DAX -0,12 % 26.169,89 Pkt 09:25:38 MDAX -0,31 % 32.459,11 Pkt 09:25:37 Euro Stoxx 50 +0,49 % 6.508,58 Pkt 09:25:30 Dow Jones +2,20 % 54.349,12 Pkt 23:22:16 S&P 500 +1,62 % 7.723,55 Pkt 22:41:45 Nasdaq +1,73 % 26.363,44 Pkt 23:15:59 Nikkei -0,93 % 65.683,26 Pkt 08:45:03 Gold +1,76 % 4.320,70 USD 09:30:18 Silber +0,00 % 62,10 USD 09:30:34 Brent +0,24 % 79,64 USD 09:30:11 WTI -0,03 % 75,20 USD 09:30:31 Bitcoin +0,29 % 64.786,20 USD 09:40:35 EUR/USD +0,12 % 1,15460 USD 09:39:57 EUR/GBP +0,06 % 0,85780 GBP 09:40:37 EUR/CHF +0,04 % 0,93340 CHF 09:40:40 EUR/JPY +0,19 % 182,206 JPY 09:40:38

Ukraine-Krieg: Putin will Schwerkriminelle an der Front - wer überlebt, ist frei

Welt

KI-Stimme. Info Russland benötigt Soldaten, aber keine Debatte über eine neue Mobilisierung vor den Parlamentswahlen im September: „Die Versuche des Feindes, Unsinn über die angeblichen Mobilisierungsvorbereitungen des Landes zu verbreiten, sind nichts weiter als Wahlpropaganda“, betont Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew, heute stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates. 200.000 Männer hätten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres neue Verträge für den Fronteinsatz unterschrieben, darunter 40.000 speziell für Drohneneinsätze. Doch die Beteuerungen Medwedews verfangen nicht. Das Gerücht einer neuen Mobilisierungswelle hält sich hartnäckig, zumal die Menschen in Russland verunsichert sind. Erst die Benzinkrise, jetzt die Drohnenangriffe auf den Versandhändler Wildberries – in Russland macht sich Kriegsmüdigkeit breit. Doch Wladimir Putin hält an seinen Plänen und Kriegszielen fest. Deshalb braucht er neue Soldaten. Auch interessant Ukraine-Krieg: Putin legte die Soll-Stärke der russischen Streitkräfte auf rund 2,5 Millionen Mann fest Per Dekret hat der russische Präsident am 27. Juli die Sollstärke der russischen Streitkräfte auf rund 2,5 Millionen Mann festgelegt, darunter 1,5 Millionen kampfbereite Soldaten. „Somit wuchs die russische Armee im Zuge der Sonderoperation um mehr als eine halbe Million Soldaten“, schreibt das russische Online-Nachrichtenportal ng.ru. Ein Rückzug aus dem ukrainischen Donbass ist für den Kreml nicht denkbar. Doch hofft man auf ein baldiges Kriegsende. „Wenn dies noch in diesem Jahr gelingt, dann ist es optimal“, sagt Grigori Karassin, der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des russischen Föderationsrates. Auch interessant Doch es ist mehr als fraglich, ob der Krieg so schnell endet. Deshalb sucht man jetzt frische Kampftruppen in Gefängnissen. Nun können sich auch Schwerkriminelle wie Betrüger und Drogenschmuggler zum Kriegseinsatz verpflichten und damit ihre Strafen tilgen. Ein entsprechendes Gesetz hat das russische Parlament Mitte Juli verabschiedet. Dienen würden die Häftlinge in Spezialeinheiten, „getrennt von Zeitsoldaten ohne derartige Vorstrafen“, so der stellvertretende Verteidigungsminister Viktor Goremykin. „Das Gesetz wird den Pool potenzieller Kandidaten für den Militärdienst vergrößern und dazu beitragen, die geplanten Auswahlziele für Bürger zu erreichen, die die Streitkräfte im Jahr 2026 für die Teilnahme an speziellen Militäroperationen verstärken sollen“, betonte der Politiker. Gesucht werden Drohnenspezialisten mit dem Versprechen: An die Front müsst ihr nicht Nach wie vor werden neue Soldaten, vor allem