DAX +1,62 % 25.590,77 Pkt 17:30:14 MDAX +2,07 % 30.495,47 Pkt 17:30:14 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.164,69 Pkt 17:30:00 Dow Jones +0,22 % 52.330,62 Pkt 18:09:31 S&P 500 +1,26 % 7.719,50 Pkt 18:09:31 Nasdaq +2,00 % 26.474,84 Pkt 18:09:31 Nikkei +1,73 % 63.268,37 Pkt 07:45:03 Gold +0,84 % 4.072,20 USD 17:59:24 Silber +0,66 % 54,47 USD 17:59:27 Brent -5,51 % 109,43 USD 17:59:28 WTI -1,71 % 100,02 USD 17:59:36 Bitcoin +0,69 % 80.557,08 USD 18:09:27 EUR/USD -0,68 % 1,11420 USD 18:08:42 EUR/GBP -0,25 % 0,83640 GBP 18:09:31 EUR/CHF -0,14 % 0,92280 CHF 18:09:30 EUR/JPY -0,04 % 175,850 JPY 18:09:30

„Überfordert“: Umstrittener Erziehungstrend aus den USA breitet sich aus

Wissenschaft

Startseite

Panorama

„Überfordert“: Umstrittener Erziehungstrend aus den USA breitet sich aus

Von: Andreas Apetz

Uns auf Google folgen

Ein Video zeigt, wie ein Vater sein zögerndes Kind nicht unterstützt. Die Methode spaltet Eltern – und birgt laut Experten Risiken.

Frankfurt – Ein Kleinkind auf einem Spielplatz: Es zögert, traut sich nicht, von einer Wippe aufzustehen, beginnt zu weinen – und versucht es dennoch weiter. Der Vater bleibt ruhig, spricht dem Kind Mut zu, greift aber nicht ein. Am Ende steht das Kind ohne fremde Hilfe auf und strahlt. Das Video verbreitete sich auf Instagram und erreichte Millionen Menschen. Influencerin und Mutter Amelia Reed kommentiert dabei die Szene mit großen Worten: „Neurowissenschaftler sehen hier etwas, das das Gehirn dieses Kindes buchstäblich neu verdrahtet.“

Reed erklärt in dem Video die sogenannte „Grit-Methode“ und behauptet: „Wenn Kinder Schwierigkeiten mit Unterstützung durchstehen, lernt ihr Gehirn: Ich kann schwierige Dinge schaffen.“ Eltern sollten bei schwierigen Aufgaben ruhig bleiben, den Prozess loben – und vor allem eines nicht tun: das Kind immer unterstützen. Tausende Nutzerinnen und Nutzer kommentieren das Video und wollen mehr über die Erziehungsmethode erfahren.

Video sorgt für Diskussion: Kinder fühlen sich „alleingelassen“ und „brauchen mehr Halt“

Die Reaktionen unter dem Video fallen gespalten aus. „Wir leben in einer Welt, in der Kindern beim ersten Anzeichen von Angst sofort erlaubt wird, aufzuhören. Es ist schön zu sehen, wie es hier seine eigene Stärke entdeckt“, schreibt ein Nutzer. Andere sehen das kritischer: Viele Kommentare bemängeln, dass sich das Kind durch das Vorgehen „alleingelassen“ und „überfordert“ fühlen könne. „Meiner Meinung nach hätte der Vater mehr Unterstützung bieten sollen. Kinder dürfen gefordert werden, aber ein so kleines Kind in dieser Situation braucht mehr Halt“, schreibt ein Follower.

Durchhaltevermögen fördern: So funktioniert die „Grit-Methode“

Der Begriff „Grit“ geht auf die US-amerikanische Psychologin und Neurowissenschaftlerin Angela Duckworth von der University of Pennsylvania zurück. Er beschreibt eine Kombination aus Leidenschaft und Ausdauer für langfristige Ziele. Duckworth stellte in ihrer Forschung fest, dass nicht unbedingt die intelligentesten Kinder die erfolgreichsten waren – sondern jene, die „Biss“ zeigten.

Christian Thiele von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie bestätigt den Grundgedanken: „Der Schlüssel ist, die Kinder für den Prozess zu loben, nicht für das Ergebnis“, sagte er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Forschungsergebnisse zeigten, dass dieses Vorgehen Durchhaltevermögen fördern könne.

Entscheidend sei dabei auch die Sprache. Statt „Ich kann das nicht“ sollten Kinder lernen zu denken: „Ich kann das noch nicht.“ Diese kleine Änderung vermittle, dass Fähigkeiten nicht festgelegt sind, sondern wachsen können. Thiele erklärt: Das Gehirn sei kein starrer Block, sondern formbar wie Knetmasse – vorausgesetzt, Kinder erfahren, dass sich Anstrengung lohnt.

Thiele weist jedoch auch auf eine problematische Seite hin: „Grit hat auch eine negative Seite, über die wir sprechen müssen. In vielen Bereichen sind Menschen konstant überlastet. Es fehlt hier nicht an Grit, sondern an der Erlaubnis sich selbst gegenüber, Pause zu machen.“ Die Annahme, ein Kind brauche nur genügend Durchhaltevermögen, dann schaffe es alles, sei problematisch. Diese Einstellung ignoriere, dass manche bessere Startbedingungen hätten als andere.

Auch die amerikanische Psychologin Jenny Grant Rankin betont die Bedeutung von Eigenständigkeit in der Erziehung: „Grit ist für die Entwicklung der Kinder wertvoller als die finanzielle Situation ihrer Eltern, wertvoller als Intelligenz“, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Kinder entwickelten diesen nur, wenn Eltern sie eigene Kämpfe kämpfen ließen. (Quelle: Instagram, eigene Recherche)

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren