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Ukraine setzt im Drohnen-Krieg auf Echtzeit-Satelliten-Daten

Welt

"Revolution der Militärtechnologie" 15 Minuten aus dem All: Ukraine jagt Russlands Ziele fast live Von t-online, ast Aktualisiert am 18.08.2026 - 14:53 UhrLesedauer: 3 Min. Schnelle Daten aus dem All verändern den Alltag ukrainischer Drohnenteams. Eine neue Technologie macht es möglich, deutlich schneller anzugreifen. Die Ukraine hat den Einsatz kommerzieller Satellitenbilder direkt an der Front deutlich ausgeweitet. Hochauflösende Aufnahmen gelangen inzwischen teils innerhalb von 15 Minuten auf die technischen Geräte von Soldaten, wie die "New York Times" berichtet. Noch vor einem Jahr konnte es Tage dauern, bis vergleichbare Bilder Frontverbände erreichten. Das ändert vorrangig den Einsatz von Drohnen gegen Ziele, die ihren Standort schnell wechseln können. Ukrainische Einheiten können mit aktuellen Satellitenbildern etwa Truppenunterkünfte, Munitionslager, Logistikzentren oder Flugabwehrsysteme erkennen. Zudem können sie Flugrouten planen und nach einem Angriff überprüfen, ob ein Ziel getroffen wurde. Regimentskommandeur Mykola Kolesnyk nannte die neuen Aufklärungsmöglichkeiten laut "New York Times" "eine unglaublich hilfreiche Unterstützung". "Man geht nicht nur mit einem Schild in die Arena": Generalmajor warnt vor Russlands Nuklear-Satelliten Aus dem Weltall zu sehen: Satellit zeigt Ausmaß des Waldbrands im Hohen Venn Wie stark sich dadurch die Abläufe beschleunigen können, hatte bereits das "Wall Street Journal" im Juni berichtet. Demnach verkürzte die Technik bei Testeinsätzen die Zeit zwischen dem Auffinden eines russischen Ziels und dem Angriff um bis zu 90 Prozent. Ukraine: Satellitenbilder direkt an der Front Bislang waren Satellitendaten in der Ukraine vor allem höheren Führungsebenen vorbehalten. Bilder mussten mehrere Stellen durchlaufen, bevor sie bei den Einheiten ankamen. Bei beweglichen Zielen konnte die Information zu diesem Zeitpunkt bereits veraltet sein. Nun wird ein Teil dieses Weges übersprungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das US-Unternehmen Vantor, das nach Angaben der "New York Times" inzwischen zehn Satelliten betreibt. Sie können täglich bis zu sieben Millionen Quadratkilometer erfassen und denselben Ort bis zu 15-mal am Tag aufnehmen. Das niederländische Unternehmen Bravo1Alpha hat zudem ein System entwickelt, mit dem Soldaten die Daten auf einem Gerät abrufen können, das an eine tragbare Spielekonsole erinnert. Sie können darin nach Zielen suchen, Flugrouten festlegen und teilweise auch Waffen von Drohnen steuern. Vantor-Manager Will Cocos beschrieb in der "New York Times", wie weit der Zugriff inzwischen reicht. "Im Grunde übergeben wir ihnen den Satelliten", sagte Cocos. "Sie sagen ihm, was er fotografieren soll." Spuren im Gelände verraten Ziele Die Bilder sind vorwiegend dort hilfreich, wo klassische Aufklärungsdrohnen an Grenzen stoßen. Diese haben ein höheres Risiko, abgeschossen oder elektronisch gestört zu werden. Zudem erfassen diese jeweils nur ein begrenztes Gebiet. Satelliten ermöglichen dagegen den Vergleich über längere Zeiträume. Soldaten können etwa neue Fahrspuren oder gefällte Bäume erkennen, die darauf hindeuten, wo Russland militärisches Gerät versteckt. Bei einem Einsatz entdeckte eine ukrainische Einheit auf diese Weise Veränderungen an Gebäuden, die vor dem russischen Angriffskrieg noch als Getreidelager genutzt worden waren. Frische Reifenspuren deuteten nach Angaben des "Wall Street Journal" darauf hin, dass dort Munition angeliefert wurde. Anschließend griff die ukrainische Brigade 422 das Gelände mit Drohnen an. Auch im Süden der Ukraine kam die Technik bereits zum Einsatz. Im Juni nutzten Soldaten des 422. Regiments für unbemannte Systeme Satellitenbilder, um mehrere russische Anlagen in der besetzten Region Saporischschja anzugreifen, mit denen Starlink-Signale gestört wurden. Das Regiment war nach Angaben der "New York Times" außerdem an Angriffen auf russische Flugabwehrsysteme auf der besetzten Halbinsel Krim beteiligt. Im Video | Drohnenhagel erschüttert Moskau Player wird geladen Truppen in der Ukraine verstecken ihre Technik Der technische Wettlauf verändert zugleich das Erscheinungsbild der Front. Große Ansammlungen von Fahrzeugen oder Soldaten sind wegen der ständigen Gefahr durch Drohnen seltener geworden. Militärisches Gerät wird stattdessen zunehmend versteckt. Kommandeur Kolesnyk sagte der "New York Times": "In unserem Regiment haben wir seit sechs Monaten keinen Panzer mehr gesehen. Die, die sie haben, sind in Unterständen verborgen." Der Militärexperte Robert Tollast vom Londoner Royal United Services Institute bezeichnete diese Entwicklung in der "New York Times" als weitreichend. "Insgesamt fühlt sich das wie eine Revolution der Militärtechnologie an", sagte er. Ganz ohne Kontrollinstanzen funktioniert das System dennoch nicht. Ukrainische Soldaten benötigen dem Bericht zufolge weiterhin die Zustimmung höherrangiger Kommandeure, bevor sie Ziele angreifen dürfen. Damit will das ukrainische Militär verhindern, dass unerfahrene Einheiten aufgrund falscher oder missverstandener Informationen handeln. Auch technisch bleiben Grenzen bestehen. Dichte Wolken können Satellitenaufnahmen behindern – und anders als eine Drohne kann ein Satellit ein bewegliches Ziel nicht dauerhaft verfolgen. Der entscheidende Unterschied liegt deshalb vor allem in der Geschwindigkeit der Informationen, die innerhalb weniger Minuten ukrainische Soldaten erreichen.

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