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Ukraine-Krieg: Selenskyj warnt vor "astronomischem" Haushaltsloch

Welt

Newsblog zum Krieg in der Ukraine

"Astronomisches" Haushaltsloch: Selenskyj schlägt Alarm

In der Region Kursk schlägt eine Drohne in einen Kühlturm ein. Selenskyj warnt vor einem massiven Haushaltsloch. Alle Entwicklungen im Newsblog.

Freitag, 18. September

"Astronomisches" Haushaltsloch: Selenskyj schlägt Alarm

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Haushaltsloch seines Landes als "astronomisch" bezeichnet. "Wir arbeiten an einigen Vorschlägen, um das von mir angesprochene Defizit zu beheben – das, unter uns gesagt, astronomisch ist", sagte Selenskyj Journalisten bei dem von ihm einberufenen Gipfel von Karpaten-Staaten im westukrainischen Gebiet Iwano-Frankiwsk. Es gebe bereits einige Vereinbarungen.

Selenskyj berief sich dabei auf ein Telefonat vom Donnerstag mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, nachdem Brüssel Kiew weitere 3,3 Milliarden Euro überwies. Diese sollen dem Staatschef zufolge sofort in die Produktion von Drohnen und Raketen fließen. Die genaue Höhe des Haushaltslochs nannte er nicht. Im August hatte der Präsident es noch mit umgerechnet rund 23,5 Milliarden Euro beziffert.

Am Donnerstag hatte das Bauunternehmen Autostrada mitgeteilt, aufgrund eines Zahlungsstopps der Regierung, die Arbeit an staatlich finanzierten Projekten einzustellen. Auf die Straßen- und Tiefbaufirma entfielen 2025 nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine etwa 30 Prozent des Umsatzes der zehn größten ukrainischen Baufirmen. Eine offizielle Erklärung dazu gab es nicht, wenngleich Finanzminister Serhij Martschenko zuvor "Liquiditätsprobleme" einräumte.

Nach Angaben aus dem parlamentarischen Haushaltsausschuss wurden die staatlichen Investitionen bis Jahresende eingefroren. Für das kommende Jahr erwartet die Ukraine zur Finanzierung des geplanten Etats von umgerechnet mehr als 141 Milliarden Euro fast 46 Milliarden Euro aus dem Ausland.

Drohne trifft russisches Atomkraftwerk

Der Kühlturm des russischen Kernkraftwerks Kursk ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) von einer Drohne getroffen worden. Die IAEA sei informiert worden, dass das Atomkraftwerk zur Zeit des Vorfalls am Donnerstag in Betrieb gewesen sei, hieß es. Es sei aber kein Feuer ausgebrochen, und der Betriebsstatus sei beibehalten worden.

IAEA-Chef Rafael Grossi wies erneut darauf hin, dass jegliche Angriffe auf Atomanlagen die nukleare Sicherheit gefährden könnten und deshalb inakzeptabel seien. Grossi rief zu militärischer Zurückhaltung auf, "um das Risiko eines Atomunfalls zu verhindern", hieß es auf X.

Im August 2025 hatte die russische Luftabwehr laut einem russischen Medienbericht eine ukrainische Kampfdrohne in der Nähe des AKW Kursk abgeschossen. Die russische Region grenzt an die Ukraine, gegen die Russland seit mehr als viereinhalb Jahren Krieg führt. Das Grenzgebiet ist immer wieder Ziel ukrainischer Gegenangriffe, 2024 stieß Kiews Militär in die Region vor und hielt über mehrere Monate Teile besetzt.

Merz drängt EU-Partner zu mehr Ukraine-Hilfe

Bundeskanzler Friedrich Merz appelliert an die Regierungen anderer EU-Staaten, mehr Geld für den Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland bereitzustellen. "Bei der Unterstützung der Ukraine ist ein stärkeres Engagement anderer Mitgliedstaaten sowohl angemessen als auch dringend erforderlich", schreibt der CDU-Politiker in einer gemeinsamen Erklärung mit den Regierungschefs von Dänemark, den Niederlanden, Österreich und Finnland. Gemeinsam mit Schweden leisten die fünf Länder nach eigenen Angaben derzeit rund 70 Prozent der bilateralen Ukraine-Hilfe der EU-Staaten.

Konkrete Adressaten nennen die fünf Regierungschefs in den vom Nachrichtenmagazin "Politico" veröffentlichten Text nicht. Gemessen an ihrer Wirtschaftskraft stellten etwa Länder wie Italien, Frankreich und Spanien zuletzt vergleichsweise wenig Geld für die Ukraine bereit.

Lage in Oleschki verschlechtert sich massiv – "Menschen sind verzweifelt"

Die humanitäre Lage im russisch besetzten Oleschki in der südukrainischen Region Cherson hat sich massiv verschlechtert. Rund 2.000 Menschen, darunter etwa 50 Kinder, leben nach Angaben der ukrainischen Stadtverwaltung noch dort, berichtet der "Kyiv Independent". Der Menschrechtsbeauftragte der ukrainischen Regierung, Dmytro Lubinets, erklärte: "Diese Menschen müssen aus dieser Hölle gerettet werden."

"Die Menschen sind verzweifelt und laufen einfach über verminte Straßen", sagte ein Bewohner der Zeitung. Im Frühjahr konnten Freiwillige noch Menschen mit Fahrzeugen aus Oleschki bringen. Inzwischen sei das wegen Drohnenangriffen nicht mehr möglich.

Die letzte erfolgreiche Lebensmittellieferung erreichte Oleschki nach Angaben der Stadtverwaltung am 26. Mai. Weitere Versuche seien von russischen Drohnen angegriffen worden. Im örtlichen Krankenhaus fehlten zudem Medikamente, Strom und fließendes Wasser.

Einige Bewohner versuchen deshalb, zu Fuß ins benachbarte Radensk zu gelangen. Der Weg dauere fünf bis sechs Stunden und führe über verminte Straßen. Russland habe einer von der Ukraine vorbereiteten humanitären Evakuierung bislang nicht zugestimmt. Auch umliegende Orte sind betroffen. Nach ukrainischen Angaben benötigen 358 Menschen in der Region dringend Hilfe bei der Evakuierung.

USA wollen offenbar Transfer von Patriotraketen erlauben

Die USA stehen laut Kongressunterlagen vom 15. September kurz davor, den Transfer von zehn Patriot-Abfangraketen von Deutschland an die Ukraine zu genehmigen. Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine unter einem kritischen Mangel an Patriot-Luftabwehrmunition leidet – den einzigen Waffen, die zuverlässig in der Lage sind, russische ballistische Raketen abzuschießen.

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