Ukraine: Viele Tote bei russischen Angriffen
Die russische Armee hat die Ukraine erneut mit einer großen Zahl von Raketen und Drohnen angegriffen. Die Behörden melden inzwischen mindestens 19 Tote. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj zielten viele Attacken auf die ukrainische Energieinfrastruktur.
Besonders schwer getroffen wurde die nördliche Stadt Pryluky. Dort schlug eine russische Rakete in ein fünfstöckiges Wohngebäude ein. Mindestens 13 Menschen starben, wie der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Tschaus, mitteilte. Rettungskräfte suchten in den Trümmern des teilweise eingestürzten Gebäudes nach Überlebenden.
Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden in der Hauptstadt Kiew mindestens zwei Tote in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden. Zwei Menschen seien dort lebend gerettet worden.
Auch die Industriestädte Dnipro und Krementschuk wurden demnach massiv beschossen. In der Region Poltawa gab es zwei Todesopfer. Industrieanlagen in Dnipro und die Verkehrsinfrastruktur in Saporischschja wurden zudem beschädigt.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland insgesamt 130 Drohnen, 48 Marschflugkörper und ballistische Raketen ab. Die Flugabwehr habe 161 Flugkörper abgefangen.
Zahlreiche Explosionen in Kiew zu hören
In Kiew waren in den frühen Morgenstunden zahlreiche Explosionen zu hören, berichteten Reporter des Nachrichtenportals Kyiv Independent. "Die Raketen schlagen eine nach der anderen ein. Soweit ich zählen kann, sind es mindestens zehn bis zwölf Explosionen. In der Innenstadt ist es ziemlich laut", wurde ein Reporter zitiert. Bürgermeister Klitschko berichtete von einem Angriff auf Gebäude im Bezirk Obolon, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil seien Lagerhallen getroffen worden.
Nach Angaben des russischen Militärs wurden Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenproduzenten Fire Point in Kiew und anderen Städten angegriffen. Zudem seien die Hafen- und Werftinfrastruktur in der Schwarzmeer-Region sowie Schiffe ins Visier genommen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Letztere seien für die ukrainischen Streitkräfte genutzt worden.
Angriffe in Sumy
Am Abend zuvor hatte es bereits zu einem Drohnenangriff in der nordostukrainischen Großstadt Sumy gegeben. Die Nachrichtenagentur RBK Ukraine berichtete unter Berufung auf den Bürgermeister von einem Toten und mehreren Verletzten. Selenskyj hatte gestern Abend bereits eindringlich vor neuen russischen Attacken gewarnt, die für heute erwartet worden waren.
Ihrerseits griff die Ukraine Ziele tief in Russland an. Zwei russische Ölanlagen und ein Truppenübungsplatz in den Regionen Perm, Samara und Astrachan seien attackiert worden, teilte Selenskyj auf Telegram mit. "Dies sind gerechtfertigte Antworten der Ukraine auf alle russischen Angriffe auf unsere Bevölkerung", erklärte er.
Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen eine Invasion der russischen Streitkräfte. Trotz vieler Kämpfe gibt es an der Front im Osten des Landes kaum Bewegung. Sowohl Russland als auch die Ukraine greifen inzwischen vermehrt Ziele weit hinter der Front an, um die Wirtschaft des Gegners zu schwächen.