Ukraine News: Ukraine meldet Verbesserungen bei Starlink-Verbindungen
Krieg in der UkraineUkraine meldet Verbesserungen bei Starlink-Verbindungen
24. Oktober 2026, 11:29 Uhr|
Kiew beklagt seit Tagen, dass die Drosselung des US-Systems Starlink die Verteidigungsfähigkeit des Landes beeinträchtigt.Nun gibt es offenbar gute Nachrichten.
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Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
09:29 Uhr
Russland und Ukraine melden gegenseitige Angriffe
09:29 Uhr
Ukraine meldet Verbesserungen bei Starlink-Verbindungen
17:26 Uhr
Ukraine und Russland stimmen Feuerpause für Oleschky zu – Weißes Haus: Melania Trump hat vermittelt
17:20 Uhr
Kiew: Starlink bleibt trotz Trumps Ankündigung gedrosselt
13:44 Uhr
270 gegen 270: Moskau und Kiew tauschen Gefangene aus
Ukraine meldet Verbesserungen bei Starlink-Verbindungen
In der Ukraine funktioniert nach tagelangen Klagen der Führung in Kiew das für die Flugabwehr wichtige US-Satelliteninternet Starlink laut Verteidigungsministerium wieder. Die Überwachungssysteme verzeichnen eine Wiederherstellung der Starlink/Starshield-Geschwindigkeit, teilte Verteidigungsminister Jewhenij Chmara mit. „Wir messen eine Geschwindigkeit von über 400 km/h, die Verbindung ist stabil“, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge.
Starshield ist ein besonders Produkt des US-Unternehmens Space-X, das auf der Starlink-Technologie basiert, aber für staatliche und militärische Anwendungen ausgelegt ist. SpaceX-Gründer Elon Musk hatte erklärt, dass die US-Regierung über den Einsatz von Starshield entscheide und Starlink selbst nicht für militärische Offensiven, sondern nur für die Verteidigung genutzt werden dürfe. Seit Tagen gibt es Unklarheit darüber, wer genau für die Drosselung des Systems verantwortlich war. Berichten zufolge soll Musk die Drosselung forciert haben, wohl um Druck auf die Ukraine in US-Friedensverhandlungen mit Russland auszuüben.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij hatte erst am Vorabend wieder beklagt, dass das System noch immer nicht vollkommen funktioniere. Sein Verteidigungsminister sagte zur Wiederinbetriebnahme, die Funktion von Starlink sei für die Front, für das Militär, den Einsatz von Drohnen, die Logistik und die Kommunikation von Bedeutung. „Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie der direkte Dialog und die entschlossene Haltung des ukrainischen Präsidenten auf höchster Ebene Ergebnisse bringen“, sagte Chmara.
Russland und Ukraine melden gegenseitige Angriffe
Auch diesen Samstagmorgen haben die Ukraine und Russland jeweils Angriffe gemeldet. So haben die russischen Streitkräfte nach eigenen Angaben ihre Angriffe auf die ukrainische Hafeninfrastruktur in der Nacht fortgesetzt. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, Drohnen hätten den Schwarzmeerhafen Tschornomorsk und ein Frachtschiff mit Ziel Odessa angegriffen.
Die ukrainischen Streitkräfte wiederum haben in der Nacht eine petrochemische Anlage in der russischen Stadt Toljatti in der Oblast Samara etwa 800 Kilometer östlich von Moskau angegriffen. Der Angriff habe eine Explosion und ein Feuer ausgelöst, teilt der ukrainische Generalstab auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Auch der Bürgermeister von Toljatti gab über Telegram bekannt, dass seine Stadt mit Drohnen angegriffen wurde.
Ukraine und Russland stimmen Feuerpause für Oleschky zu – Weißes Haus: Melania Trump hat vermittelt
Die Ukraine und Russland haben einer lokalen Feuerpause für die von russischen Truppen besetzte Stadt Oleschky zugestimmt. Beide Seiten teilten mit, die Waffenruhe solle am Dienstag (27. Oktober) ab 2 Uhr MEZ gelten. Wie lange sie dauern soll, wurde bisher nicht mitgeteilt. Nach Angaben des Weißen Hauses hat die First Lady der USA, Melania Trump, das Abkommen zwischen den beiden Ländern vermittelt. Es sei vereinbart worden, sämtliche Kampfhandlungen in Oleschky vorübergehend einzustellen. Dies solle es ermöglichen, humanitäre Hilfsgüter zu verteilen und Zivilisten über einen dafür vorgesehenen sicheren Korridor in Sicherheit zu bringen.
