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Ukraine - BILD exklusiv vor Ort: HIER starten die Ukraine-Drohnen nach Russland

Welt

TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Dnipro (Ukraine) – Es ist eine gespenstische Stille mitten in der Nacht auf dem Feld in der Ostukraine, als die ukrainischen Soldaten unter dem Sternenhimmel die Drohnen bereit machen, die Stunden später in Russland einschlagen sollen. Sie haben die Drohnen (Typ FP-1), die mehr aussehen wie kleine Propellerflugzeuge, bereitgelegt. Dann geht es los. Über die Soldaten, die hier mit Taschenlampen ausgestattet den Drohnenkrieg führen, redet die ganze Welt. In den vergangenen Monaten haben sie dafür gesorgt, dass sich Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine plötzlich zu Moskaus Nachteil entwickelt. Sie sorgen dafür, dass die Ukrainer wieder Hoffnung haben, weil sie Öl- und Gasanlagen in Russland treffen und den Krieg dorthin tragen, wo er begonnen wurde. BILD durfte die ukrainische Einheit „1. Eigenständiges Zentrum für unbemannte Systeme“, die unter strengster Geheimhaltung agiert, für eine Nacht begleiten. Drohneneinheit darf nicht entdeckt werden Der Drohnenangriff sollte schon viel früher erfolgen, als wir den Anruf bekommen: Alles verschiebt sich! Es dauert bis kurz vor Mitternacht, als wir in der Großstadt Dnipro aufbrechen, weiter Richtung Osten, in Richtung Front. Ukrainische Soldaten fahren voraus, wir halten an einer Tankstelle, die bereits angegriffen wurde. „Jungs, raucht hier nicht, wir haben nur noch eine Zapfsäule“, sagt eine Frau, die hier ebenfalls mitten in der Nacht wartet. Die größte Sorge der Einheit ist bei jeder Mission, dass sie entdeckt werden könnte. Wir müssen alle unsere Smartphones ausschalten und abgeben. Eines ist klar: Würde die russische Aufklärung mitbekommen, was die Soldaten vorhaben, gäbe es vermutlich einen direkten Drohnenangriff. Doch die Ukraine ist groß und die Soldaten geben sich größte Mühe, nicht aufzufallen. Mission startet mitten auf einem Feld Wir fahren eine Stunde lang über Feldwege zu einem verlassenen Haus. Von dort bringt uns ein weiterer Wagen mitten auf ein Feld. Dort stehen sie schließlich vor uns: die FP-1-Drohnen des ukrainischen Herstellers „Firepoint“. Soldat „Phoenix“ (so sein Codename), der die Mission vorbereitet, erklärt ihre Funktionsweise: „Im Grunde ist sie ein ganz normales Flugzeug. Wie ein ziviles Flugzeug hat sie einen Motor und Navigationssysteme, die ihr den Weg zum Ziel weisen.“ Gesteuert werden die Drohnen nach dem Start nicht mehr. „Sie werden nicht ferngesteuert. Sie fliegen eine vorher programmierte Mission.“ Die Motoren stammen häufig aus der Klasse kleiner Flugzeuge, genaue Angaben werden geheim gehalten. Bis zu 2000 Kilometer werden die Drohnen in dieser Nacht zurücklegen. Wohin genau, darüber schweigt „Phoenix“. Wir wissen nicht, wie viele andere Drohnen in dieser Nacht in der Ukraine gestartet werden. Wie viele ukrainische Soldaten auf anderen Feldern stehen und ihre Ziele programmieren. Denn es braucht mehr als einen Angriff, um die russische Flugabwehr zu überwinden. Sie fliegen in Wellen, führen Manöver aus und täuschen die Abwehr, damit am Ende ein Teil der Drohnen ihr Ziel trifft. Ukrainische Drohnen setzen Russland unter Druck „Phoenix“ weiß, wie gefährlich jede einzelne Mission ist. „Wir rechnen immer damit, dass wir selbst angegriffen werden könnten. Deshalb treffen wir maximale Sicherheitsvorkehrungen.“ Die Sicherheitsvorkehrungen, also die Geheimhaltung der Wege und Treffpunkte, bescheren uns eine schlaflose Nacht. Aber vielleicht retten sie auch unser Leben. Denn es gibt derzeit nichts, was Russland so unter Druck setzt wie ukrainische Drohneneinheiten. Die Soldaten bestücken die Drohnen mit Sprengstoff, machen sie startklar – und entfernen sich. Wenige Meter entfernt bereiten sie den Motorstart vor. Im Feld hocken sie neben den kleinen Flugzeugen. Der Motor klingt wie ein großes Moped. Plötzlich ein lautes Zischen. Die erste Drohne hebt ab. Und dann die nächsten. Innerhalb weniger Minuten verschwinden sie nacheinander am Sternenhimmel auf dem Weg nach Russland. Während wir auf dem Feld sitzen, frage ich mich: Wie gefährlich ist es wirklich? Und wie kann es sein, dass die Russen uns mit ihren Aufklärungsdrohnen noch nicht entdeckt haben? Wenige Minuten nach dem Start treffen wir den Kommandeur der Einheit. Ob die Mission erfolgreich war, kann er noch nicht sagen. „Jetzt wissen wir es noch nicht. Aber wir hoffen, dass sie erfolgreich sein wird.“ Er macht deutlich, wie viel hinter einem solchen Angriff steckt: „Es geht nicht nur um das Starten der Drohnen. Der größte Teil der Arbeit ist die Planung und Vorbereitung.“ Dass die Soldaten selbst jederzeit zum Ziel russischer Angriffe werden können, gehört für ihn zum Alltag. „Natürlich ist das ein hohes Risiko. Russland versteht die enorme Wirkung unserer Arbeit. Deshalb sind wir selbst ein wichtiges Ziel.“ Kommandeur: Ukraine muss besser als Russland sein Die FP-1-Drohnen, sagt der Kommandeur, seien keine klassischen Drohnen wie die kleinen FPV-Modelle an der Front. „Es sind große Flugzeuge mit großer Nutzlast. Die Technik dahinter ist deutlich komplexer.“ Geflogen werde praktisch jede Nacht. „Jede Nacht. Je nach Planung, je nach Ziel und Route.“ Auf die Frage, warum die Ukraine Russland im Drohnenkrieg derzeit voraus sei, antwortet er, ohne zu zögern: „Weil das Recht auf unserer Seite ist. Weil wir unser Land und unsere Freiheit verteidigen. Wir haben keine andere Wahl, als besser zu sein.“ Dann verabschiedet sich der Kommandeur. Die Soldaten packen ihre Ausrüstung zusammen und verschwinden in der Dunkelheit. Hoch über ihnen fliegen die FP-1-Drohnen weiter Richtung Russland – stundenlang, bis tief ins russische Hinterland. Am nächsten Morgen melden staatliche russische Medien neue Drohnenangriffe auf Öl-Raffinerien. Mindestens eine der vielen Drohnen, die auf den Feldern der Ukraine gestern starteten, ist durchgekommen.

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