Drohnenspezialisten, gesucht und angeworben. Das sei ein „wichtiger Trend“, so das Freiwilligenrekrutierungszentrum des nördlichen Militärbezirks. Kanonenfutter an der Front würden diese neuen Soldaten nicht, das wird versprochen: „Abschluss eines Sondervertrags mit garantierter Dienstleistung nur in unbemannten Systemeinheiten“. Gesucht würden auch andere Fachkräfte: Ingenieure, Mediziner, Kommunikationsexperten und IT-Spezialisten. Vor allem für Männer aus den ärmeren Regionen der Russischen Föderation ist der Kriegsdienst in der Ukraine finanziell nach wie vor äußerst lukrativ. Beispiel: Dagestan im Nordkaukasus, eines der Armenhäuser Russlands. Wer sich verpflichtet, erhält dort einmalig 2,9 Millionen Rubel, umgerechnet rund 32.000 Euro. Hinzu kommen Sold und weitere Vergünstigungen. Davon kann man Schulden zahlen, eine Existenz aufbauen – wenn man überlebt. In der entlegenen Altai-Region gibt es die gleiche Summe, in Woronesch, nahe der ukrainischen Grenze, rund 28.000 Euro. Mehr Reportagen von Kriegsreporter Jan Jessen Mit 140 durch den Krieg: Dieser Bus holt Verwundete aus der Hölle Für Vergebung: Im „Alcatraz“-Bataillon kämpfen Verbrecher in der Hölle „Gamechanger“: Ukraine setzt Hightech-Waffe ein – und versenkt Boote „Bis hierher und nicht weiter!“: Bundeswehr rüstet sich für Putin „Wie wilde Tiere“: Mariya von russischen Soldaten vergewaltigt Angeworben werden neue Soldaten russlandweit in Rekrutierungszentren, über soziale Medien, sogar an Universitäten und in Betrieben. Die Motivationen für den Kriegsdienst seien unterschiedlich, erzählt ein Anwerber auf dem Portal gaseta.ru: „Manche haben Hypotheken oder Kredite, andere wollen ihre Strafregistereinträge löschen lassen. Es gibt aber auch viele ideologische Gründe.“ Nach dem Einmarsch ukrainischer Truppen in die Region Kursk im August 2024 hätten viele Bewerber gesagt: „Ich kann nicht länger zusehen, was die ukrainischen Streitkräfte in Kursk tun.“ Damals halfen 14.000 nordkoreanische Soldaten Russland bei der Rückeroberung. Erneut bedankte sich Wladimir Putin jetzt bei Nordkoreas Außenministerin Choe Son-hui, die auf Besuch in Moskau war. Die „heldenhaften Taten“ der nordkoreanischen Soldaten würden „niemals vergessen“. Sie würden „genauso geehrt wie unsere Landsleute“, fügte Putin hinzu. Vielleicht kommen bald 30.000 neue Soldaten aus dem verbündeten Nordkorea. Das zumindest fürchtet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Seit Juni würden Vorbereitungen dafür in der Region Woronesch getroffen. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Genauso wenig wie eine Bestätigung der angeblichen Mobilisierungspläne. Unter Berufung auf Quellen im Umfeld der Präsidialverwaltung berichten die Exilmedien „i-stories“ und „Verstka“, die Möglichkeit einer erneuten Mobilisierung werde „auf allen Ebenen“ diskutiert. Alle aber sind sich einig: Vor der Wahl im September wird es keine neue Mobilisierung geben. Denn die Wahl, vor allem eine möglichst hohe Wahlbeteiligung, ist äußerst wichtig für Putin. Dem Kriegsgegner Boris Nadeschdin hat man eine Teilnahme verwehrt. Nunmehr eine scheinbar demokratische Kehrtwende. Kandidaten der kriegskritischen Oppositionspartei Jabloko dürfen sich zur Wahl stellen. Allerdings nur in Regionen, so das Portal ng.ru, „die für sie wenig erfolgversprechend sind“.

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