Der ukrainische Verhandlungsführer Dawyd Arachamija erklärte, die Vereinbarung sei das Ergebnis eines langen Prozesses, an dem neben Melania Trump auch Papst Leo beteiligt gewesen sei. Der Kreml bestätigte die Vereinbarung und teilte mit, das russische und ukrainische Militär arbeiteten daran, die Termine für die Umsetzung festzulegen. Das russische Präsidialamt hatte bereits Anfang der Woche erklärt, dass an einer Verbesserung der Lage gearbeitet werde. Sprecher Dmitrij Peskow sagte, alle Zivilisten, die Oleschky verlassen wollten, dürften dies tun. Die Evakuierung werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.
„Die Lage in Oleschky ist katastrophal“, erklärte Melania Trump in einer Mitteilung. Die Stadt an der Front stehe vor dem Kollaps. Die verbliebene Bevölkerung bestehe vor allem aus älteren Menschen, die dringend medizinische Hilfe, Medikamente, Lebensmittel und sauberes Trinkwasser benötigten. Die Feuerpause soll es unbewaffneten Teams beider Länder ermöglichen, die Bewohner in ihren Häusern aufzusuchen und den Transport für diejenigen zu koordinieren, die die Stadt verlassen wollten.
Der Kiewer Generalstab kündigte in sozialen Medien an, die ukrainischen Streitkräfte würden alles tun, um den Einwohnern Oleschkys zu helfen und die Sicherheit und Rettung ihrer Mitbürger zu gewährleisten. Die Evakuierung soll von einer US-Medienorganisation dokumentiert werden. Der konservative US-Sender Newsmax berichtete, er habe für seine Kameras exklusiven Zugang erhalten, um den Einsatz zu begleiten.
Oleschky liegt gegenüber von Cherson auf der anderen Seite des Flusses Dnjepr und ist seit Februar 2022 von russischen Truppen besetzt. US-Angaben zufolge leben dort noch etwa 1700 bis 2000 Menschen, darunter rund 50 Kinder. Vor dem Krieg hatte die Stadt rund 24 000 Einwohner. Zudem waren etwa 90 Prozent des Stadtgebiets nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms überschwemmt worden.
Kiew: Starlink bleibt trotz Trumps Ankündigung gedrosselt
Entgegen der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump läuft das Starlink-Satelliteninternet in der Ukraine nach Kiewer Angaben weiter gedrosselt. Es gebe noch immer Geschwindigkeitsbeschränkungen, sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij in einer Videokonferenz mit dem Thinktank Hudson Institute. Er sprach dabei von Starlink und Starshield. Letzteres ist ein gesondertes Produkt von Space-X, das auf der Starlink-Technologie basiert, aber für staatliche und militärische Anwendungen ausgelegt ist. Außerdem beklagte Selenskij, dass die Lieferung von Abfangraketen gegen russische ballistische Raketen weiterhin verspätet sei. „Das ist ein echtes Problem, weil die Russen uns fast jeden einzelnen Tag angreifen“, sagte er.
Präsidentenberater Serhij Beskrestnow hatte sich bereits zuvor zum Satelliteninternet geäußert. Es gebe vereinzelte Fälle, dass Starlink schneller funktioniere, aber dies liege eher am Space-X-Algorithmus. „Derzeit können wir keine Aufhebung der Beschränkungen bei Starlink feststellen“, schrieb er auf Facebook.
Trump hatte am Donnerstag in Washington gesagt, der Space-X-Gründer Elon Musk habe die Drosselung aufgehoben. Am Freitag erklärte er dann vor Journalisten, dass er nicht mit Musk gesprochen habe. „Ich habe gehört, das Problem sei behoben, aber falls nicht, werde ich mit ihm sprechen“, sagte er.
Das ukrainische Militär leidet seit vergangener Woche darunter, dass Flugobjekte bei einer Geschwindigkeit von mehr als 160 Kilometern pro Stunde ihre Verbindung zu den Starlink-Satelliten verlieren. Das trifft Drohnenflüge zur Abwehr schneller russischer Jetdrohnen wie eigene ukrainische Angriffe.
Von Musk und der US-Regierung gab es widersprüchliche Angaben, warum das Satelliteninternet Starlink langsamer läuft. Politisch setzen die USA die Ukraine derzeit unter Druck, um sie kompromissbereiter gegenüber dem Angreifer Russland zu machen.
