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Ukraine-Krieg: Russlands Satelliten verglühen

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Sie sind entscheidend für Russlands Erfolg an der Ukraine-Front – jetzt drohen sie zu verglühen

Von: Tobias Utz

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Russlands Versuch, mit „Rassvet“ einen eigenen Starlink-Klon ins All zu bringen, gerät zum teuren Fehlschlag. Mehrere der neu gestarteten Satelliten sinken bereits wieder Richtung Erdatmosphäre.

Moskau/Kiew – Es sollte die Antwort auf ein akutes Problem sein: Seit Februar 2026 haben russische Einheiten in der Ukraine keinen Zugriff mehr auf Starlink. Auf Drängen Kiews hatte SpaceX damals alle nicht registrierten Terminals gesperrt und damit ein Kommunikationsnetz stillgelegt, das russische Truppen zuvor illegal für Frontkommunikation und Drohnensteuerung genutzt hatten. Russische Militärblogger beklagten danach erhebliche Probleme bei der Koordination an der Front.

Moskaus Antwort darauf heißt „Rassvet“ – russisch für Dämmerung. Das vom Unternehmen „Bureau 1440“ entwickelte System soll wie ein eigenes Starlink funktionieren: eine Satellitenkonstellation, die russischen Truppen Kommunikation und die Steuerung von Drohnen und Marschflugkörpern ermöglicht. Ukrainische Militärs und Regierungsberater zeichneten ein düsteres Bild vom Projekt, als die Pläne publik wurden. Es könnte die Kräfteverhältnisse an der Front zugunsten Moskaus verschieben.

Russlands Plan gerät ins Stocken

Bis Ende 2026 sollen 156 Satelliten im Orbit sein, bis 2027 insgesamt 292, langfristig sogar über 900. Zum Vergleich: SpaceX hat allein für Starlink bereits mehr als 10.000 aktive Satelliten in Betrieb – Russlands Ambitionen wirken dagegen bescheiden, wären aber schon in Teilen eine ernste Bedrohung für die Ukraine. Die erste Charge von 16 Satelliten, im März 2026 gestartet, erreichte tatsächlich ihre Betriebshöhe von rund 550 Kilometern. Laut dem Satellitenkommunikationsexperten Volodymyr Stepanets bieten sie russischen Streitkräften mittlerweile zwei stabile „Kommunikationsfenster“ pro Tag über der Ukraine, jeweils gut eine Stunde lang.

Der zweite Start im Juli 2026 verlief deutlich schlechter. Laut einer Analyse des Thinktanks „Institute for the Study of War (ISW)“, die sich auf Trackingdaten des Dienstes „N2YO“ stützt, erreichte keiner der 16 neu gestarteten Satelliten die geplante Zielhöhe von etwa 870 Kilometern. Die meisten kreisen stattdessen in gerade einmal 300 bis 400 Kilometern Höhe. Der Tagesspiegel spricht in einer Gesamtbilanz beider Startchargen sogar von 20 gescheiterten von insgesamt 32 gestarteten Satelliten.

Jetzt droht das Verglühen

Mindestens zwei der „Rassvet“-Satelliten aus der Juli-Charge sind mittlerweile unter die kritische Marke von 300 Kilometern gesunken. Laut dem russischen Weltraumforscher Anatoly Zak, zitiert von der Moscow Times, gelten diese Satelliten inzwischen als praktisch verloren – sie befinden sich auf einer Umlaufbahn, die sie bald in die Erdatmosphäre zurückführen wird, wo sie verglühen dürften. Für die russische Armee ist das mehr als ein technisches Detail. Die bestehende Konstellation liefert schon jetzt nur unregelmäßige, kurze Zeitfenster mit Konnektivität – nach dänischen Medienberichten teils nur rund 90 Minuten am Tag. Jeder verlorene Satellit verschärft dieses Problem weiter, während die Nachfrage an der Front im Ukraine-Krieg unverändert hoch bleibt.

Erschwerend kommt hinzu: Um das gesamte Netzwerk verlässlich zu betreiben, wären laut dänischen Berichten mindestens 18 Starts mit schweren Sojus-Trägerraketen nötig. Russlands Raumfahrtprogramm schafft nach eigener Kapazität derzeit aber nur sechs bis acht Starts pro Jahr.

Die Ukraine sabotiert aktiv

Die Verzögerungen sind nicht allein technischer Natur – die Ukraine greift das Programm gezielt militärisch an. Mitte August 2026 meldete der ukrainische Generalstab einen Angriff auf das Progress-Raumfahrtzentrum in Samara, das die für „Rassvet“-Starts genutzten Trägerraketen herstellt. Dabei kam es laut ukrainischen Angaben zu Bränden an der Anlage.

Wenige Tage später, am 23. August, versuchte die Ukraine zudem einen Angriff auf den Weltraumbahnhof Plesetsk, von dem aus beide bisherigen „Rassvet“-Startchargen erfolgten – zwei Tage bevor dort eine Sojus-2.1b-Rakete startete, die vermutlich einen GLONASS-Satelliten transportierte. Kiew versucht, Moskaus Weltraumprogramm nicht erst im Orbit, sondern bereits am Boden zu stoppen.

Eine Bedrohung bleibt es trotzdem

Trotz der Rückschläge warnen Fachleute davor, das Programm abzuschreiben. Das „ISW“ betont, dass schon eine teilweise funktionierende „Rassvet“-Konstellation russischen Streitkräften ermöglichen könnte, ferngesteuerte Waffensysteme präziser gegen die Ukraine einzusetzen – auch wenn die Verbindung nur in kurzen Zeitfenstern steht. Serhii Beskrestnov, ehemaliger Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, schätzt, dass Russland zwischen 200 und 250 Satelliten benötigen würde, um eine kontinuierliche, stabile Verbindung an der gesamten Front sicherzustellen. Dieses Ziel liegt nach aktuellem Tempo noch in weiter Ferne.

Parallel dazu berichtet die Welt von einer zweiten Front im Orbit: Russische Satelliten sollen in rund 550 Kilometern Höhe durch gezielte Störmanöver versuchen, westliche Aufklärungssatelliten, wie den finnischen Radarsatelliten „Iceye“, an der Weitergabe von Daten an die Ukraine zu hindern – ein Hinweis darauf, dass Russland sein Weltraumprogramm nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern zunehmend auch als Waffe im umfassenderen Sinne begreift.

Russlands Versuch, sich von seiner Starlink-Abhängigkeit zu lösen, steckt damit in einem Dilemma: Der militärische Druck von der Front verlangt nach schneller Verfügbarkeit, doch die überstürzte Umsetzung produziert genau jene technischen Fehler, die das System jetzt untergraben. Während die ersten Satelliten noch kreisen und funktionieren, drohen andere buchstäblich zu verglühen – ein Sinnbild für ein Programm, das zwischen militärischer Notwendigkeit und technischer Überforderung gefangen ist. (Quellen: Guardian, ISW, Tagesspiegel, Euronews, Politiken, Welt, Kyiv Post, Militarnyi, Moscow Times, AFP) (tu)

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