Ukraine-Krieg: Russische Drohne trifft ziviles Schiff - Kapitän tot
Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Russische Drohne trifft offenbar ziviles Schiff – Kapitän tot
Russland und die Ukraine greifen Energie-Ziele an. Ein russischer Angriff trifft ein Handelsschiff. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Donnerstag, 17. September
Russische Drohne trifft offenbar ziviles Schiff – Kapitän tot
Eine russische Drohne hat am Donnerstagmorgen nach ukrainischen Angaben ein ziviles Handelsschiff im Schwarzen Meer getroffen. Das unter tansanischer Flagge fahrende Schiff war auf dem Weg zu einem ukrainischen Hafen. Der Kapitän kam bei dem Angriff ums Leben, drei weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt.
Nach Angaben des Gouverneurs der Region Odessa, Oleh Kiper, wurden bei dem Angriff die Aufbauten und das Deck des Schiffes beschädigt. Wie schwer die Schäden insgesamt sind, war zunächst unklar. Das ukrainische Infrastrukturministerium warf Russland vor, mit seinen Angriffen auf Häfen und zivile Schiffe die internationale Schifffahrt im Schwarzen Meer zu gefährden.
Trotz Trumps Feuerpausen-Vorstoß: Neue Angriffe auf Energieziele
Russland und die Ukraine haben sich in der Nacht zum Donnerstag erneut gegenseitig angegriffen – und dabei auch Energieanlagen ins Visier genommen. In Russland wurde eine Ölraffinerie in Jaroslawl beschädigt, während Moskau nach ukrainischen Angaben Energie-Infrastruktur in den Regionen Sumy und Odessa attackierte.
Der Gouverneur der Region Jaroslawl bestätigte einen ukrainischen Drohnenangriff auf die dortige Raffinerie. Ein Feuer sei inzwischen gelöscht worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff und erklärte zudem, bei einem ukrainischen Schlag gegen einen Militärflugplatz in Rostow seien Flugzeuge und Hubschrauber beschädigt worden. Wie groß die Schäden tatsächlich sind, ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die Angriffe kommen nur wenige Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, Russland und die Ukraine hätten sich auf eine Feuerpause für Energieanlagen verständigt. Selenskyj widersprach dieser Darstellung: Eine entsprechende Vereinbarung gebe es bislang nicht. Die Ukraine sei zu einem solchen Schritt bereit, wenn Russland seine Angriffe ebenfalls einstelle.
Russischer Angriff trifft Wohnhaus in Kiew
Russland hat nach einigen Nächten Pause die Ukraine wieder mit ballistischen Raketen beschossen. Gegen die Hauptstadt Kiew wurden nach Angaben militärnaher Telegramkanäle bis zu sechs umfunktionierte Anti-Schiffs-Raketen vom Typ Zirkon eingesetzt. Ein dpa-Reporter hörte mehrere schwere Explosionen in der Stadt.
Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Schäden unter anderem an einem Bürogebäude und einem Wohnhaus. Es soll mindestens zehn Verletzte gegeben haben, berichtet die "Kyiv Post". Medienberichten zufolge kam es in einigen Stadtteilen am Ostufer des Dnipro zu Problemen mit der Wasserversorgung. Auch die Großstädte Dnipro und Saporischschja im Süden wurden nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe mit ballistischen Raketen angegriffen.
Mittwoch, 16. September
Selenskyj erwartet neue Rüstungshilfen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet neue westliche Unterstützungspakete, darunter vor allem Mittel zur Flugabwehr. "Wir bereiten neue Treffen mit unseren Partnern in den USA vor", sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Bei den Beratungen werde es um Schritte hin zu einem Frieden mit Kriegsgegner Russland, die Probleme der ukrainischen Energiewirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Waffen gehen. Es seien auch Gespräche über das in Entwicklung befindliche System zur Abwehr ballistischer Raketen Freyja geplant.
Russischer Angriff zerstört Lager von Selenskyjs Medienfirma
Bei einem russischen Drohnenangriff ist ein Lager in Kiew mit dem Fundus des von Präsident Wolodymyr Selenskyj mitgegründeten Medienunternehmens "Kvartal 95" zerstört worden. "Damit haben wir eine große Menge an Kulissen, Kostümen und Gegenständen verloren, die zwanzig Jahre lang Teil unserer Konzerte, Fernsehsendungen, Filme und Serien waren", teilte das Unternehmen bei Facebook mit. Das seien nicht nur einfach Dinge, sondern die Geschichte des "Kvartals". Verletzte habe es bei dem Angriff in der ukrainischen Hauptstadt in der Nacht zum Mittwoch nicht gegeben.
Die Shows der Komödiantentruppe des Produktionsstudios würden dennoch "mit oder ohne Requisiten" fortgesetzt. "Denn Lachen ist heute auch ein Teil des Lebens", hieß es in der Mitteilung. Das Leben gehe weiter.
Nato: Russische Behauptung zu Leipzig-Ermittlung ist absurd
Die Nato hat die Darstellung Russlands zurückgewiesen, wonach das Militärbündnis die deutschen Erkenntnisse zu dem Sprengstoffdrohnenfund auf dem Flughafen in Leipzig/Halle anzweifelt. "Die Behauptung des russischen Geheimdienstes, wonach die Nato keine Belege für eine russische Beteiligung an dem Drohnenvorfall in Leipzig gefunden habe, ist absurd", sagte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Geheimdienstexperten der Nato seien wie Deutschland zu dem Schluss gekommen, dass Russland hinter dem hybriden Angriff am 4. August stecke.
"Russland hat nachweislich immer wieder versucht, verbündete Staaten zu destabilisieren und uns davon abzubringen, die Ukraine zu unterstützen", fügte der Bündnissprecher hinzu. Russlands rücksichtsloses Vorgehen sei gefährlich. Aber man werde sich nicht davon abbringen lassen, die Ukraine weiter zu unterstützen.
Putin: Parlamentswahl wird Beitrag zum Sieg Russlands
Der russische Staatschef Wladimir Putin stellt die kommende Parlamentswahl als Symbol der Einigkeit seines kriegführenden Landes dar. "Die Teilnahme an den Wahlen ist unser gemeinsamer Beitrag zum Sieg Russlands", sagte er in einer Videoansprache. Die Wahl solle zeigen, "dass hinter unseren Kämpfern Millionen Menschen stehen, dass wir ein geeintes Volk sind", sagte Putin. Er gehe davon aus, dass die "würdigsten Kandidaten" gewinnen.
Russischer Generalmajor Grinus nach Ehrung getötet
Der russische Generalmajor Anton Grinus ist nach Angaben russischer Militärblogger und des tschetschenischen Generals Apti Alaudinow getötet worden. Grinus, Kommandeur der 4. motorisierten Garde-Schützenbrigade, war erst am 27. August mit dem Titel "Held Russlands" ausgezeichnet worden. Die genauen Umstände seines Todes sind bislang unklar. Berichte bringen ihn mit ukrainischen Angriffen in den besetzten Gebieten Luhansk und Donezk in Verbindung.