Ukraine: Proteste gegen Rücktritt von Mychailo Fedorow
Wolodymyr Selenskyj baut seine Regierung inmitten des Kriegs um, auch Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow muss gehen und hat seinen Rücktritt erklärt. In mehreren ukrainischen Städten gingen nun zahlreiche Menschen – vor allem junge Leute – aus Protest dagegen auf die Straße. Allein in der Hauptstadt Kyjiw versammelten sich Hunderte Demonstranten auf einem zentralen Platz, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Demonstranten skandierten demnach Rufe wie »Schande« und »Bring Fedorow zurück«. Viele der Protestteilnehmer in der ukrainischen Hauptstadt schwenkten Flaggen der EU und der Ukraine, hieß es weiter. Auch in anderen Orten des Landes gingen örtlichen Medien zufolge die Menschen auf die Straße. Fedorow gilt als Reformer und Korruptionsgegner Fedorow hatte am Vortag seinen Rücktritt erklärt. »Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen«, schrieb der Minister am Mittwochabend im Onlinedienst Telegram. Ukrainischen Medienberichten zufolge könnte Fedorow durch den derzeitigen Innenminister Ihor Klymenko ersetzt werden. Fedorow hatte die Leitung des Ministeriums mit dem Auftrag übernommen, der ukrainischen Kriegsmaschinerie nach vier Jahren Krieg frischen Wind zu verleihen. Er war ein früher Befürworter des zunehmenden Einsatzes von Drohnen gewesen, die mittlerweile unverzichtbar an der Front sind. Am Vortag war bekannt geworden, dass Selenskyj ihn aufgrund eines Konflikts mit Armeechef Oleksandr Syrskyj nicht wieder als Verteidigungsminister vorschlagen wird. Parlament bestätigt den neuen Ministerpräsidenten Korezkyj Selenskyj hatte die Regierungsumbildung mit »neuen Herausforderungen und neuen Aufgaben« begründet. Neben Fedorow soll auch Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko ausgetauscht werden. Neuer Ministerpräsident soll der Chef des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, werden. Das Parlament bestätigte die Personalie am Donnerstag mit einer deutlichen Mehrheit. Eine der wichtigsten Aufgaben des 48-Jährigen besteht in der Vorbereitung des Landes auf den nächsten Kriegswinter. Nach Denys Schmyhal und Julija Swyrydenko ist Korezkyj der dritte Regierungschef innerhalb der Kriegszeit. Umbildungen des Kabinetts bedürfen der Zustimmung des Parlaments – wobei sich die Abgeordneten seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 weitgehend hinter den Präsidenten gestellt haben. Lesen Sie hier mehr zum Krieg in der Ukraine: Russische Truppen kämpfen sich in der Ostukraine vor, die Stadt Kostjantyniwka steht kurz vor dem Fall. Doch ihr strategischer Wert ist umstritten – und der Kreml müsste für ihre Einnahme empfindliche Opfer bringen.