Selenskij: Friedensgespräche in Abu Dhabi für November geplant
Die Friedensunterhändler der Ukraine, Russlands und der USA wollen sich nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij in der ersten Novemberhälfte zu technischen Gesprächen in Abu Dhabi treffen. Er hoffe, dass darauf ein Treffen der Staats- und Regierungschefs folge, sagte Selenskij bei einer Videoschalte mit der US-Denkfabrik Hudson Institute. Ein Friedensabkommen erfordert Selenskij zufolge Sicherheitsgarantien für sein Land sowie eine Finanzierung der ukrainischen Armee für zehn Jahre. Zudem beklagte er, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen für die Satelliten-Kommunikationssysteme Starlink und Starshield entgegen den Zusicherungen von US-Präsident Donald Trump weiterhin bestünden.
Moskauer Flughafen Scheremetjewo wegen Drohnenalarms evakuiert
Russlands größter Flughafen Scheremetjewo hat Passagiere wegen Drohnenalarms in Sicherheit gebracht. Während der Evakuierung war der Zugang zum Sicherheitsbereich aller Terminals nach Angaben des Flughafens eingeschränkt. Mitarbeiter unterstützten demnach Menschen dabei, sich an sichere Schutzorte zu begeben. Dafür holten sie auch Passagiere aus Flugzeugen. Inzwischen sei der Drohnenalarm wieder aufgehoben, die Passagiere würden die Schutzräume verlassen.
Auch die Luftfahrtbehörde Rosawiazija teilte am Nachmittag mit, dass der Betrieb an allen vier Hauptstadt-Flughäfen vorübergehend eingeschränkt sei. Wegen ukrainischer Drohnenangriffe kommt es schon seit Langem immer wieder zu Einschränkungen an den russischen Airports. Seit Wochen häufen sich die Probleme allerdings sehr. Flugzeuge kehren auf dem Weg nach Moskau um oder landen an anderen Flughäfen in Russland, Passagiere sitzen zeitweise fest.
270 gegen 270: Moskau und Kiew tauschen Gefangene aus
Die Ukraine und Russland haben jeweils 270 Kriegsgefangene ausgetauscht. „270 unserer Leute sind zu Hause“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij auf der Plattform X. Zu den Freigelassenen zählten seinen Angaben nach Soldaten der Streitkräfte, der Nationalgarde und anderer Einheiten und neun Zivilisten.
Viele seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen, darunter Verteidiger der südlichen Hafenstadt Mariupol. Fünf Heimkehrer seien nach einer schweren Explosion im russischen Gefängnis von Oleniwka im Gebiet Donezk 2022 für tot gehalten worden.
Der Austausch fand wie zuletzt üblich an einem Grenzübergang zwischen Belarus und der Ukraine statt. 270 russische Soldaten seien in Empfang genommen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Sie sollten in Russland medizinisch und psychologisch betreut werden. Der Austausch von Gefangenen und die Rückgabe toter Soldaten ist einer der wenigen funktionierenden Gesprächsfäden zwischen den Kriegsparteien.
Erneut Handelsschiff vor Rumänien von Drohne getroffen
Vor der rumänischen Schwarzmeerküste unweit der Grenze zur Ukraine ist nach Angaben von Rumäniens Präsident Nicusor Dan erneut ein Handelsschiff von einer Drohne getroffen worden. Zu dem Vorfall kam es 13 Seemeilen von Constanta entfernt im Schwarzen Meer, also knapp außerhalb der rumänischen Hoheitsgewässer. Die Besatzung des Schiffs – zehn Ukrainer und drei Aserbaidschaner – das unter der Flagge der Komoren unterwegs war, habe noch einen Notruf absetzen können.
Ein Seemann sei ums Leben gekommen, neun seien gerettet worden, berichteten mehrere rumänische Medien unter Berufung auf die für die Rettungsaktionen zuständige Schifffahrtsbehörde in der Hafenstadt Constanta. Nach drei weiteren vermissten Seeleuten werde gesucht. Das Schiff sei gekentert und drohe zu sinken, berichtete das Innenministerium in Bukarest. Es ist bereits das vierte Handelsschiff allein im Oktober, das vermutlich durch Drohnen-Treffer vor der rumänischen Küste verunglückt ist.
