Ukraine-Krieg aktuell: Selenskyj bestätigt verheerenden Drohnenangriff
Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Verheerender Drohnenangriff auf Munitionslager – 27 Tote
Selenskyj will Hunderte Drohnen pro Tag nach Moskau schicken. Mychailo Fedorow hat einen neuen Job. Alle Entwicklungen im Newsblog.
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Samstag, 29. August
Selenskyj bestätigt verheerenden Drohnenangriff aus Russland
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Logistikzentrum in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach Angaben des örtlichen Gouverneurs mindestens 27 Menschen getötet worden. Die Opferzahl könne noch steigen, sagte Gouverneur Tymur Tkatschenko am Samstag nach dem Angriff am Vorabend.
Nach Behördenangaben ereignete sich der Drohnenangriff am Freitagabend in dem Dorf Myla im Bezirk Butscha. In der Folge sei ein Feuer ausgebrochen, es habe mehrere Explosionen gegeben, erklärte Tkatschenko. Nach dem Angriff in Myla leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts ein, dass auf dem Gelände illegal explosives Material gelagert worden sei. Auch werde geprüft, ob das Unternehmen alle "notwendigen Genehmigungen" gehabt habe, hieß es.
"Es gibt erhebliche Schäden an der umliegenden Infrastruktur: Wohnhäuser sowie ein Senioren- und Behindertenheim wurden beschädigt", schrieb auch der ukrainsiche Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram.
Großbrand nach russischem Drohnenangriff
Eine russische Drohne hat in einem Vorort der ukrainischen Hauptstadt Kiew einen Großbrand und Explosionen verursacht und zahlreiche Menschen zur Flucht gezwungen. Der Drohnenangriff habe sich am Freitagabend um kurz nach 20 Uhr (Ortszeit, 19 Uhr MESZ) in dem Dorf Myla im Bezirk Butscha ereignet, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit.
In der Folge sei ein Feuer ausgebrochen, "begleitet von Explosionen", erklärte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, im Onlinedienst Telegram. Deswegen seien bereits mehr als 200 Menschen in Sicherheit gebracht worden, darunter Kinder. Laut Tkatschenko gab es bei dem Vorfall mindestens sechs Verletzte.
Selenskyj droht Russland mit 1.000 Drohnen täglich
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Moskau mit einer Intensivierung der Drohnenschläge im russischen Hinterland gedroht. "Die Aufgabe lautet: täglich 1.000 Drohnen für Langstreckenangriffe gegen Russland. Derzeit führen wir durchschnittlich über 300 solcher Langstreckenangriffe aus - das muss mehr werden", sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Die Ukraine müsse den Einsatz von Waffen zur Abwehr russischer Angriffe maximieren, betonte er.
Mit den Angriffen etwa auf Ölraffinerien, Logistikzentren und militärische Ziele hat Kiew die Kosten für Moskaus Krieg in die Höhe getrieben. Kremlchef Wladimir Putin hatte wirtschaftliche Schäden zwar eingeräumt, sie aber als nicht kritisch heruntergespielt. Putin wiederum drohte der Ukraine mit Attacken, die weitaus mehr Zerstörungen anrichteten als umgekehrt.
Freitag, 28. August
Selenskyj-Konkurrent gibt neuen Job bekannt
Der aus dem Amt gedrängte ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow wird "Berater für Innovationen in der Verteidigung" des italienischen Verteidigungsministers Guido Crosetto. Dieser habe ihm die Stelle angeboten, erklärte Fedorow am Freitag in Onlinediensten. "In dieser Funktion werde ich Italien dabei unterstützen, Technologien für die moderne Kriegsführung zu entwickeln." Gleichzeitig werde er weiter "an Projekten zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit" der Ukraine arbeiten.
Das italienische Verteidigungsministerium bezeichnete die Ankündigung als "wichtige Chance" für Italien und teilte mit, Fedorow werde als "Innovationsberater" fungieren. Dieser verfüge über "umfangreiche Erfahrungen" mit "autonomen Systemen und mit der Luftverteidigung". Der italienischen Zeitung "La Repubblica" zufolge hatte Crosetto Fedorow bereits im Juli eine Beraterstelle angeboten. Fedorows Büro zufolge wird er weiter in Kiew bleiben und von dort aus arbeiten. Von der ukrainischen Präsidialverwaltung gab es zunächst keine Stellungnahme.
Der technikaffine 35-jährige Fedorow war vor sechs Wochen vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aus dem Amt gedrängt worden. Grund waren offenbar Spannungen zwischen dem Minister und der Armeeführung. In der Folge gingen tausende Ukrainer auf die Straße und verlangten Fedorows Wiedereinsetzung. Anfang August forderte Fedorow dann Wahlen in der Ukraine, was das Verhältnis zu Selenskyj weiter eintrübte. Wegen des seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 geltenden Kriegsrechts sind Wahlen ausgesetzt. Selenskyjs reguläre Amtszeit als Präsident endete im Mai 2024. Er wies den Vorschlag zurück, weil dieser das Land "spaltet".
Ukrainischer Drohnenexperte warnt Deutschland
Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, warnt Deutschland davor, die Transformation der Bundeswehr durch Drohnen zu verschlafen. Nicht nur Armeen, sondern auch Terroristen oder andere böswillige Akteure könnten Drohnen zur hybriden Kriegsführung oder für Anschläge einsetzen, sagte Browdi dem "Tagesspiegel". Eine bessere Integration von Drohnen in die Bundeswehr sowie Abwehrmaßnahmen dagegen seien unbedingt nötig. Drohnen könnten nicht einfach an eine Armee "angeschlossen" werden, sondern die gesamte Armee müsse sich auf die Drohnentechnologie einstellen.
Browdi verwies auch auf die Gefahr durch Drohnen für Zivilisten. So könnten auch Terroristen die kleinen Fluggeräte für Anschläge nutzen. "Hooligans könnten mit Drohnen bei Fußballspielen Unruhe stiften", so Browdi weiter. "Es reichen zwei Drohnen bei einem Champions-League-Spiel in der Allianz-Arena und es bricht eine Massenpanik aus. Dafür müssen die Drohnen gar nicht mit Sprengsatz beladen sein – aber wer weiß schon, ob sie es sind?", so der Major, dessen Drohneneinheiten in Russland gefürchtet sind.
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Browdi argumentiert aus seiner eigenen Erfahrung: Als er sich vor viereinhalb Jahren der ukrainischen Armee angeschlossen habe, habe er mit einer "einfachen Kalaschnikow" gekämpft. "Die Drohne war vor viereinhalb Jahren irrelevant, jetzt ist sie die Hauptwaffe im Krieg und dominiert ihn." Nach seiner Einschätzung hätte die ukrainische Armee 2022 den Einmarsch Russlands aufhalten können, hätte sie bereits damals über Langstreckendrohnen von heute verfügt. Das Militär hätte "die Russen bereits in einer Entfernung von 150 Kilometern aufgespürt und ihre Zufahrtswege mit Drohnen vermint".
Laut Kreml gibt es aktuell keine Friedensgespräche
US-amerikanische Vermittlungsbemühungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges verliefen bisher im Sande. Der Kreml reagiert nun auf Spekulationen über eine Wiederaufnahme der Gespräche. Demnach führt Moskau aktuell keine Friedensgespräche mit der Ukraine. "Dieses Thema befindet sich gerade in einer tiefen Pause", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten. Es gebe keine neuen Ideen. Gleichzeitig kenne Kiew die russischen Forderungen "ausgezeichnet".