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Ukraine-Krieg: Warum Selenskyj von Trump frustriert ist

Welt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ließ am Donnerstag die Angriffe auf russische Ölraffinerien wieder aufnehmen. In der Nacht auf Donnerstag kam es nach einem Drohnenangriff auf dem Gelände der Raffinerie von Rjasan gut 180 Kilometer südöstlich von Moskau zu einem Brand. Das teilte der Gouverneur der Region, Pawel Malkow, mit.

Der Angriff folgte auf die entsprechende Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. „Die Sperre ist aufgehoben“, sagte Selenskyj in einem Gespräch mit der britischen Zeitung „Financial Times“. „Damit ist Schluss“, fügte er hinzu.

Heftiger Schlagabtausch mit Elon Musk

Der ukrainische Präsident äußerte sich während seines Besuchs in London verärgert darüber, dass die US-Geheimdienste trotz massiver russischer Angriffe auf die Ukraine offenbar Vorwarnungen über Angriffe mit Kiew nicht mehr geteilt hätten. Zudem sei der für die ukrainischen Streitkräfte wichtige Satelliten-Internetdienst Starlink eingeschränkt worden.

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Selenskyj sagte, er habe nach Donald Trumps unabgesprochener Verkündung eines Energiewaffenstillstands die Angriffe auf russische Energieanlagen für drei Tage ausgesetzt, um dem Wunsch Washingtons nachzukommen. Die ganze Zeit jedoch habe Moskau die ukrainische Energieinfrastruktur bombardiert und mehr als hundert Zivilisten getötet.

Obwohl Kiew die Angriffe pausiert habe, seien die üblichen Frühwarnmeldungen der US-Geheimdienste vor russischen Raketen ausgeblieben. Elon Musk, klagte Selenskyj, habe Starlink so gedrosselt, dass ukrainische Streitkräfte kaum mehr Mittelstreckenangriffe auf russische Militärstandorte hätten ausführen können.

Selenskyj sagte, amerikanische Militärvertreter hätten ihm versichert, dass die Vorwarnungen weiter geteilt würden, wenn die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien einstelle. Dem sei man nachgekommen, und dennoch seien die Vorwarnungen ausgeblieben und hinterher als technische Störung dargestellt worden. „Es war kein technisches Problem, es war der Wille“, sagte Selenskyj. Im Verlauf des Donnerstags berichteten ukrainische Medien, dass die Nutzung von Starlink nicht mehr eingeschränkt sei. Zuvor forderte Musk wie vor einigen Tagen Trump die Ablösung Selenskyjs als ukrainischer Präsident.

Vor einer neuen Waffenruhe will Selenskyj Patriots

Einmal in Fahrt, kritisierte Selenskyj in London auch ungewöhnlich offen Washingtons Bestreben, Geschäfte mit Moskau zu machen, sowie die angebliche Bewunderung des amerikanischen Präsidenten für den russischen Machthaber Wladimir Putin. Gefragt nach der Beziehung zwischen diesen beiden Staatschefs antwortete Selenskyj, Trump habe eine Affinität zu Autokraten und Superreichen. „Er spricht offen und laut darüber, dass er solche Menschen liebt und respektiert. Denn für ihn sind Menschen, die 20, 30, 40 Jahre lang an der Macht bleiben können, sehr starke Menschen.“

Der ukrainische Präsident betonte, dass die Beziehung seines Landes zu den USA als ehrlichem und strategischem Partner im Verteidigungskampf gegen Russland unverzichtbar sei. „Russland kann gegen uns alle kämpfen, aber nur wenn wir nicht zusammenhalten.“ Ihm liege sehr daran, das Verhältnis zu Washington wieder zu kitten, aber: „Wir haben keine Beziehung zerstört.“

Gefragt, ob er die Angriffe auf russische Raffinerien trotz weiterer Angriffe Russlands auf die Ukraine einstellen würde, um das Verhältnis zu Washington wieder zu verbessern, sagte Selenskyj, dem würde er nur zustimmen, wenn er im Gegenzug mehr Patriot-Abfangraketen erhielte. Das sei das „Minimum“. Mit den Raketen könnten Menschenleben gerettet werden. Doch sei seine Forderung nach mehr Flugabwehr von Washington mit der Einschränkung von Starlink beantwortet worden.

Selenskyj deutete an, dass Trump mit öffentlichen Reaktionen für seine Parteinahme für Russland rechnen müsse. „Politisch ist das nicht einfach, denn jeder wird fragen wollen, wie es sein kann, dass manche Menschen ums Überleben kämpfen, kämpfen und sterben, und man zugleich Geschäfte mit den Leuten macht, die eine solche Aggression täglich ausführen.“

Kreml: Trump hat die Waffenruhe gar nicht definiert

Womöglich liegt darin auch ein Motiv für Selenskyjs Kritik an Trump. Bereits in der vergangenen Woche hatten mehrere Republikaner Trumps „Diesel-Deal“ mit Putin scharf kritisiert. Zudem solidarisierten sich mehrere US-Senatoren, sowohl Demokraten als auch Republikaner, in einem Schreiben mit Selenskyj. Sie warfen Trump vor, mit seinem Deal die eigene Sanktionspolitik gegenüber Russland zu untergraben.

Gefragt nach Trumps Forderung, Selenskyj solle sein Amt aufgeben, sagte der ukrainische Präsident, dass eine solche Rhetorik Putin nur stärke. Wenn dieser keinen Druck verspüre, greife er an. „Die Spaltung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten oder zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten hilft ihm, seine Nation zu einen, und gibt ihm das Gefühl, erfolgreich zu sein und die Oberhand zu behalten.“

Bereits zuvor hatte Selenskyj im Gespräch mit dem britischen Youtuber Piers Morgan auf die Frage, ob er sich von Trump verraten fühle, mit „In der Tat, ja, unter uns gesagt“ geantwortet. Es sei in Ordnung, wenn Trump in der Mitte bleibe, aber sich auf Moskaus Seite zu schlagen, sei „nicht die richtige Seite der Geschichte“. Die Ukraine stehe nicht zum Verkauf, sagte er angesichts der „Deals“, die Washington mit Moskau schließe. Die Ukraine aber könne sich keine Schwäche erlauben. „Unser Land muss überleben.“

In Moskau herrschte angesichts des Zerwürfnisses zwischen Kiew und Washington Freude. „Selenskyj attackiert offen Trump und Musk“, jubelte Putins Sondergesandter Kirill Dmitriew auf der Plattform X. Weiter bezeichnete er den ukrainischen Präsidenten als „Kriegstreiber“, der den Krieg fortsetzen wolle.

Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow erwiderte auf den Vorwurf, dass Russland die Waffenruhe nicht einhalte, dass Trump diese nicht näher definiert habe, weshalb Moskau sie gar nicht habe brechen können. Trumps Entscheidungen zuungunsten Kiews waren auch Topthema im russischen Staatsfernsehen, wo die Sektkorken knallten. „Gut gemacht, Trump!“, hieß es unter anderem in einer Talkshow. „Er ist auf unserer Seite!“

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