Ukraine-Krieg: CSIS schätzt Verluste auf über zwei Millionen Soldaten
Eine Studie des Washingtoner Thinktanks CSIS beziffert die Opfer beider Seiten seit 2022. Doch die Datenbasis stützt sich auf Geheimdienstschätzungen. Die jüngsten Zahlen zum Ukraine-Krieg zeigen eine zivilisatorische Krise: Mehr als zwei Millionen Menschen sind ihm wohl auf beiden Seiten zum Opfer gefallen, wurden also getötet, verwundet oder werden vermisst. Weiterlesen nach der Anzeige Diese düstere Bilanz präsentierte jetzt das Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington. Allein Russland soll dabei rund 1,4 Millionen Soldaten verloren haben, darunter bis zu 450.000 Gefallene. Für die ukrainische Seite werden 525.000 bis 625.000 Opfer angegeben, wobei 125.000 bis 150.000 Soldaten getötet worden sein sollen. Die am Dienstag veröffentlichte CSIS-Studie deckt den Zeitraum von Februar 2022 bis Juni 2026 ab. Die Autoren Seth G. Jones und Riley McCabe ordnen die russischen Verluste historisch ein: Die Zahl der Gefallenen übersteige alle US-Kriegstoten seit dem Zweiten Weltkrieg um den Faktor vier und alle sowjetisch-russischen Kriegstoten seit 1945 um den Faktor neun. An der über 1.000 Kilometer langen Front stünden laut Analysten mehr als 400.000 russische Soldaten etwa 250.000 Ukrainern gegenüber. Russlands monatliche Verluste von 30.000 bis 34.000 Mann überstiegen 2026 erstmals die Rekrutierungsrate von rund 27.000 neuen Soldaten pro Monat. Geheimdienst-Schätzungen: Die fragile Datenbasis der CSIS-Studie Weiterlesen nach der Anzeige So erschütternd die Zahlen klingen, so schwach bleibt aber ihr Fundament. Mangels offizieller Opferstatistiken basieren die Angaben auf Schätzungen, räumen die CSIS-Autoren ein. Und die Schätzwerte stammen von westlichen Geheimdiensten, in erster Linie aus den USA und Großbritannien. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Exakte Verfahren, Fehlerintervalle und Rohdaten liefert die öffentlich zugängliche Kurzfassung der Studie nur in Umrissen. Gleichwohl gilt das CSIS, auch wenn es immer mal wieder gravierende Fehlprognosen anstellte, als seriöse Quelle. Die Gegenüberstellung mit US-Verlusten seit 1945 ist wirkungsvoll, übergeht allerdings erhebliche Unterschiede bei Definitionen von Kampf- und Nichtkampfverlusten, medizinischen Standards und der Qualität historischer Datensätze. Auch die Behauptung, die von manchen Analysten aufgestellt wird und auf die das CSIS hinweist, dass über 90 Prozent der russischen Verluste auf Drohnenangriffe zurückgehen, setzt eine belastbare Ereignisdatenbank voraus, deren Methodik im veröffentlichten Text nicht detailliert erläutert wird. 50 Meter pro Tag: Stellungskrieg im Schneckentempo der Somme-Schlacht Die CSIS-Analyse zeichnet das Bild eines Stellungskriegs, der direkt mit der Schlacht an der Somme verglichen wird. Dichte Minenfelder, mehrschichtige Befestigungen und ein massiver Drohneneinsatz in einer mehr als 20 Kilometer breiten Zone entlang der Frontlinie machen Truppenbewegungen extrem gefährlich. Russische Einheiten rücken laut CSIS in kleinen, oft schlecht ausgebildeten Stoßtrupps vor, oft nur 50 bis 90 Meter pro Tag. Bei Pokrowsk brauchten russische Truppen fast zwei Jahre für 50 Kilometer. Die Ukraine setzt dabei zunehmend auf KI-gestützte Systeme. Die Einwegdrohne "Hornet" etwa kostet rund 5.000 US-Dollar, hat eine Reichweite von 150 Kilometern und identifiziert Ziele autonom per Computer Vision. Auf Satellitenkommunikation ist sie dabei nicht angewiesen, was sie gegenüber GPS-Störsendern widerstandsfähiger macht. Im Frühjahr 2026 schrumpfte Russlands territoriale Kontrolle erstmals seit August 2024: ein Nettoverlust von rund 400 Quadratkilometern in April und Mai. Hier muss allerdings betont werden: Diese Brutto-Netto-Rechnung unterliegt dem Trugschluss, dass jeder Quadratkilometer als gleichbedeutend zu betrachten ist. Aber es macht einen deutlichen Unterschied, ob die Ukraine im Festungsgürtel von Kostjantyniwka bis Kramatorsk Gelände verliert und dafür unbefestigtes Gelände etwa in der Region Charkow zurückgewinnt. Lobbyismus statt Wissenschaft? Die politische Agenda hinter den Opferzahlen Bei der Studie muss auch berücksichtigt werden, dass das CSIS keine wissenschaftliche Institution ist, sondern eine Politikberatung und eine Agenda verfolgt. Während die US-Regierung nach offiziellen Verlautbarungen auf Abstand zu dem Krieg geht – Donald Trump erklärte laut New York Times, die USA hätten mit dem Krieg in der Ukraine nichts zu tun –, empfiehlt das CSIS das genaue Gegenteil, nämlich: härtere Sanktionen, mehr Militärhilfe, Druck auf Russlands Öleinnahmen sowie auf die sogenannte Schattenflotte. Die Studie erklärt allerdings nicht den Personalmangel auf ukrainischer Seite, der sich immer deutlicher zeigt. Schließlich will die Ukraine inzwischen mit EU-Milliarden ausländische Legionäre anwerben.