Ukraine fährt Doppel-Strategie
Startseite Politik Russlands Wirtschaft in Flammen: Doppel-Strategie der Ukraine lähmt Putins Kriegskasse Von: Christian Stör Uns auf Google folgen Angriffe auf Russlands Wirtschaft: Kiew nimmt Ölanlagen ins Visier. Parallel gerät Putins Schattenflotte im Asowschen Meer stärker unter Druck. Kiew – Die Ukraine nimmt Russlands Wirtschaft immer vehementer unter Beschuss. Jeder Tag im Ukraine-Krieg bringt nun neue Angriffe auf die russische Öl- und Treibstoffversorgung. Kiew fährt dabei weiter zweigleisig: Zum einen attackiert das ukrainische Militär Ölanlagen im russischen Kernland, zum anderen geraten immer mehr Schiffe von Putins Schattenflotte im Asowschen Meer ins Visier ukrainischer Drohnen. Die jüngsten Angriffe auf die Ölgroßmacht Russland erfolgten in der Nacht auf den 14. Juli. Dabei traf es zwei zentrale russische Anlagen, die weitab von der Front liegen: das petrochemische Werk in Salawat in der Nähe des Uralgebirges sowie die Ölraffinerie Afipski in der südrussischen Region Krasnodar. Russlands Wirtschaft unter Beschuss: Ukraine attackiert Raffinerien weitab von der Front Ukrainische Monitoring-Kanäle veröffentlichten Videos des Vorfalls in Salawat, die einen Brand an der Anlage zeigten. Auch der unabhängige russische Kanal Astra berichtete unter Berufung auf Augenzeugenvideos von mehreren Explosionen und einer großen schwarzen Rauchwolke. Der Wirtschaftsanalyst Wjatscheslaw Schirjajew erklärte laut Kyiv Post, der Komplex in Salawat sei der letzte große russische Benzinproduzent gewesen, der 2026 noch nicht von ukrainischen Angriffen getroffen worden war – die Anlage war bereits im September 2025 zweimal attackiert worden. Salawat liegt mehr als 1400 Kilometer von der Front entfernt. Die zum Ölkonzern Gazpromneft gehörende Raffinerie hat eine Verarbeitungskapazität von mehr als sieben Millionen Tonnen Rohöl im Jahr – das sind etwa 2,7 Prozent der gesamten russischen Raffineriekapazität. Republikchef Radij Chabirow bestätigte auf Telegram einen massiven Drohnenangriff auf die „Industriezone Salawat“. Der Angriff sei „abgewehrt“ worden, behauptete er weiter, mehrere Brände seien durch herabstürzende Trümmerteile abgeschossener Drohnen entstanden. Ölgroßmacht wackelt: Ukraine nimmt Russlands Wirtschaft ins Visier Parallel dazu griffen ukrainische Drohnen die Ölraffinerie Afipskaja in der Region Krasnodar an, eine der größten Raffinerien Südrusslands mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von 6,25 Millionen Tonnen Rohöl und Gaskondensat. Die Anlage produziert unter anderem Benzin, Diesel, Vakuumgasöl, Heizöl und Schwefel – Produkte, die auch vom russischen Militär genutzt werden. Russische Regionalbehörden bestätigten einen Brand an der Raffinerie; der ukrainische Telegram-Kanal Krymsky Weter beschrieb die ersten Explosionen gegen Mitternacht und sprach von einem „gewaltigen“ Brand. Laut Astra brach das Feuer in der Nähe des Tanklagers aus, in dem für den Export bestimmte Produkte wie Benzin, Diesel, Gaskondensat-Destillate, Schweröl-Rückstände und Schwefel gelagert werden. Die Anlage ist bereits am 11. Juni Ziel eines ukrainischen Drohnenangriffs gewesen. Angriffe auf Russlands Wirtschaft: Kiew attackiert im Asowschen Meer Schiffe von Putins Schattenflotte Zeitgleich meldeten die ukrainischen Drohnenstreitkräfte eine massive Ausweitung ihrer Angriffe auf russische Schiffe im Asowschen Meer. Nach eigenen Angaben haben sie in der Nacht auf den 14. Juli elf weitere Schiffe getroffen. Der Generalstab in Kiew meldete später aber auch Angriffe auf Schiffe im Asowschen Meer. Fünf Tanker, fünf Trockenfrachtschiffe und ein Schlepper seien getroffen worden, wie der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert „Madjar“ Browdy, auf Telegram schrieb. Seit mehr als einer Woche stehen die russischen Schiffe im Asowschen Meer unter Dauerbeschuss. Die Angriffe haben in der Nacht zum 6. Juli begonnen. Damals attackierten die ukrainischen Drohnen zwei seegängige Binnentanker, die Benzin auf die Krim bringen sollten. Solche Schiffe sind mit einer Ladekapazität von etwa 7000 Tonnen nicht besonders groß. Nach Einschätzung des unabhängigen Militäranalysten Jan Matwejew hätten die beiden Tanker aber 20 Prozent des monatlichen Benzinverbrauchs auf der Krim abdecken können. Putins Schattenflotte ist für Russlands Wirtschaft wichtig Inzwischen haben die ukrainischen Drohnentruppen nach Zählung Browdys 116 Schiffe im Asowschen Meer angegriffen, einige davon mehrfach. Oft sind es kleine Binnentanker, die laut Browdy zur russischen Schattenflotte gehören. Ihre Aufgabe besteht darin, den Treibstoff zu den Häfen im Asowschen Meer oder der Meerenge von Kertsch zu bringen oder ihn auf größere Tanker umzuladen. Für den rauen Seegang im Schwarzen Meer sind sie nicht gerüstet, das flache Asowsche Meer hingegen war kein Problem – bislang. Die Drohnen haben sich innerhalb kürzester Zeit zum Albtraum für die Seeleute entwickelt. Zumeist sind es Mittelstreckendrohnen – wohl in abgespeckter Version, also mit weniger Sprengstoff beladen als möglich, um die Reichweite zu erhöhen. Die Wucht der Explosion reicht nicht aus, um das Schiff zu versenken, aber bei Beschädigung der Brücke ist es führungslos. Mit zusätzlichen Angriffen auf russische Schlepperschiffe sorgt die Ukraine dafür, dass die Russen die Tanker nicht in die Häfen bugsieren können. Die ukrainische Führung verteidigt die Angriffe auf Putins Schattenflotte mit dem Argument, die Öltanker finanzierten die russische Kriegsmaschinerie und seien deshalb legitime militärische Ziele. In einem Schreiben an die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) wies der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Oleksij Kuleba russische Vorwürfe zurück, wonach Kiew „terroristische“ Angriffe auf die zivile Schifffahrt verübe. Er argumentierte, die Schattenflotte sei essenziell für Russlands Wirtschaft und die Finanzierung des Krieges durch Öl-Exporterlöse. (Quellen: Kyiv Post, Astra, Telegram, dpa) (cs)