DAX +0,39 % 25.460,48 Pkt 18:00:00 MDAX +0,43 % 32.243,82 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,65 % 6.248,84 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,08 % 52.250,46 Pkt 20:54:23 S&P 500 +0,47 % 7.448,02 Pkt 20:54:22 Nasdaq +0,41 % 25.035,37 Pkt 20:54:22 Nikkei -1,49 % 61.434,19 Pkt 08:45:03 Gold +2,70 % 4.145,40 USD 20:44:24 Silber +2,97 % 59,00 USD 20:44:23 Brent +7,81 % 90,66 USD 20:43:57 WTI +6,74 % 84,60 USD 20:44:12 Bitcoin +1,01 % 64.514,54 USD 20:54:18 EUR/USD +0,73 % 1,14520 USD 20:53:24 EUR/GBP +0,18 % 0,85690 GBP 20:54:23 EUR/CHF +0,20 % 0,93330 CHF 20:54:23 EUR/JPY +0,43 % 186,998 JPY 20:54:22

Ukraine-Krieg: Gerüchte um Mobilisierung in Russland schüren Panik

Welt

Mobilmachung in Russland Putins Stimmungstest geht nach hinten los Von Finn Michalski Aktualisiert am 29.07.2026 - 17:46 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! An der Front fehlen Soldaten, in Moskau kursieren Gerüchte um die nächste Einberufungswelle. Der Kreml dementiert lautstark und rückt das Thema damit erst recht in den Fokus. Kremlchef Wladimir Putin hat es lange verstanden, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine vom Alltag der meisten Russen fernzuhalten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Tägliche ukrainische Drohnenangriffe auf kritische Infrastruktur reichen bis weit ins russische Hinterland und haben den Alltag von Millionen Menschen verändert. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass Russland an der Front ein Personalproblem hat. Lange hieß es, Putin plane eine neue Sommeroffensive in der Ukraine. Diese blieb jedoch aus – Beobachtern zufolge auch deshalb, weil ihm die Soldaten fehlen. Ukrainischen Angaben zufolge hat der Kreml im laufenden Jahr rund 220.000 neue Rekruten für den Krieg mobilisiert. Im selben Zeitraum soll die russische Armee jedoch 225.000 Soldaten verloren haben, 131.000 von ihnen seien getötet worden. Diese Rechnung geht nicht auf. Putin verbrennt Russlands Zukunft – und trotzdem gelingt es ihm kaum noch, die Verluste seiner Armee auszugleichen. Mit Sorge blickt man in Russland auf die immer weiter sinkende Zahl der Männer, die sich freiwillig für den Dienst an der Waffe melden. Der Kreml versucht, die Lücken mit immer neuen Maßnahmen zu schließen. Erst in der vergangenen Woche verabschiedete die Staatsduma ein Gesetz, das es erlaubt, noch mehr straffällig gewordene Menschen in die Armee einzuziehen. Doch offenbar reicht auch das nicht aus. Im Juli rief der Kremlpropagandist Wladimir Solowjow gemeinsam mit einem Mitglied des russischen Föderationsrats im Fernsehen Frauen sowie Menschen, die "verwundet, krank oder behindert" seien, dazu auf, sich für einen Kriegseinsatz zu melden. Stimmungstest vor Mobilisierung Das Center for European Policy Analysis, kurz CEPA, erklärt in einer Analyse, dass solche Äußerungen kein Zufall seien. Demnach finden regelmäßig Treffen zwischen Regierungsbeamten und Medienvertretern statt, bei denen Botschaften festgelegt werden, die anschließend an die Bevölkerung weitergegeben werden. Häufig werde diese Form der Kommunikation auch genutzt, um die Stimmung in Russland in Bezug auf ein bestimmtes Thema vorab zu testen und bei politischen Entscheidungen – etwa einer neuen Mobilisierungswelle – gegebenenfalls nachzujustieren. Genau das könnte nun der Fall sein. Zumindest deuten jüngste Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj darauf hin. Dieser erklärte vor Kurzem, Russland plane nach den Wahlen zur Staatsduma am 20. September die Mobilisierung von 300.000 bis 500.000 weiteren Soldaten. Damit wolle der Kreml seine hohen Verluste an der Front ausgleichen. Ob Selenskyj tatsächlich geheimdienstliche Erkenntnisse dazu vorliegen oder ob die Ankündigung Teil einer ukrainischen Informationsoperation ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Fest steht jedoch: Das Thema trifft in Russland