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Ukraine meldet massive russische Luftangriffe - mehrere Tote

Welt

Mehrere Städte in der Ukraine sind zum Ziel einer außergewöhnlich heftigen Angriffswelle mit russischen Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörpern geworden. Aus der Hauptstadt Kiew wurden am Abend und in der Nacht Explosionen gemeldet. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko gab es mindestens 13 Todesopfer und 86 Verletzte, darunter offenbar mindestens zwei Kinder und ein Sanitäter. Der Leiter der Militärverwaltung der Hauptstadt, Tymur Tkatschenko, warf Russland eine gezielte Attacke auf Wohngebiete und Zivilisten vor. Mehrstöckige Gebäude - darunter ein Hotel - seien in Flammen aufgegangen, einige Wohnhäuser komplett zerstört worden, berichtete das Nachrichtenportal The Kyiv Independent. Nach Angaben des ukrainischen Militärs setzten die Angreifer knapp 500 Drohnen sowie Dutzende Raketen und Marschflugkörper ein. Die Schäden in der Hauptstadt sind laut Tkatschenko "schwerwiegend". Nach Medienberichten änderten zahlreiche Linien des öffentlichen Nahverkehrs wegen der Schäden oder Aufräumarbeiten ihre Routen. Selenskyj warnte zuvor vor Angriff Der Angriff traf alle zehn Stadtbezirke auf beiden Seiten des Dnipro. Verängstigte Bewohner Kiews suchten in U-Bahn-Stationen Zuflucht. Viele von ihnen hätten dort Zelte aufgeschlagen, um die Nacht vor Luftangriffen geschützt unter der Erde zu verbringen, hieß es in den ukrainischen Medien. Bürgermeister Klitschko hatte die Bewohner aufgefordert, in Schutzräumen zu bleiben, und sprach von einem andauernden "wütenden feindlichen Angriff" auf die Hauptstadt. Noch am Mittwochnachmittag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem "Großangriff" auf die Hauptstadt gewarnt, den der russische Präsident Wladimir Putin "seit geraumer Zeit" vorbereite. Selenskyj verkürzte deshalb seinen Aufenthalt in der irischen Hauptstadt Dublin, die er zum Beginn der sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft Irlands besucht hatte. Auch in anderen Städten der Ukraine - darunter Saporischschja und Pawlohrad im Südosten sowie Sumy und Charkiw im Nordosten des Landes - gab es Berichten zufolge Luftalarm und Explosionen. Der Gouverneur von Saporischschja, Iwan Fedorow, schrieb am Morgen von drei Verletzten infolge russischer Angriffe. EU prüft neue Sanktionen gegen Russland Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte nach der massiven Angriffswelle neue Sanktionsvorschläge an. "Heute werde ich als Reaktion auf die Angriffe vorschlagen, weitere Einrichtungen und Unternehmen zu sanktionieren, die den russischen militärisch-industriellen Komplex unterstützen", teilte sie mit. Je stärker Moskau Zivilisten angreife, desto schärfer müssten die Sanktionen ausfallen. "Verurteilungen allein werden die Angriffe auf Kiew nicht stoppen", erklärte Kallas. Russland spricht von "Reaktion auf ukrainische Attacken" Das russische Militär teilte über seine Social-Media-Kanäle mit, einen "massiven Angriff" ausgeführt und dabei Einrichtungen der Rüstungs- und Energiewirtschaft in Kiew und Umgebung sowie Militärflugplätze in anderen Landesteilen getroffen zu haben. Der Angriff sei eine Reaktion auf ukrainische Attacken gegen zivile Infrastruktur auf russischem Staatsgebiet, hieß es in der Erklärung. Zugleich seien in der Nacht über zahlreichen russischen Regionen insgesamt 327 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Im Gebiet Nischni Nowgorod griff die Ukraine nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie an. Der Gouverneur der Region, Gleb Nikitin, bestätigte die Berichte indirekt, als er bei Telegram von "unbedeutenden Schäden an einem Industrieobjekt und an mehreren Wohnhäusern" durch herabfallende Drohnentrümmer schrieb. Seinen Angaben nach ist durch den Angriff ein Mensch ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt. Einer Studie zufolge sind in dem seit mehr als vier Jahren andauernden Krieg inzwischen insgesamt mehr als zwei Millionen Soldaten getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet worden. Die kombinierten russischen und ukrainischen Verluste haben zwei Millionen überschritten", heißt es in einer Untersuchung des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) in Washington. Allein 1,4 Millionen Verluste habe es dabei auf russischer Seite gegeben. Während das Verhältnis zwischen russischen und ukrainischen Verlusten die meiste Zeit über bei 2:1 oder 3:1 gelegen habe, sei es im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 8:1 gestiegen. Hauptgrund dafür sei der verstärkte und äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen. Das CSIS stützt sich bei den Zahlen nach eigenen Angaben auf Informationen des Militärs, der Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder. Die Angaben der Denkfabrik gelten als vergleichsweise zuverlässig, sind angesichts der schwer durchschaubaren Quellenlage und gezielten Desinformation beider Kriegsparteien aber dennoch mit Vorsicht zu bewerten - zumal die Ukrainer von Waffen und Geheimdiensterkenntnissen aus den USA profitieren. Während beide Kriegsparteien täglich gegnerische Verluste vermelden, legen sie höchst selten eigene Opferzahlen offen.

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