UEFA-Vertreter treffen im FIFA-Rat auf Infantino
Die Sitzung in der FIFA-Zentrale in Zürich, die am Donnerstag um 11 Uhr beginnt, bringt Infantino mit acht Vertretern der UEFA an einen Tisch. Darunter befinden sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Es ist die erste Sitzung des Gremiums seit April und damit auch die erste nach dem geplatzten Investorendeal der FIFA. Die von der UEFA angeführte Opposition gegen Infantino fordert seitdem vergeblich eine Ablösung des Präsidenten.
"Die Person, die an der Spitze steht und die in besonderer Weise dafür steht, wie die FIFA sich heute darstellt, muss aus unserer Sicht abgelöst werden", sagte Neuendorf bei einem Treffen der UEFA in Berlin vergangene Woche. Die Person, von der Neuendorf sprach, macht aber keine Anstalten, seinen Posten zu räumen und steuert aktuell auf eine Wiederwahl zu. Doch der Machtkampf geht weiter.
Investorendeal, Balogun, Reformen - Tagesordnung birgt Zündstoff
Vor allem Punkt 6 der Tagesordnung birgt Konfliktpotenzial. Zum geplatzten Investorendeal soll ein Prüfbericht vorgestellt werden, den Infantino in einer Krisensitzung zugesagt hatte. Außerdem wurden die Disziplinarverfahren der FIFA als Thema auf die Agenda gesetzt - dort dürfte der Umgang mit der ausgesetzten Sperre gegen den US-Stürmer Folarin Balogun Teil der Diskussionen sein. Auch der FIFA-Friedenspreis, den Infantino dem US-Präsidenten Donald Trump überreichte, wird offizieller Diskussionspunkt sein.
Zudem brachte die europäischen Vertreter das Thema "Verbandsführung" auf den Tisch. Die UEFA hatte vergangene Woche bei einem Treffen in Berlin einen Plan für Reformen vorgestellt. Darin fordern die UEFA-Verbände mehrheitlich eine Gewaltenteilung an der Spitze, eine starke Rolle des Generalsekretärs sowie mehr Transparenz bei Entscheidungen und der Geldverwendung.
Vieles davon war bereits bei den Reformen 2016 umgesetzt worden. 2024 stimmten aber 202 von 211 Nationalverbände dafür, einen Großteil der Reformen wieder einzukassieren - darunter jene geforderte Gewaltenteilung. Erst das ermöglichte die Machtkonzentration bei Infantino auch rechtlich.
Es soll viel mehr Geld geben - auch ohne Investor
Infantino hatte nach der WM in einem Alleingang einen Plan präsentiert, der private Investoren aus dem Dunstkreis der Familie von US-Präsident Donald Trump an den künftigen Gewinnen der WM-Turniere beteiligen sollte. Vor allem mit Zahlungen an die kleinen Verbände wollte Infantino Zustimmung einwerben. Nach massiver Kritik nahm er den Vorschlag zurück.
Nun gibt Infantino übereinstimmenden Medienberichten zufolge einer Forderung aus Europa und Nordamerika nach. Im Zeitraum bis zur WM 2030 sollen demnach 15 Millionen US-Dollar zusätzlich zu den schon eingeplanten 10 Millionen an jeden der 211 Nationalverbände fließen. Die UEFA und die CONCACAF aus Nordamerika hatten kritisiert, dass die FIFA auf Reserven in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar sitze, ohne sie zu verteilen. Die Sichtweise der Opposition: Auch ohne Investor lassen sich die Zuwendungen der FIFA an die Verbände deutlich erhöhen.
Infantinos Opposition weiter ohne Gegenkandidat
Damit setzt sich die UEFA in einem Punkt durch, lässt aber Infantino die Botschaft der erhöhten Zahlungen verbreiten. Aktuell nimmt am Rennen um die Präsidentschaft der FIFA Infantino alleine teil. Während die Opposition nach einem Kandidaten sucht, düst Infantino mit einem aus Katar finanzierten Privatflugzeug um die Welt und sammelt neue Zustimmung für seine Wiederwahl ein. Südamerika steht ihm bei, große Teile Ozeaniens und Asiens weiß er ebenfalls auf seiner Seite. Potenzielle Gegenkandidaten wissen: Gegen diese Machtbasis und dieses Budget ist nur schwer anzukommen.