einen empfindlichen Nerv. Nach der Mobilmachung im Jahr 2022 brachen in Russland landesweit Proteste aus. "Putin in den Schützengraben", skandierten Tausende Menschen in Dutzenden Städten. Rund 1.300 Demonstranten wurden damals von Sicherheitskräften festgenommen. Zehntausende verließen das Land, um dem Kriegsdienst zu entgehen. Solowjow wettert gegen "Panikmache" Vergangene Woche beklagte sich Propagandist Solowjow über die angebliche Panikmache und die Verbreitung von Desinformationen über eine bevorstehende Mobilmachung. Verantwortlich machte er vor allem russische Militärblogger, die den Angriffskrieg zwar mehrheitlich unterstützen, aber auch Missstände im Kriegsverlauf öffentlich machen. Solowjow forderte, diese Menschen strafrechtlich zu verfolgen. Ein weiterer Kremlvertreter, der die Gerüchte über eine Mobilmachung zu zerstreuen versucht, ist der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Andrej Kartapolow. In einem Interview mit Radio Majak erklärte er: "Ich halte nichts von diesen Gerüchten", und betonte, es bestehe "keine Notwendigkeit zur Mobilmachung". Doch die wenigsten Russen dürften seine Lügen des Jahres 2022 vergessen haben. Schon damals versicherte Kartapolow, es werde keine Mobilmachung geben. Nur einen Tag später begann sie. Russland: "Lüge des Feindes" Inzwischen sah sich sogar der frühere Kremlchef und heutige Vizevorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, dazu genötigt, die gesamte Debatte als eine "Lüge des Feindes" abzutun. Je mehr Vertreter des Machtapparats die Gerüchte dementieren, desto mehr rückt das Thema einer möglichen Mobilisierung in das Bewusstsein der Russen. Die Entscheidung darüber liegt letztlich allein bei Putin. Die renommierte US-Denkfabrik Institute for the Study of War schreibt, eine erneute Mobilmachung sei für den Kremlchef eine sehr persönliche Entscheidung. Ausschlaggebend dafür sei, wie er die Stabilität seiner Regierung und die Situation auf dem Schlachtfeld bewerte. Eine neue Einberufungswelle wäre für Putin mit erheblichen politischen Risiken verbunden. In Russland hat es seit Längerem keine größere Protestwelle mehr gegeben. Kommentatoren in russischen Medien fürchten jedoch, dass eine erneute Mobilmachung die bestehenden Risse im System, die zuletzt durch eine massive Versorgungskrise in Russland offenkundig wurden, weiter vertiefen könnte. Loading... Loading... Loading... Ukraine will den Informationskrieg umdrehen Diese Schwäche hat man offenbar auch in der Ukraine erkannt. Dort werden die Stimmen lauter, die eine neue Phase des Krieges ausrufen: den "Kampf um die Köpfe der Menschen". Der vor Kurzem unter heftigen Protesten der ukrainischen Zivilgesellschaft abgesetzte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte bei einer Veranstaltung der Organisation Victory Neurones zur psychologischen Kriegsführung, der Krieg habe sich bereits grundlegend verändert. Auf dem Gebiet der elektronischen Kriegsführung und im Drohnenbereich habe die Ukraine innerhalb weniger Jahre zu Moskau aufgeschlossen und Russland teilweise sogar überholt. Nun müsse das Land auch im Informationskrieg aufholen, in dem Russland weltweit führend sei, sagte der beliebte Ex-Minister. Selenskyjs Ankündigung, dass der Kreml die Mobilisierung von einer halben Million Soldaten plane, könnte daher unabhängig von ihrem tatsächlichen Wahrheitsgehalt bereits Wirkung entfalten. Denn womöglich ist Kiew dabei, Russland im Informationskrieg mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen. Der ukrainische Cyberkriegsexperte Serhij Demedjuk beschrieb dieses Prinzip im Gespräch mit der "New York Times". Es sei äußerst aufwendig und ressourcenintensiv, Desinformationen zu widerlegen. Wer versuche, eine Behauptung zu entkräften, verstärke die Botschaft in vielen Fällen ungewollt nur noch. Genau das könnte jetzt in Russland drohen.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren