Ukraine verstärkt Drohnenangriffe auf Öltanker
Startseite Politik Zehn Tanker an einem Tag: Ukraine weitet Drohnenangriffe auf Russlands Energieversorgung massiv aus Von: Jekaterina Jalunina Uns auf Google folgen Der Ukraine-Krieg wird auch abseits der Front geführt. Beide Seiten nehmen zunehmend strategisch wichtige Ziele ins Visier. Kiew/Moskau – Auch nach mehr als vier Jahren Krieg ist eine politische Lösung zwischen Russland und der Ukraine weiterhin nicht absehbar. Trotz internationaler Vermittlungsversuche und diplomatischer Bemühungen zeichnet sich bislang kein Durchbruch ab. Stattdessen setzen beide Seiten weiterhin auf militärischen Druck und führen ihre Angriffe fort. Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energie- und Transportziele in den vergangenen Tagen deutlich ausgeweitet. Neben Raffinerien und Ölanlagen geraten zunehmend auch Tanker und andere Teile der russischen Logistikkette ins Visier. Ziel der Operationen ist es nach Einschätzung ukrainischer Vertreter, die Versorgung der russischen Streitkräfte zu erschweren und eine der wichtigsten Einnahmequellen Moskaus – den Energiesektor – zu treffen. Russland bestätigt Drohnentreffer auf Tanker im Kanal zwischen Asowschem und Schwarzem Meer Nach Angaben des Kommandeurs der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, wurden innerhalb einer Woche zahlreiche Schiffe angegriffen. Allein am Sonntag seien zehn russische Tanker sowie vier Fähren im Asowschen Meer getroffen worden, teilte er über den Nachrichtendienst Telegram mit. Insgesamt hätten ukrainische Einheiten in diesem Zeitraum rund 90 Schiffe attackiert. Ein Angriff auf einen russischen Tanker wurde auch von russischer Seite bestätigt. Der Gouverneur der Region Rostow, Juri Sljusar, erklärte auf Telegram, dass eine Drohne beim Einlaufen des Schiffes in den Kanal zwischen dem Asowschen Meer und dem Schwarzen Meer einen Brand ausgelöst habe. Das Feuer sei inzwischen unter Kontrolle gebracht worden. Eine Gefahr für eine größere Umweltkatastrophe bestehe nach seinen Angaben nicht. Moskau äußerte sich darüber hinaus nicht zu den ukrainischen Angaben über weitere getroffene Schiffe. Die Wasserstraße zwischen den beiden Meeren spielt für Russland eine wichtige Rolle, da sie eine bedeutende Verbindung für den Schiffsverkehr und den Export von Waren darstellt. Medienberichten zufolge führten die jüngsten Angriffe zeitweise zu Einschränkungen des Verkehrs auf dieser Route. Drohnenangriffe auf russische Infrastruktur: Kiew erhöht Druck auf Moskaus Versorgungssystem Die Attacken auf die Schifffahrt sind Teil einer breiteren ukrainischen Kampagne gegen die russische Energieinfrastruktur. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wurden zuletzt auch die Ölraffinerie Syzran in der russischen Oblast Samara sowie ein Zug mit Treibstoff und Schmierstoffen nahe der besetzten Stadt Tokmak in der Oblast Saporischschja angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor angekündigt, eine neue Militäreinheit aufzubauen, die für Operationen weit hinter der Frontlinie eingesetzt werden soll. Diese Einheit solle dazu beitragen, die militärischen Fähigkeiten Russlands gezielt zu schwächen. Ukraine weitet Drohnenangriffe auf russische Energiezentren aus – wichtige Raffinerien beschädigt Die verstärkten Drohnenangriffe treffen Russland in einem für die Kriegsführung zentralen Bereich. Seit Monaten attackiert die Ukraine Raffinerien, Öldepots und Exportanlagen, um die Verarbeitung und den Transport von Energieprodukten zu beeinträchtigen. Inzwischen wurden zahlreiche wichtige Anlagen beschädigt. In der vergangenen Woche trafen ukrainische Drohnen nach eigenen Angaben erstmals eine Raffinerie in Omsk im sibirischen Russland, die zu den großen Verarbeitungsstandorten des Landes zählt. Auch eine Raffinerie des Energiekonzerns Gazprom in der Region Moskau wurde bei einem früheren Angriff schwer beschädigt. Die Reparaturarbeiten könnten nach Einschätzung von Experten mehrere Monate dauern. Selenskyj bezeichnete die Angriffe auf russische Energieanlagen zuletzt als eine gerechtfertigte Reaktion auf die fortgesetzten russischen Angriffe gegen die Ukraine. Die Führung in Moskau steht derweil vor der Herausforderung, die weitläufige Infrastruktur des Landes gegen die zunehmende Zahl ukrainischer Drohnenangriffe zu schützen. Treibstoffmangel in Russland: Regierung verhängt Exportbeschränkungen für Diesel Die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe zeigen sich zunehmend auch bei der Treibstoffversorgung in Russland. Wegen wachsender Engpässe verhängte die russische Regierung ein zeitlich begrenztes Exportverbot für Diesel. Nach Angaben des stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexander Nowak soll die Maßnahme dazu beitragen, „die Versorgung des Binnenmarktes zu verbessern“. Nowak erklärte zudem, die Beschränkungen dienten der „Stabilisierung“ des Marktes. Ausgenommen seien „Dieselkraftstoff, der im Rahmen internationaler zwischenstaatlicher Abkommen aus Russland exportiert wird“. Nach einer später veröffentlichten Regierungsmitteilung gilt das Exportverbot bis zum 31. Juli. Als Ursache für die zunehmenden Versorgungsprobleme gelten unter anderem die verstärkten ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur. Medienberichten und Angaben lokaler Behörden zufolge kam es in zahlreichen Regionen Russlands zu Treibstoffrationierungen oder Engpässen. (Quellen: Telegram, dpa, tagesschau, ntv) (jal)