Rumäniens Staatspräsident Nicușor Dan bezeichnete den Vorfall als weiteren „Eskalationsversuch Russlands“ im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine. In diesem Kontext „ist ein Schiff von einer Drohne getroffen worden“, sagte Dan im rumänischen Fernsehsender Digi24. Ob eine russische Drohne das Schiff traf, sagte Dan nicht.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den Vorfall als „weitere Eskalation seitens Russlands im Schwarzen Meer“, wie sie auf der Plattform X schrieb. „Diese rücksichtslosen Angriffe richten sich gegen unschuldige Menschen und stellen einen offenen Verstoß gegen das Völkerrecht dar.“
Trump verkündet Wiederherstellung des Starlink-Zugangs für die Ukraine
Der Space-X-Gründer Elon Musk hat die Drosselung des Satelliteninternets für die Ukraine nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump wieder aufgehoben. Einen Medienbericht, wonach Musk dies auf Anweisung Trumps getan habe, wollte der Präsident hingegen nicht kommentieren. „Ob ich angerufen habe oder ob jemand anderes angerufen hat, spielt keine Rolle“, sagte er in Washington. Wichtig sei, dass Musk die Drosselung des Satelliteninternet-Dienstes Starlink rückgängig gemacht habe. Dieser gehört zu Musks Weltraumfirma Space-X.
Das Wall Street Journal hatte zuvor unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtet, Trump habe Musk am Mittwoch aufgefordert, die Verlangsamung des für die ukrainischen Streitkräfte elementar wichtigen Satelliteninternets rückgängig zu machen. Allerdings gab es auch einen Tag später noch Berichte aus der Ukraine über eine eingeschränkte Funktionsweise. Eine offizielle Bestätigung aus Kiew, dass die Drosselung aufgehoben wurde, ist bisher nicht bekannt.
Die Ukraine ist für ihre Kommunikation auf dem Schlachtfeld und den Einsatz von Drohnen auf Starlink angewiesen. Eine Drosselung des Dienstes hatte nach ukrainischen Angaben zuletzt die militärischen Aktivitäten im Kampf gegen Russland eingeschränkt.
Vor Trumps jüngsten Äußerungen hatten das Weiße Haus und Musk alle Vorwürfe einer gezielten Drosselung zurückgewiesen – obwohl seit gut einer Woche aus der Ukraine über Probleme mit Starlink berichtet wird. Wer für die Drosselung verantwortlich ist, ist unklar. Das Wall Street Journal hatte berichtet, Musk habe den Schritt angewiesen und sich zuvor mit Trump besprochen. Trump hatte gesagt, weder er noch Musk seien verantwortlich. Musk hatte hingegen betont, die Entscheidung obliege letztlich dem Präsidenten, also Trump.
Selenskij beklagt anhaltende Starlink-Probleme
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij beklagt, dass die Geschwindigkeit des Satelliten-Internets von Starlink für die Ukraine nicht wiederhergestellt worden sei. Er hoffe auf Gespräche mit dem US-Außenminister in den kommenden Tagen, sagt Selenskij in Kiew. Zudem erklärt er sich zu Friedensgesprächen unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump und anderen Partnern bereit. Es gehe darum, Russland zu zwingen, den Krieg zu beenden. Er hoffe auf ein Treffen während des G-20-Gipfels in den USA.
Tote und Verletzte nach russischen Angriffen
Bei einem russischen Angriff sind drei Menschen im Südosten der Ukraine ums Leben gekommen. Der Angriff habe ein Privathaus in Saporischschja getroffen, teilte die Militärverwaltung mit. Ein Mann und zwei Frauen kamen demnach ums Leben. Zur Art der Attacke machten die Behörden zunächst keine Angaben.
Ebenfalls infolge eines Einschlags in ein Wohnhaus wurden in dem westlich von Kiew gelegenen Gebiet Schytomyr neun Menschen verletzt, wie der Chef der Militärverwaltung der Region, Witalij Bunetschko, bei Telegram schrieb. Darunter seien zwei Minderjährige. Zwei Verletzte seien ins Krankenhaus gebracht worden. Russland setzte demnach eine Drohne ein.
Belarus: Russland und Ukraine tauschen erneut Gefallene aus
Russland und die Ukraine tauschen die Leichen von im Krieg getöteten Soldaten aus. Moskau übergibt dabei 252 Gefallene und erhält im Gegenzug 25 Leichen zurück, wie die amtliche belarussische Nachrichtenagentur Belta meldet.
