Ukraine-Krieg aktuell: Putin importiert Benzin
Startseite Politik Drohnen, Defizit, Benzinmangel: Wie die Ukraine Putins Wirtschaft systematisch in die Knie zwingt Von: Felix Busjaeger Uns auf Google folgen Ukrainische Drohnen treffen erneut russische Raffinerien, Russland importiert jetzt Benzin aus Indien. Was das über den Zustand von Putins Wirtschaft verrät. Kiew/Moskau – In der Nacht auf den 20. August haben ukrainische Drohnen erneut tief in russisches Territorium zugeschlagen und Russlands Wirtschaft im aktuellen Ukraine-Krieg ins Visier genommen: Betroffen waren die TANECO-Raffinerie in Nishnekamsk in der russischen Teilrepublik Tatarstan, die etwa 1200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Zudem war das Ölterminal Tamanneftegaz im Krasnodar-Gebiet betroffen. NASA-Satellitendaten des FIRMS-Systems bestätigten einen Brand am Terminal. Bereits am 10. August hatte der ukrainische Generalstab einen Treffer auf die TANECO-Anlage bestätigt, die jährlich mehr als 17 Millionen Tonnen Öl verarbeitet. Die Angriffe im aktuellen Ukraine-Krieg reihen sich in eine systematische Kampagne Kiews ein, mit der die Ukraine gezielt russische Infrastruktur insak Visier nimmt. Mutmaßlich mit Erfolg: Die Folgen für Russlands Wirtschaft werden zunehmend spürbar. Russlands Wirtschaft im Visier: Kreml inmitten des aktuellen Ukraine-Kriegs unter Druck Die Ukraine hat laut Kyiv Independent in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur intensiviert und dabei Raffinerien und andere Energieanlagen ins Visier genommen, die nach Angaben Kiews zur Finanzierung und Versorgung der russischen Kriegsanstrengungen beitragen. Die Konsequenzen dieser Strategie treffen nicht nur Russlands Wirtschaft direkt, sondern sind inzwischen auch im Alltag russischer Bürger angekommen. Russland, das in Friedenszeiten selbst Kraftstoff exportierte, ist mittlerweile zum Importeur geworden. Wie der russische Vizeministerpräsident Alexander Nowak laut Guardian am Mittwoch bestätigte, hat der Kreml wegen der Lage von Russlands Wirtschaft damit begonnen, Benzin aus Indien einzuführen. Ein unter omanischer Flagge fahrender Tanker entlud laut Reuters-Angaben und Schifffahrtsdaten Anfang August rund 68.000 Tonnen Benzin am arktischen Hafen Witino. Zudem organisiert Russland Schienentransporte von Kraftstoff aus Belarus und Kasachstan und hat ein Exportverbot für Kraftstoff verhängt. An Tankstellen des staatlichen Konzerns Rosneft wurden Einkäufe landesweit auf 30 Liter begrenzt. Dass Russlands Wirtschaft trotz allem noch wächst, lässt sich an den offiziellen Zahlen ablesen: Das Bruttoinlandsprodukt legte laut einer Analyse von Meduza im zweiten Quartal 2026 um 1,3 Prozent im Jahresvergleich zu, nach einem Rückgang von 0,2 Prozent im ersten Quartal. Ökonomen warnen jedoch, diese Zahlen verdeckten die eigentlichen Schwächen. Meduza zufolge trieben vor allem temporäre Faktoren das Wachstum an: darunter 5 Prozent mehr Arbeitstage als im Vorjahreszeitraum sowie ein Anstieg der Staatsausgaben um rund 13 Prozent auf 11,5 Billionen Rubel. Die Rüstungsausgaben stiegen dabei um 38,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten der Raiffeisenbank erwarten, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder nachlässt. Russlands Wirtschaft unter Druck – „auf dem Weg, ihr Defizit von 2025 zu verdoppeln“ Doch der Schein könnte trügen und die Lage von Russlands Wirtschaft könnte dramatischer sein. Hinter den Kulissen wächst der Druck auf die Staatsfinanzen. Das Haushaltsdefizit belief sich bis Ende Juli auf 6,455 Billionen Rubel, rund 2,8 Prozent des BIP. Die Öl- und Gaseinnahmen brachen im ersten Halbjahr 2026 auf nur noch 64 Prozent ihres Niveaus von vor zwei Jahren ein. Gleichzeitig stiegen die Staatsausgaben für Rüstung und Beschaffung von Januar bis Juli um fast 40 Prozent auf 8,44 Billionen Rubel – bereits 80 Prozent des Jahresplans. Der ehemalige stellvertretende Zentralbankchef Sergei Aleksaschenko schätzt das Gesamtdefizit für 2026 auf 7 bis 7,5 Billionen Rubel. Charles Lichfield vom Atlantic Council brachte es auf den Punkt: „Sie sind auf dem Weg, ihr Defizit von 2025 zu verdoppeln, und das war bereits doppelt so hoch wie 2024.“ Russlands Wirtschaft im Ukraine-Krieg: Experte warnt vor nächster Eskalation Ob die offiziellen Statistiken zu Russlands Wirtschaft die Realität überhaupt abbilden, ist unterdessen Gegenstand wissenschaftlicher Debatte. Forscher des Centre for Economic Policy Research (CEPR) haben NASA-Satellitendaten zu Nachtlichtintensitäten russischer Städte ausgewertet und kommen zu einem anderen Bild als die Moskauer Behörden. Ihre Analyse zeigt einen anhaltenden wirtschaftlichen Abschwung seit dem Beginn der Vollinvasion, der besonders in Westrussland ausgeprägt ist. Regionen im Süden und Osten Russlands, die vom Umleitungshandel über Georgien und China profitieren, verzeichneten dagegen Zuwächse. „Die Kriegskosten konzentrieren sich dort, wo es am meisten zählt: im wirtschaftlichen und politischen Kern Russlands“, schreiben die Autoren.