Ukraine-Krieg: Norwegen beschlagnahmt Kreuzfahrtschiff aus Russland
Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Norwegen beschlagnahmt russisches Kreuzfahrtschiff
Der ukrainische Präsident kritisiert seine Geheimdienste. Norwegen beschlagnahmt ein russisches Kreuzfahrtschiff. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Donnerstag, 3. September
Sberbank-Chef besorgt über Konsumrückgang und Inflation in Russland
Der Chef von Russlands größtem Geldhaus, der Sberbank, German Gref, hat sich besorgt über die russische Wirtschaft geäußert und vor einem nachlassenden Konsum sowie einer anziehenden Inflation gewarnt. "Der Konsum geht seit Juni zurück... Das gibt Anlass zur Sorge", sagt Gref auf einem Wirtschaftsforum in der Hafenstadt Wladiwostok. "Wir sehen erste Tendenzen." Das Anziehen der Teuerung führt er vor allem auf den Ausfall von Ölraffineriekapazitäten durch Drohnenangriffe der Ukraine zurück. Die russische Wirtschaft war nach offiziellen Angaben im Juli im Jahresvergleich nur noch um 0,6 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 1,7 Prozent im Juni. Die Sberbank rechnet Gref zufolge dennoch für das laufende Jahr mit einem neuen Rekordgewinn. Das Geldhaus hatte 2025 trotz der westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Kriegs ein Rekordergebnis von 1,7 Billionen Rubel (16,8 Milliarden Euro) erzielt.
Rubio: Verhandeln mit Kiew über Patriot-Lizenzen
Kiew und Washington führen Gespräche über die Erteilung von Lizenzen an die Ukraine zum Bau eigener Patriot-Luftabwehrsysteme, erklärte US-Außenminister Marco Rubio am Mittwoch in einem Interview in der "Brian Kilmeade Show". "Darüber wird gerade verhandelt", sagte Rubio auf die Frage, ob die USA Baupläne für die Abfangraketenbatterien übergeben würden.
Rubio wies darauf hin, dass eine Vereinbarung über in der Ukraine hergestellte "Patriot"-Systeme die Lage vor Ort nicht sofort ändern würde. "Die Produktion – selbst wenn man eine Lizenz hat – ist ein Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nimmt, um diese Fabriken aufzubauen", sagte Rubio. Die ukrainische "Patriot"-Produktion "mag zwar Früchte tragen, wird aber die kurzfristige Herausforderung nicht wirklich lösen." US-Präsident Donald Trump hatte die Lizenzierung vor geraumer Zeit angekündigt, Ende Juli aber wieder einen Rückzieher gemacht.
Moskau schließt Niederlassungen von Goethe-Institut
Russland schließt nach Anschuldigungen wegen eines Drohnen-Zwischenfalls am Flughafen Leipzig/Halle Niederlassungen des Goethe-Instituts. Das meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag unter Berufung auf den russischen Außenminister Sergej Lawrow. Die Bundesregierung hatte Moskau für den Vorfall verantwortlich gemacht und als Reaktion unter anderem ein russisches Konsulat in Bonn geschlossen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Deutschland am Dienstag beschuldigt, Beweise fingiert zu haben, um Moskau die Schuld zuzuweisen.
Russland: Leiterin vom Kinderhospiz festgenommen
In Russland ist die Leiterin eines Kinderhospizes wegen angeblicher Kritik an der russischen Armee festgenommen worden. Seine Mandantin Lida Moniawa werde verdächtigt, "Falschinformationen" über die russischen Streitkräfte verbreitet zu haben, sagte ihr Anwalt Michail Birjukow am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Die Anklage wirft der 38-Jährigen demnach vor, aus "politischem Hass" gehandelt zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft.
Moniawa ist Gründerin und Leiterin einer Wohltätigkeitsorganisation mit Sitz in Moskau, die sich für die Sterbebegleitung von Kindern und jungen Erwachsenen einsetzt. Ihre Festnahme geht ihrem Anwalt zufolge auf einen Beitrag im Onlinedienst Telegram von 2023 anlässlich des ersten Jahrestags des Ukraine-Krieges zurück. Darin verwies Moniawa demnach auf UN-Daten zu Tausenden zivilen Opfern.
Norwegen beschlagnahmt russisches Kreuzfahrtschiff
Norwegen hat auf Betreiben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz ein russisches Kreuzfahrtschiff in der Arktis beschlagnahmt. Wie Naftogaz am Mittwoch mitteilte, beschlagnahmten die norwegischen Behörden die "Professor Moltschanow" in der Inselgruppe Spitzbergen auf der Basis eines Gerichtsbeschlusses, der Russland zu Entschädigungszahlungen an Naftogaz verpflichtet. Der Schritt erfolgte demnach auf Anordnung eines norwegischen Gerichts. Die norwegische Zeitung "Aftenposten" zitierte einen Polizeivertreter aus Spitzbergen, der den Vorgang bestätigte.
Mit der Beschlagnahme soll die Entscheidung eines Schiedsgerichts durchgesetzt werden, das Russland zur Zahlung von rund 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Millionen Euro) an Naftogaz für beschlagnahmte Vermögenswerte auf der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim verpflichtete. Moskau ist dem Schiedsspruch bislang nicht nachgekommen.
Wohnhaus in Odessa bei Angriff beschädigt
Bei einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Schwarzmeer-Hafenstadt Odessa ist ein mehrstöckiges Wohnhaus beschädigt worden. Das teilt die örtliche Militärverwaltung auf Telegram mit. Weitere Einzelheiten werden zunächst nicht genannt.
Neue Warnfarben bei Luftalarm
Wegen der fast pausenlosen russischen Drohnen- und Raketenangriffe auf Kiew ändert die Ukraine die Regeln für Luftalarme. Künftig solle es eine Alarmstufe Gelb geben, wenn beispielsweise eine Drohne im Anflug sei, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einer Beratung mit der Regierung mit. Alarmstufe Rot bedeute einen Angriff mit ballistischen Raketen oder eine massive Attacke anderer Art. Entsprechend würden auch verschiedene Sirenensignale entwickelt.
Mittwoch, 2. September
Selenskyj wütend: Geheimdienste greifen sich gegenseitig an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine undurchsichtige Schießerei zwischen seinen Geheimdiensten scharf kritisiert. Er sprach von einer "absolut skandalösen Situation". Der Generalstaatsanwalt müsse klären, warum sich Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes SBU und des Militärgeheimdienstes HUR in Kiew einen Schusswechsel mit Verletzten geliefert hätten, sagte Selenskyj. "Hier in der Ukraine darf nur auf russische Besatzer geschossen werden, um die Ukraine zu verteidigen", sagte er.
Der SBU teilte am Mittwoch zunächst mit, gemeinsam mit dem HUR sei es gelungen, einen aus Moskau gesteuerten Anschlag auf einen russischen Oppositionellen zu verhindern. Nach Kiewer Medienberichten soll es sich dabei um einen Offizier des Russischen Freiwilligenkorps RDK handeln, das auf Seiten der Ukraine kämpft.
Später schrieb der SBU, seine Einsatzkräfte seien bei einer Ermittlungsaktion von Unbekannten angegriffen worden. In einem Schusswechsel seien mehrere Angreifer verletzt worden. Sie hätten sich als Armeeangehörige herausgestellt. Die Aufsicht über die russischen Freiwilligen führt der Militärgeheimdienst HUR, der sich bislang nicht offiziell zu dem Vorfall äußerte.
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