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Überraschungsbesuch beim Russland-Freund

Welt

Startseite Politik Selenskyj in Belgrad: Überraschungsbesuch beim Russland-Freund – was dahintersteckt Von: Thomas Roser Uns auf Google folgen Selenskyj besucht überraschend das russlandfreundliche Belgrad – und der Kreml schweigt auffällig. Was steckt hinter dem heiklen Treffen? Den Eindruck einer außenpolitischen Kehrtwende wollte der Gastgeber der heiklen Visite gar nicht erst aufkommen lassen. „Wir haben über keinerlei militärische Zusammenarbeit gesprochen“, beteuerte Serbiens Staatschef Aleksandar Vučić bei der Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Gast und Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj am Wochenende in Belgrad: „Was nach dem Ende des Krieges sein wird, ist eine andere Sache.“ Im fünften Jahr von Putins Versuchen, die Ukraine auszulöschen, machte sich Selenskyj ausgerechnet zum russophilen Sanktionsverweigerer Serbien auf. Er sei der EU „dankbar“ für jedes der mittlerweile 21 gegen Russland verhängten Sanktionspakete, so seine Botschaft in Belgrad: „Doch das ist nicht genug. Tausende Komponenten für die Produktion von Projektilen gelangen aus allen Kontinenten nach Russland.“ Ukraine und Serbien nähern sich an Serbien lehne auch weiterhin die Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland ab, hatte Vučić vor Selenskyjs Ankunft klargestellt. Doch obwohl der russophile EU-Anwärter neben den Kaukasusstaaten, der Türkei und Belarus eines der wenigen europäischen Länder ist, das Kiew den Schulterschluss verweigert, hielt sich Selenskyj mit Vorhaltungen an seine Gastgeber wohlweislich zurück. Einerseits beliefern die Rüstungsschmieden von Russlands selbsterklärtem Bruderstaat die Ukraine über Drittstaaten zum Ärger Moskaus insgeheim bereits seit längerem mit Munition, die mit Waffen aus sowjetischer Produktion kompatibel ist. Trotz der Dauerlobeshymnen der serbischen Regierungspresse auf Kremlchef Wladimir Putin haben Belgrad und Kiew ihre politischen Kontakte auch nie gänzlich abreißen lassen. Vučić äußerte auch mal, dass man sich am Rande von internationalen Gipfeln mehr als ein halbes Dutzend Mal getroffen habe. Alles nur Wahlkampf? Die Ukraine hofft auf Munitionslieferungen aus Serbien Selenskyjs Visite ist für den Kreml zweifellos ein Schlag ins Gesicht und allein darum schon für Kiew ein Erfolg. Obwohl offiziell nur die wirtschaftliche und kulturelle Kooperation der beiden EU-Anwärter auf dem Programm stand, kann die Ukraine nun vermutlich auf noch mehr Munitionslieferungen aus Serbien hoffen. Ausdrücklich dementierte Vučić aber Berichte, dass Belgrad die gemeinsame Produktion von Drohnen mit Kiew beabsichtige: Das sei mit Israel geplant. Das zwischen Ost und West balancierende Politchamäleon Vučić erhofft sich, mit der demonstrativen Verstärkung der Kontakte zur Ukraine vor allem in Washington und der EU zu punkten. Denn nicht nur wegen rechtsstaatlicher Mängel und Mediengängelung, sondern auch wegen der ausbleibenden Angleichung an die EU-Außenpolitik hat Serbien seit fast fünf Jahren kein neues Kapitel mehr bei den EU-Beitrittsverhandlungen eröffnen können. Vučić hofft auf bessere Umfragewerte vor den Parlamentswahlen in Serbien Erfolge hat Vučić bitter nötig: Nächstes Frühjahr endet sein zweites und letztes Präsidentenmandat. Zuvor will er bei vorgezogenen Parlamentswahlen, vermutlich im Herbst oder Winter, zurück auf den Premierposten rotieren. Doch nach endlosen Korruptionsskandalen und den monatelangen Studierendenprotesten 2025 kann er sich selbst mit den üblichen Wahlmanipulationen nicht mehr sicher sein: Unabhängige Umfragen sehen seine SNS gleichauf oder gar hinter einer bloß geplanten Studierendenliste. Zwar hat sich durch die Selenskyj-Visite an Belgrads Balanceakt nichts wirklich geändert. Doch während sich Vučić für dessen Empfang eine im Wahlkampf verwertbare Belohnung vom Westen erhofft, könnte sich das mit Blick auf die panslawistische Stammkundschaft seiner SNS als Rohrkrepierer erweisen. Der Kreml hält sich zwar auffällig zurück. Doch neben einigen Dutzend Demonstrierenden in Putin-T-Shirts in Belgrad beziehen auch 100 russophile Intellektuelle wie der Filmregisseur Emir Kusturica Stellung: „Selenskyj ist der Hauptschuldige für den tragischen Krieg zwischen Russland und der Ukraine.“

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