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Ukraine-News: Experte warnt vor "Wirtschaftskrieg"

Nation

Newsblog zum Krieg in der Ukraine

Experte warnt vor "Wirtschaftskrieg"

Russland greift Kiew und weitere Orte an. Experten warnen vor einem umfassenden Wirtschaftskrieg mit Folgen für Wachstum und Industrie. Alle Entwicklungen im Newsblog.

Mittwoch, 23. September

Branchen zerstört: Ökonom warnt vor "Wirtschaftskrieg"

Russland nimmt nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten zunehmend zentrale Bereiche der ukrainischen Wirtschaft ins Visier. "Russland hat begonnen, alle für die Ukraine relevanten Branchen systematisch zu zerstören", sagte Robert Kirchner von Berlin Economics dem "SPIEGEL". Es entwickle sich ein umfassender Wirtschaftskrieg, der über Angriffe auf einzelne Häfen, Kraftwerke oder Lager hinausgehe.

Die wirtschaftliche Lage der Ukraine verschärft sich demnach. Experten rechnen nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, das laut Kirchner vor allem von der starken Militärproduktion getragen werde. Besonders betroffen ist die Stahlindustrie: Das Werk Zaporizhstal wurde seit Mitte August mehrfach angegriffen, im August lag die ukrainische Stahlproduktion mehr als 57 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Mehrere Tote und Verletzte bei russischen Angriffen in der Ukraine

Bei russischen Angriffen in verschiedenen Teilen der Ukraine sind mindestens vier Menschen getötet und mehrere verletzt worden. In der Hauptstadt Kiew kam Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge ein Mensch ums Leben. Der Mann sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, schrieb Klitschko bei Telegram. Zuvor sprach er von mindestens acht Verletzten infolge russischer Angriffe. Es gab demnach Schäden in mehreren Stadtteilen. Unter anderem habe es einen Drohneneinschlag in einer Tankstelle gegeben.

Russland attackierte einmal mehr auch Sumy im Nordosten der Ukraine. In der Stadt habe es Einschläge an vier Orten gegeben, teilte Militärgouverneur Oleh Hryhorow mit. Getroffen wurden demnach eine Wohngegend und zivile Infrastruktur. Es gebe einen Verletzten.

In Charkiw im Osten der Ukraine kam bei Angriffen am Abend nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow ein Mensch ums Leben, weitere wurden demnach verletzt. In der Stadt Isjum im Gebiet Charkiw wurden nach Behördenangaben bei Attacken acht Menschen verletzt. Infolge des Beschusses kam es in mehreren Stadtteilen demnach zu Stromausfällen.

Im südostukrainischen Gebiet Saporischschja wurde nach Angaben von Militärgouverneur Mychajlo Semikin ein Mensch in der Siedlung Kuschuhum getötet. Zwei weitere seien bei einem Einschlag in ein Einkaufszentrum in Saporischschja verletzt worden.

USA: Rubio trifft russischen Amtskollegen Lawrow

US-Außenminister Marco Rubio trifft am Mittwoch in New York seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, teilt das US-Außenministerium mit.

Selenskyj warnt vor neuem russischem Großangriff

Wolodymyr Selenskyj warnt vor einem neuen russischen Großangriff auf sein Land. "Es gibt jetzt Geheimdienstinformationen, dass Russland einen neuen massiven Angriff auf die Ukraine vorbereitet", schreibt Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Die Ukraine sei in ständigem Austausch mit ihren Verbündeten, um neue Flugabwehrsysteme zu sichern.

Selenskyj: Kiew zu Ende von Angriffen auf Energieanlagen bereit

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bereitschaft seines Landes zu einem Ende der Angriffe auf russische Energieanlagen bekräftigt – im Falle einer entsprechenden Zusage aus Moskau hinsichtlich ukrainischer Energieinfrastruktur. "Wir sind zu jeder Art von Energie-Waffenstillstand bereit", falls Moskau zustimme, "unser Energiesystem nicht anzugreifen", sagte Selenskyj am Dienstag vor Journalisten am Rande der UN-Vollversammlung in New York.

Der ukrainische Staatschef betonte zugleich, er kenne die Haltung Moskaus zu dieser Frage nicht. Er äußerte die Hoffnung, dass die USA einen Weg finden würden, die russische Seite "zu irgendeiner Form von Verhandlungen zu bewegen".

Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Vollversammlung bezeichnete Selenskyj im Onlinedienst X später als "positiv und produktiv". Er erklärte, "sowohl die USA als auch die Ukraine wollen, dass dieser sinnlose russische Krieg vor dem Winter endet". Er habe mit Trump über "Deeskalationsmaßnahmen gesprochen, die den Weg für die Diplomatie ebnen könnten", fügte Selenskyj hinzu.

EU hebt Sanktionen gegen russische Milliardäre auf

Nach langem Ringen hebt die EU wegen einer drohenden Totalblockade von Russland-Sanktionen durch einzelne Mitgliedstaaten ihre Strafmaßnahmen gegen die beiden russischen Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman auf. Das teilte ein EU-Diplomat mit.

Mit der Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Fridman beschlossen die EU-Staaten auch die Verlängerung der Sanktionen gegen rund 3.000 andere Personen, Einrichtungen und Unternehmen um 36 Monate. Bis zum 22. September 2029 dürfte damit Ruhe in die bislang jedes halbe Jahr wiederkehrende Debatte um die Verlängerung von bestehenden Sanktionen einkehren. Die Zeit drängte, denn ohne die Akzeptanz der Sanktionsentscheidungen von allen Mitgliedsländern wären diese in der Nacht zum Mittwoch ausgelaufen. Allen gelisteten Akteuren wird vorgeworfen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen oder von der Politik des Kremls zu profitieren.

Die Streichung der Strafmaßnahmen gegen Usmanow und den aus der Ukraine stammenden Fridman wurde von Kiew als "beschämend und nicht zu rechtfertigen" bezeichnet. "Moskau feiert, weil es erreicht hat, was es wollte: ein Gefühl der Straffreiheit, die Demütigung der EU und Uneinigkeit unter den Europäern", schrieb Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Der Diplomat forderte "alle" EU-Mitglieder dazu auf, nun eigene nationale Sanktionen gegen die beiden Russen zu verhängen.

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