Ukraine-Krieg: Kiew kritisiert Südkorea scharf
Newsblog zum Krieg in der Ukraine
"Russland geholfen": Kiew kritisiert Verbündeten scharf
Der Streit zwischen Kiew und Seoul verschärft sich. Russische Raketen treffen eine Klinik in Krywyj Rih. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Dienstag, 6. Oktober
Selenskyj warnt vor massivem russischem Angriff hin
Russland bereitet dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge einen massiven Angriff auf die Ukraine vor. "Es liegen aktuelle Geheimdienstinformationen vor, die darauf hindeuten, dass Russland einen massiven Angriff vorbereitet", sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. "Die ukrainischen Sicherheitsdienste und unsere Luftwaffe sind bereit, im Rahmen unserer verfügbaren Verteidigungsmittel darauf zu reagieren."
Russische Drohne tötet Polizisten in Kramatorsk
Beim Einschlag einer russischen Drohne in ein Polizeiauto in Kramatorsk in der Ostukraine ist ein Polizist ums Leben gekommen. Drei weitere Polizeibeamte seien bei dem Angriff verletzt worden, teilte der regionale Polizeichef Olexander Biloschizkyj auf Facebook mit. "Es fällt schwer, Worte zu finden, wenn man einen der Seinen verliert", schrieb er.
Kramatorsk liegt im Osten der Ukraine. Die Stadt gehört zu dem sogenannten ukrainischen Festungsgürtel, der seit Monaten schweren Angriffen der russischen Militärs widersteht.
Russland rückt auf den "Festungsgürtel" vor: Was ein Durchbruch bedeuten könnte
Bei einem russischen Angriff auf eine belebte Landstraße bei Odessa im Süden der Ukraine sind mindestens fünf Menschen verletzt worden. Mehrere Fahrzeuge, hauptsächlich Sattelschlepper, seien beschädigt worden, berichtete der regionale Militärverwalter Oleh Kiper auf Telegram.
"Russland geholfen": Kiew kritisiert Verbündeten scharf
Die Ukraine hat Südkorea wegen der Lieferung von Treibstoff an Russland scharf kritisiert. Die Lieferungen stünden "in scharfem Kontrast" zur Sanktionspolitik Südkoreas, sagte der ukrainische Präsidentenberater Wladyslaw Wlasjuk. Seoul habe Moskau damit geholfen, die durch ukrainische Angriffe ausgelöste Treibstoffknappheit auszugleichen.
Laut einem Bericht des britischen "Guardian", der sich auf Angaben von Häfen und Schiffstracking-Daten stützt, wurden im Juli und August 176.000 Tonnen Ölprodukte von Südkorea nach Russland verschifft. Aus den Unterlagen geht demnach nicht hervor, wem der Treibstoff gehörte oder wer ihn verkaufte. Die Lieferungen machten dem Bericht zufolge im August fast ein Drittel der russischen Treibstoff-Importe auf dem Seeweg aus. Drei der sieben eingesetzten Tanker sind demnach mit westlichen Sanktionen belegt.
"Diese Lieferungen begannen genau zu dem Zeitpunkt, als ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die Verarbeitungskapazitäten verringerten und in der Russischen Föderation einen Treibstoffmangel verursachten", sagte Wlasjuk, der den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Sanktionsfragen berät. "Mit anderen Worten: Importe aus Südkorea haben Russland de facto dabei geholfen, die Folgen des Verlustes seiner eigenen Raffineriekapazitäten auszugleichen." Südkorea hatte nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verschärfte Exportkontrollen gegenüber Russland und dessen Verbündeten Belarus verhängt. Außerdem schränkte Seoul Geschäfte mit den wichtigsten russischen Banken und der Zentralbank ein.
Angriffe im Schwarzen Meer – ein Schiff sinkt
Zwei Handelsschiffe sind in bulgarischen Gewässern des Schwarzen Meeres von Drohnen angegriffen worden. Das teilte Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew laut der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA in Sofia mit. Beide Schiffe wurden beschädigt, eines davon ist gesunken. Die gesamte Besatzung des gesunkenen Schiffs, das unter der Flagge von Togo unterwegs war, werde vermisst. Die Suche nach diesen sei im Gange. Auf dem anderen Schiff sei ein Brand ausgebrochen – 18 Menschen seien von dort gerettet worden, zwei davon schwer verletzt, sagte Radew weiter. Dieses Schiff habe unter der Flagge von Palau Getreide transportiert. Die Crew bestehe aus elf Türken und sieben Indern.
Zu dem Zwischenfall sei es gegen 03.00 Uhr morgens 70 Seemeilen östlich der bulgarischen Schwarzmeer-Stadt Byala gekommen. Zum Ursprung der Drohne äußerte sich Radew nicht. Es seien mehrere Drohnen gewesen, die aus dem Meer und aus der Luft gekommen seien. Radew verurteilte den Vorfall als "absolut groben Verstoß gegen das Völkerrecht" im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Es drohe eine Ausweitung dieses Krieges, falls er nicht beendet werde, sagte Bulgariens Premier weiter.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete daraufhin die Situation im Schwarzen Meer als "zunehmend besorgniserregend", wie sie auf der Plattform X schrieb. "Handelsschiffe – und unschuldige Crews – werden zum Ziel genommen, es hat bereits Leben auf See gekostet." Die EU stehe solidarisch an der Seite ihrer Mitglieder an der Ostflanke. Von der Leyen bezog sich damit auch auf einen ähnlichen Vorfall am Montag an der rumänischen Küste. Dort war auf einem Handelsschiff Feuer ausgebrochen, zwei Seeleute starben. Rumänische Medien mutmaßten, dass ein Drohnenangriff Ursache des Vorfalls war, eine offizielle Bestätigung rumänischer Behörden gab es dafür bislang nicht.
Russischer Marschflugkörper trifft Krankenhaus
Durch russische Luftangriffe auf die Ukraine sind im Verlauf eines Tages mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, mehr als hundert weitere wurden verletzt. Das berichtete die Zeitung "Kyiv Indepedent".
Loading...
Loading...
Loading...
Besonders betroffen war die Stadt Krywyj Rih im Süden der Ukraine. Dort schlugen russische Banderol-Marschflugkörper in einer Klinik ein. Nach Angaben der lokalen Behörden wurden dabei vier Menschen verletzt, darunter zwei Angehörige des medizinischen Personals.
Russland überzieht die Ukraine seit Wochen mit massiven Luftangriffen. Auch, weil Kiew kaum mehr über Luftabwehrwaffen verfügt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte der Ukraine bei seinem jüngsten Besuch in Kiew, die Lieferung von 15.000 Abfangdrohnen zu.
Massiver Drohnenangriff auf Moskau fordert mindestens zwei Tote
Die Ukraine hat in der Nacht einen massiven Drohnenangriff auf Moskau und das Umland gestartet. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin waren seit Montagabend rund 650 Drohnen in Richtung der russischen Hauptstadt und der umliegenden Region unterwegs. Die meisten seien bereits weiter außerhalb abgefangen worden. Allein im direkten Anflug auf Moskau seien zunächst 105 Drohnen abgeschossen worden, später meldete Sobjanin weitere 29.
In der Region Moskau kamen nach Angaben von Gouverneur Andrej Worobjow zwei Menschen ums Leben, neun weitere wurden verletzt. In sieben Kommunen seien insgesamt 47 Privathäuser beschädigt worden. Worobjow zufolge schossen die russische Luftabwehr und elektronische Abwehrsysteme über dem Moskauer Gebiet insgesamt 185 Drohnen ab oder brachten sie zum Absturz. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.