Trotz US-Vermittlung: Ukraine und Russland greifen sich gegenseitig weiter an
Ungeachtet neuer US-Vermittlungsbemühungen haben Russland und die Ukraine gegenseitig die jeweiligen Hauptstädte mit schweren Luftangriffen überzogen. In Kiew schlugen am Donnerstagmorgen Raketen ein, wie ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Dabei wurden nach Angaben der ukrainischen Behörden 15 Menschen verletzt. Laut Wolodimir Selenskij wurde Kiew mit 21 ballistischen Raketen angegriffen. Mindestens zwei Menschen seien dabei getötet sowie Infrastruktur und Gebäude beschädigt worden, erklärte Selenskij „Fast unmittelbar nach einer weiteren Gesprächsrunde hat Russland einen gezielten Angriff gestartet“, schrieb Selenskij auf dem Kurznachrichtendienst Telegram weiter. Die U-Bahn-Infrastruktur auf einer Brücke über den Dnipro wurde nach Angaben der ukrainischen Behörden beschädigt.
Die Ukraine griff ihrerseits in der Nacht Moskau mit Hunderten Drohnen an. Laut Russland wurden die meisten Flugkörper jedoch schon weit von der Hauptstadt entfernt abgeschossen. In der Nähe von Moskau wurden den Behörden zufolge aber zwei Menschen verletzt.
Auch in anderen Teilen der Ukraine gab es russische Angriffe: In der nordöstlichen Region Charkiw wurden nach Angaben des dortigen Gouverneurs Oleh Synjehubow eine Frau getötet und vier weitere Menschen verletzt. In der Region Poltawa traf eine Drohne die Energieinfrastruktur in der Gegend von Krementschuk. Die am Dnipro gelegene Stadt ist ein wichtiges Industriezentrum und Standort einer der größten Ölraffinerien der Ukraine. Bei schweren Angriffen in der Region Odessa seien unter anderem Schiffe getroffen worden, die von der ukrainischen Armee genutzt würden, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilt.
Bei der jüngsten Attacke flogen 630 Drohnen in Richtung Moskau, wie Bürgermeister Sergej Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilte. Doch auch in anderen Landesteilen griff die Ukraine an: In der Stadt Lipezk, rund 400 Kilometer südlich von Moskau, wurde dabei den russischen Behörden zufolge ein Mann verletzt. Drohnen hätten Wohnhäuser und eine medizinische Einrichtung getroffen, erklärte Regionalgouverneur Igor Artamonow.
Nato erlaubt Ukraine Waffenkäufe über eigene Beschaffungsagentur
Die Nato will der Ukraine einem Zeitungsbericht zufolge den Kauf von Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung über ihre zentrale Beschaffungsagentur ermöglichen. Dadurch könnte die Regierung in Kiew Rüstungsgüter möglicherweise schneller und kostengünstiger erhalten, berichtet die Financial Times. Die Vereinbarung biete der Ukraine einen strukturierteren Rahmen, um das breite Angebot der Agentur zu nutzen, sagt Jacqueline Borsboom, eine Direktorin der Nato-Beschaffungsagentur NSPA, dem Blatt. Dazu gehörten Fachwissen und Unterstützung bei der Beschaffung sowie der Zugang zu einer etablierten Industriebasis.
Verletzte bei russischem Raketenangriff auf Kiew
Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist von Russland am späten Abend nach Militärangaben mit ballistischen Raketen beschossen worden. Die höchste Alarmstufe wurde um 22.06 Uhr Ortszeit (21.06 Uhr MESZ) ausgelöst. Nur zwei Minuten später meldete die ukrainische Luftwaffe den Anflug mehrerer Raketen. Medien berichteten von lauten Explosionen über der Stadt. Eine zweite Angriffswelle folgte etwa anderthalb Stunden später, ohne dass neue Einschläge gemeldet wurden. Dies könnte auf eine erfolgreiche Abwehr hindeuten. Der Raketen- und Drohnenalarm hatte gegen Mitternacht Ortszeit (23 Uhr MESZ) fast die gesamte Ukraine erfasst.
Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, dass Wohnhäuser und eine Tankstelle auf dem östlichen Ufer des Dnipro von herabfallenden Trümmern beschädigt worden seien. Es gebe mindestens fünf Verletzte. Nicht auszuschließen sei, dass noch Menschen aus den beschädigten Gebäuden gerettet werden müssten.