in denen Einsatzkräfte bei der Arbeit sind. Erstens würden auch Geländewagen stecken bleiben, zweitens behindere man so die Aufräumarbeiten. Stromausfall Kurz nachdem das Gewitter damit begonnen hatte, sich über Reutlingen auszutoben, fiel die Stromversorgung in Teilen der Reutlinger Innenstadt aus. »Betroffen waren rund 6.000 Hausanschlüsse im Bereich der Kernstadt. Die Störung begann gegen 5.09 Uhr; ab 6.17 Uhr waren alle Kundinnen und Kunden wieder mit Strom versorgt«, meldete die FairNetz GmbH. »Es handelte sich um eine unwetterbedingte Störung. Ursache war aller Voraussicht nach ein Blitzeinschlag im Zuge des Gewitters«. Ein Zusammenhang mit dem Brand im Umspannwerk Reutlingen-West vom Juni 2026 bestehe nicht. Den restlichen Tag verbrachten die Techniker des Energieversorgers nach den Worten von Marius Häußermann damit »alle Anlagen abzufahren«. Sprich, nach weiteren Unwetterschäden zu suchen. Dazu gehörte als Kleinigkeit ein umgestürzter Baum auf dem Mitarbeiterparkplatz der FairNetz. Lichtenstein Die Lage in Lichtenstein war nach dem Durchzug des Unwetters laut Feuerwehrkommandant Andreas Daum »sehr entspannt«. Lediglich einen Einsatz hatten die Helfer am frühen Mittwochmorgen. Eine Brandmeldeanlage bei der Firma Baumann war ausgelöst worden. Der Grund: Stromausfall in Honau sowie in Unterhausen im Bereich Sonnenhalde. Feuerwehrhaus und Rathaus waren ebenfalls betroffen. Der Feuerwehrkommandant führt den Stromausfall auf umgestürzte Bäume zurück. »Wir haben Glück gehabt«, sagte Andreas Daum am Vormittag, als der Strom wieder da war. Pfullingen 18 Unwetter-Einsätze plus ein schwerer Verkehrsunfall Dienstagnacht um 23.30 Uhr hielten die Pfullinger Feuerwehr bis zur Mittagszeit am Mittwoch in Atem. Bis 1.30 Uhr waren die Helfer an der Ecke Zeppelin-/Kurzestraße mit dem Verkehrsunfall beschäftigt. Am frühen Morgen um 5.30 Uhr riss nicht nur der Brandmeldealarm in Unterhausen bei der Firma Baumann die Pfullinger Helfer aus dem Schlaf, sondern auch das Unwetter. Bäume waren in der Steinenbergstraße, Wendlerstraße und Daimlerstraße umgestürzt, Straßen überflutet. Zudem stand in drei mehreren tausend Quadratmeter großen Lagerhallen im Industriegebiet Steinge das Regenwasser bis zu zehn Zentimeter hoch, wie Feuerwehrkommandant Dietmar Rall berichtete. Dort waren die Feuerwehrmänner und -frauen den ganzen Vormittag beschäftigt, um das Wasser aus den Hallen zu pumpen. Zudem mussten die Helfer zu einem Einsatz in die Bismarckstraße ausrücken. Dort wurde Gasgeruch gemeldet. Die Bewohnerin des Reihenhauses hatte laut Rall allerdings alles richtig gemacht. Erst die Feuerwehr alarmiert, dann den Hauptgashahn zugedreht, die Heizung ausgeschaltet, anschließend das Haus verlassen. »Das war vorbildlich«, lobt Rall. Messungen hatten schließlich ergeben, dass kein Gas ausgetreten war. Eningen Zu 18 unwetterbedingten Einsätzen ist die Freiwillige Feuerwehr Eningen seit Mittwochmorgen ausgerückt. Der erste Alarm ging um 5.29 Uhr ein und der vorerst letzte gegen 9.30 Uhr. »Wir hatten es vor allem mit überlaufenden Schächten und unter Wasser stehenden Kellern zu tun«, erklärte Kommandant Heiko Seibold. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr waren zum größten Teil mit dem Auspumpen diverser Keller beschäftigt, während die Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeindeverwaltung sich um die Einlaufschächte an den Straßen kümmerten. Letztere seien auch noch am Mittwochnachmittag unterwegs gewesen. Umgestürzte Bäume oder Ähnliches habe es glücklicherweise keine gegeben, sagte Saibold. »Wir hatten fast ausschließlich mit dem Wasser zu kämpfen.« Dabei sei das Feuerwehrhaus glimpflich davongekommen: »Ohne die Flutmulde, die vor ein paar Jahren um das Haus herum installiert wurde, wäre das Feuerwehrhaus abgesoffen.« Der Schutz habe einwandfrei funktioniert und die Wassermassen, die in der Schillerstraße entstanden seien, aufgefangen. Ermstal und Nordraum Im Ermstal und im Reutlinger Nordraum blieb es nach GEA-Recherchen vor Ort vergleichsweise ruhig. Gemeldet wurden nur kräftige Regengüsse, aber kein Hagel und auch keine Überschwemmungen. Auf der Alb Morgens um 4 Uhr wurde es laut und hell. Blitze erleuchteten den Himmel flächendeckend, das Schlafzimmer wurde taghell. Der Donner ließ nicht lang auf sich warten. Dann prasselte der Hagel aufs heiße Blechdach. Der Holzstadel hat die Metalldecke erst seit dem Herbst, dass der Resonanzkörper einen aus dem Bett werfen kann, ist neu. Der Hagel-Spuk war nach weniger als einer Minute wieder vorbei, aber es hörte sich nach dicken Brocken an, Schäden gab es aber nicht, auch nicht am im Freien geparkten Bully. Auch sonst scheint nicht viel passiert zu sein, keine gebrochenen Äste, nicht mal Blätter. Auch auf der Fahrt ins Büro waren die Straßen laubfrei. Gestürmt hat es östlich von Münsingen nicht, der ersehnte Niederschlag hielt noch bis gegen 8.30 Uhr an, etwa um die Zeit war auch noch einmal Donner zu hören. In Münsingen-City waren die Straßen gegen 9 Uhr noch feucht, aber im Großen und Ganzen schon abgetrocknet. (GEA)

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