Ukraine-Krieg: Russland muss offenbar Elite-Einheit zurückziehen
Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Russland zieht offenbar Elite-Einheit von der Front zurück
In der Region Kursk schlägt eine Drohne in einen Kühlturm ein. Selenskyj warnt vor einem massiven Haushaltsloch. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Samstag, 19. September
Russland stuft Regisseur als Agenten ein
Moskau hat den bekannten russischen Regisseur Andrei Zvyagintsev als "ausländischer Agent" eingestuft. Zvyagintsev sei beteiligt gewesen an der Erstellung von Mitteilungen und Materialien von Auslandsagenten und in Russland unerwünschter Organisationen, hieß es unter anderem in einer Mitteilung des Justizministeriums.
Wer in Russland als "ausländischer Agent" gebrandmarkt ist, muss mit zahlreichen Nachteilen rechnen. Die Einstufung soll Misstrauen schüren und ihre Arbeit in Russland erschweren.
Gleitbombenangriff auf Sumy
Bei einem russischen Angriff mit Gleitbomben sind in der nordostukrainischen Stadt Sumy nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Sieben weitere seien bei der Attacke verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung von Sumy, Oleh Hryhorow, bei Telegram mit. Darunter sei ein 13-jähriges Mädchen. Hryhorow veröffentlichte auch ein in der Nacht aufgenommenes Foto, auf dem ein schwer beschädigtes mehrstöckiges Wohnhaus zu sehen ist. Seine Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Freitag, 18. September
Russland zieht offenbar Elite-Einheit von der Front zurück
Russland hat nach schweren ukrainischen Angriffen Einheiten seiner Elite-Drohneneinheit Rubicon von der Frontlinie im Norden des Gebiets Donezk abgezogen. Das teilte das 3. Armeekorps der Ukraine am 18. September mit.
"Die Kämpfer des 3. Korps haben das Führungssystem von Rubicon lahmgelegt: Sie zerstörten dessen Logistik, Munitionsdepots, Drohnenstartplätze, neu aufgestellte Einheiten sowie erfahrene UAV-Operatoren", erklärte die Einheit gegenüber "Ukrainska Pravda".
Das Rubicon-Zentrum für fortschrittliche unbemannte Technologien ist eine weitverzweigte russische Drohneneinheit und bildet den Kern der kürzlich gegründeten Teilstreitkraft für unbemannte Systeme innerhalb der russischen Armee. Von russischer Seite gab es keine Stellungnahme.
"Astronomisches" Haushaltsloch: Selenskyj schlägt Alarm
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Haushaltsloch seines Landes als "astronomisch" bezeichnet. "Wir arbeiten an einigen Vorschlägen, um das von mir angesprochene Defizit zu beheben – das, unter uns gesagt, astronomisch ist", sagte Selenskyj Journalisten bei dem von ihm einberufenen Gipfel von Karpaten-Staaten im westukrainischen Gebiet Iwano-Frankiwsk. Es gebe bereits einige Vereinbarungen.
Selenskyj berief sich dabei auf ein Telefonat vom Donnerstag mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, nachdem Brüssel Kiew weitere 3,3 Milliarden Euro überwies. Diese sollen dem Staatschef zufolge sofort in die Produktion von Drohnen und Raketen fließen. Die genaue Höhe des Haushaltslochs nannte er nicht. Im August hatte der Präsident es noch mit umgerechnet rund 23,5 Milliarden Euro beziffert.
Am Donnerstag hatte das Bauunternehmen Autostrada mitgeteilt, aufgrund eines Zahlungsstopps der Regierung, die Arbeit an staatlich finanzierten Projekten einzustellen. Auf die Straßen- und Tiefbaufirma entfielen 2025 nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine etwa 30 Prozent des Umsatzes der zehn größten ukrainischen Baufirmen. Eine offizielle Erklärung dazu gab es nicht, wenngleich Finanzminister Serhij Martschenko zuvor "Liquiditätsprobleme" einräumte.
Nach Angaben aus dem parlamentarischen Haushaltsausschuss wurden die staatlichen Investitionen bis Jahresende eingefroren. Für das kommende Jahr erwartet die Ukraine zur Finanzierung des geplanten Etats von umgerechnet mehr als 141 Milliarden Euro fast 46 Milliarden Euro aus dem Ausland.
Drohne trifft russisches Atomkraftwerk
Der Kühlturm des russischen Kernkraftwerks Kursk ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) von einer Drohne getroffen worden. Die IAEA sei informiert worden, dass das Atomkraftwerk zur Zeit des Vorfalls am Donnerstag in Betrieb gewesen sei, hieß es. Es sei aber kein Feuer ausgebrochen, und der Betriebsstatus sei beibehalten worden.
IAEA-Chef Rafael Grossi wies erneut darauf hin, dass jegliche Angriffe auf Atomanlagen die nukleare Sicherheit gefährden könnten und deshalb inakzeptabel seien. Grossi rief zu militärischer Zurückhaltung auf, "um das Risiko eines Atomunfalls zu verhindern", hieß es auf X.
Im August 2025 hatte die russische Luftabwehr laut einem russischen Medienbericht eine ukrainische Kampfdrohne in der Nähe des AKW Kursk abgeschossen. Die russische Region grenzt an die Ukraine, gegen die Russland seit mehr als viereinhalb Jahren Krieg führt. Das Grenzgebiet ist immer wieder Ziel ukrainischer Gegenangriffe, 2024 stieß Kiews Militär in die Region vor und hielt über mehrere Monate Teile besetzt.
Merz drängt EU-Partner zu mehr Ukraine-Hilfe
Bundeskanzler Friedrich Merz appelliert an die Regierungen anderer EU-Staaten, mehr Geld für den Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland bereitzustellen. "Bei der Unterstützung der Ukraine ist ein stärkeres Engagement anderer Mitgliedstaaten sowohl angemessen als auch dringend erforderlich", schreibt der CDU-Politiker in einer gemeinsamen Erklärung mit den Regierungschefs von Dänemark, den Niederlanden, Österreich und Finnland. Gemeinsam mit Schweden leisten die fünf Länder nach eigenen Angaben derzeit rund 70 Prozent der bilateralen Ukraine-Hilfe der EU-Staaten.