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Ukraine gelingt begrenzte, aber relevante Gegenoffensive

Welt

Der Ukraine ist nördlich der ostukrainischen Stadt Lyman ein begrenzter, operativ relevanter Erfolg gelungen. Die Gegenoffensive läuft offenbar seit Monaten und wurde erst am 15. September öffentlich. Brigadegeneral Andrij Bilezkyj nennt für die erste Phase 75 Quadratkilometer, die von eingedrungenen russischen Truppen "bereinigt" worden seien, sowie zehn Quadratkilometer zurückerobertes Gebiet, darunter den Ort Serednje.

Der größere Teil der Gewinne ist kein neu erobertes Gelände. Die Angaben sind nicht unabhängig bestätigt.

Gegenangriff der Ukraine hält Vorstoß Russlands vorerst auf

Die Bedeutung liegt weniger in der Fläche als in der Lage. Russland versucht, den ukrainischen Festungsgürtel im Donbass von Norden und Südwesten zu umfassen. Die Gegenstöße werfen den nördlichen Arm dieses Umfassungsversuchs zurück. Damit ist der russische Ansatz vorerst aufgehalten, nicht entschieden.

... gilt als führender Experte für europäische Verteidigung und transatlantische Sicherheit. Seit November 2025 ist er Direktor der europäischen Denkfabrik Edina, zuvor war er stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts der DGAP und Leiter des Zentrums für Sicherheit und Verteidigung. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement.

Eine Ausnahme, aber kein Zufall

Die Operation "Vivaldi" ist auch über Lyman hinaus relevant. Der Krieg in der Ukraine bleibt in weiten Teilen ein Stellungskrieg. Das bedeutet keine völlige Starre: Örtliche Gegenangriffe können Gelände zurückgewinnen. Bewegung bleibt jedoch die Ausnahme.

Bei "Vivaldi" kamen mehrere Voraussetzungen zusammen. Die Ukraine hielt die Operation geheim, störte nach ukrainischer Darstellung russische Aufklärungsdrohnen sowie die elektronische Kampfführung und griff Treibstoffversorgung und Depots hinter der Front an. Dann rückten Bodentruppen vor, unterstützt durch eigene Aufklärung, Drohnen und Feuer. Der Beitrag der einzelnen Elemente ist nicht unabhängig messbar. Zusammen bieten sie aber eine plausible Erklärung für den Erfolg.

Die Operation Vivaldi ist eine ukrainische Gegenoffensive, um den russischen Vorstoß nordwestlich der Eisenbahnstadt Lyman in der nördlichen Oblast Donezk zurückzudrängen. Ziel ist es, zu verhindern, dass der ukrainische Festungsgürtel von der russischen Armee eingekreist wird. Nach Angaben des ukrainischen Brigadegenerals Andrij Bilezkyj heißt die Operation "Vivaldi", weil sie vier Phasen hat - in Anlehnung an Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

Das 3. ukrainische Armeekorps teilte am 20. September mit, dass die ukrainischen Streitkräfte im Rahmen der Operation 75 Quadratkilometer geräumt und weitere 50 Quadratkilometer zurückerobert hätten. Laut dem Armeekorps wurden auch Angriffe auf die russische Logistik und Treibstoffversorgung durchgeführt, um die Versorgung der russischen Armee zu behindern. Eine russische Pipeline sei stillgelegt worden.

(Quellen: Institute for the Study of War, Drittes Armeekorps)

Das ist keine Rückkehr großräumiger Bewegungsoperationen. Bewegung bleibt im Stellungskrieg örtlich, vorbereitet und davon abhängig, gegnerische Aufklärung, Feuer und Versorgung zeitweise zu schwächen.

Russland baut Druck bei Dobropillja auf

Das Kräfteverhältnis an der Gesamtfront bleibt unverändert. Russland verlegt nach ukrainischen Angaben Panzer und Drohneneinheiten nach Dobropillja bei Donezk. Bis zum 18. September gab es dort keine bestätigten Geländegewinne. Der Aufbau spricht dennoch für weitere Angriffe. Der Erfolg bei Lyman verschafft Zeit, begründet aber keine breitere ukrainische Initiative.

Russland greift Bahnnetz und Flugabwehr an

Am 13. September traf eine Drohne die Lokomotive des Personenzugs Kiew-Warschau nahe der polnischen Grenze; verletzt wurde niemand. Der ukrainische Bahnchef meldete etwa 40 angegriffene Lokomotiven im August. Die Häufung spricht für eine Kampagne gegen ein Netz, das zivile Transporte und militärische Logistik trägt.

Nach ukrainischen Forensikdaten, die Reuters einsehen konnte, waren 123 von 228 im Juli und Anfang August eingesetzten ballistischen Raketen und Hyperschallraketen umgerüstete RM48U-Zielraketen. Reuters konnte das nicht unabhängig prüfen. Die weniger präzisen Waffen schonen leistungsfähigere Bestände und belasten die knappe ukrainische Raketenabwehr.

Ukraine greift Flugplatz und Raffinerie an

Die Ukraine meldete sechs zerstörte Luftfahrzeuge im russischen Rostow. Das ukrainische Analyseprojekt CyberBoroshno wertet frei zugängliche Satellitenbilder aus - Open Source Intelligence, kurz OSINT - und identifiziert darauf vier zerstörte Transportflugzeuge und Hubschrauber. Unabhängig bestätigt ist die Auswertung nicht. Der russische Gouverneur bestätigte einen Brand, in Jaroslawl zudem Schäden an einer Raffinerie. Der mögliche Effekt betrifft vor allem die Logistik.

Der Befund der Woche

Der Stellungskrieg bleibt bestimmend, doch er bedeutet keine völlige Starre. Bei Lyman kamen die Voraussetzungen für einen örtlichen Gegenangriff offenbar zusammen. Der Erfolg ist deshalb eine Ausnahme, aber kein Zufall. Nun muss es Kiews Ziel sein, die Gebietsgewinne bei Lyman zu halten.

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