Ukraine-Krieg: Immer mehr Frauen ziehen für Russland in den Krieg
Frauen ziehen für Putin an die Front
"Wenn man dort ankommt, ist die Lage völlig anders"
Von t-online, sic
27.08.2026 - 11:01 UhrLesedauer: 3 Min.
Russland wirbt inzwischen gezielt Frauen für den Krieg gegen die Ukraine an. Dabei geht es längst nicht mehr nur um medizinische oder logistische Aufgaben.
Seit dem Frühjahr 2026 hat Russland die Rekrutierung von Frauen für den Krieg gegen die Ukraine verstärkt. Das berichtet das in Polen ansässige, russischsprachige Medium "Vot Tak" nach einer Auswertung von Stellenanzeigen, Rekrutierungsaufrufen und Gesprächen mit Anwerbern. Demnach werden Frauen inzwischen unter anderem als Drohnenpilotinnen, Sanitäterinnen, Fahrerinnen und teilweise auch für Kampfeinheiten angeworben.
Bislang stellen Frauen nur einen kleinen Teil der russischen Streitkräfte. Nach Angaben des damaligen Verteidigungsministers Sergej Schoigu waren im März 2023 rund 1.100 Soldatinnen am Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Insgesamt dienten zu Beginn der großangelegten Invasion rund 40.000 Frauen als Soldatinnen in den russischen Streitkräften, die damals etwa 900.000 aktive Soldaten umfassten.
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Die neuen Rekrutierungsbemühungen deuten jedoch darauf hin, dass Moskau diesen Kreis erweitern will. Laut "Vot Tak" werden Studentinnen inzwischen direkt an Hochschulen und Berufsschulen angesprochen. Entsprechende Aktionen habe es unter anderem in St. Petersburg, Samara, Krasnojarsk und Jaroslawl gegeben. Auch lokale Behörden veröffentlichten demnach gezielt Aufrufe an Frauen.
Anwerber berichten von großem Interesse
In einigen Fällen waren die angebotenen Stellen offenbar schnell vergeben. Ein Rekrutierer erklärte einer Reporterin von "Vot Tak" auf ihre Anfrage zu einem Stellenangebot, der Aufruf sei wegen eines "sehr großen Andrangs" bereits nach zwei Wochen beendet worden. Ein anderer sagte: "Zu viele Interessentinnen, aber sehr wenige Plätze."
Gesucht werden Frauen je nach Einheit vor allem für medizinische Dienste, Kommunikation, Logistik und Drohneneinheiten. Es gibt aber auch Berichte über Scharfschützinnen, Maschinengewehrschützinnen und Frauen in Sturmtruppen. Mit den "Nachthexen 2.0" existiert laut "Vot Tak" zudem eine ausschließlich aus Frauen bestehende Drohneneinheit.
Eine von ihnen sei die 24-jährige Jelisaweta Zybina. Sie ging dem Bericht zufolge 2024 als Drohnenoperatorin an die Front und hat inzwischen ihren vierten freiwilligen Vertrag unterschrieben. Über den Krieg sagt sie: "Uns wird das alles schön und patriotisch präsentiert. Aber wenn man dort ankommt, ist die Lage völlig anders."
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Die Gründe für den Kriegseinsatz unterscheiden sich. Bei der Auswertung von Berichten über russische Soldatinnen stieß "Vot Tak" besonders häufig auf zwei Motive: Manche Frauen folgten einem Partner oder Angehörigen an die Front beziehungsweise wollten dessen Tod rächen. Andere seien von der Rechtmäßigkeit des russischen Angriffskriegs überzeugt.
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Mindestens 50 Soldatinnen getötet
Der zunehmende Einsatz von Frauen zeigt sich auch bei den Verlusten. "Vot Tak" hat nach eigenen Angaben mindestens 50 russische Soldatinnen identifiziert, die seit Beginn der großangelegten Invasion im Februar 2022 getötet wurden. Fünf davon starben demnach 2022, 15 im Jahr 2025. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2026 waren es bereits zwölf.
Historisch steht der Einsatz von Frauen in Russland in einem Widerspruch zur sowjetischen Militärtradition nach dem Zweiten Weltkrieg. Während damals rund 800.000 Frauen in der Roten Armee dienten, darunter als Scharfschützinnen oder Pilotinnen, wurden sie nach 1945 weitgehend aus Kampffunktionen ausgeschlossen. Diese Tradition wirkt nach Einschätzung der Denkfabrik Center for European Policy Analysis bis heute fort.
Russland hält zudem an einem konservativen Rollenbild fest. Trotzdem scheint der Personalbedarf des Militärs die Grenzen zunehmend zu verschieben. Frauen, die früher vor allem für unterstützende Aufgaben vorgesehen waren, werden inzwischen auch gezielt für Tätigkeiten angeworben, bei denen sie unmittelbar an Kampfhandlungen beteiligt sind.