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Ukrainer in russischer Armee: „Russland war schon immer in meinem Herzen“

Welt

Die taz panterstiftung präsentiert unter taz.de/unserfenster jeden Mittwoch eine wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien. Mit diesem Projekt stärkt die taz panterstiftung unabhängigen Journalismus und ermöglicht es kritischen Redaktionen, ihre Arbeit auch unter schwierigen Bedingungen fortzuführen. Meduza öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Text lesen Sie hier auf Russisch. Der ukrainische Jugendliche Oleksandr Mustjazje geriet nach Beginn des russischen Großangriffs in das von Russland besetzte Gebiet der Region Cherson. Dort kämpft er inzwischen auf russischer Seite, fand die investigative ukrainische Initiative Back to Ukraine heraus. Das Projekt untersucht die Militarisierung und Russifizierung ukrainischer Kinder und sammelt Material in einer Datenbank. Öffentlich tritt das Projekt bislang ausschließlich über Konten auf Instagram und Threads in Erscheinung, die erst in der zweiten Julihälfte eingerichtet wurden. Wer hinter der Initiative steht, ist nicht bekannt, schreibt das russische Exilmedium Meduza. Auch Mustjazje ist in der Datenbank erfasst. Laut dem Eintrag lebte er im Dorf Krynky in der Region Cherson im Süden der Ukraine, das nach 2022 von russischen Truppen besetzt und weitgehend zerstört wurde. Mustjazje war 14 Jahre alt, als der russische Großangriff begann, inzwischen ist er 19. Back to Ukraine fand sein Profil im russischen sozialen Netzwerk VKontakte, auf dem er Fotos von sich in russischer Militäruniform veröffentlichte. Auf einigen Bildern trägt er zudem das „Z“, das Symbol des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Mustjazje wurde verwundet und kehrte an die Front zurück Nach eigenen Angaben rekonstruierte die Initiative mithilfe eines Kameraden, dass Oleksandr Mustjazje im Herbst 2025 verwundet wurde. Anschließend behandelte man ihn im Burdenko-Hauptmilitärkrankenhaus in Moskau, dann kehrte er an die Front zurück. Am 3. August teilte Back to Ukraine mit, ein weiteres VKontakte-Profil von Mustjazje entdeckt zu haben, das er unter dem Namen „Oleksandr Famenok“ führt. Die Aktivisten nahmen Kontakt zu ihm auf und schrieben ihm. Man wisse in der Ukraine, dass er auf russischer Seite kämpfe. Sie baten ihn, seine Beweggründe zu erklären. Mustjazje bestritt seine Teilnahme am Krieg nicht. „Ich stehe immer zu meinem Land. Russland war schon immer in meinem Herzen“, antwortete er. „Wenn ein in der Ukraine geborener Mensch Russland aufrichtig als ‚seine Seite‘ betrachtet, dann ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis systematischer Einflussnahme“, sagen Experten von Back to Ukraine. Sie fordern die Entwicklung einer umfassenden staatlichen Informationsstrategie für die Bevölkerung der vorübergehend besetzten Gebiete. „Jeder weitere Monat und jedes weitere Jahr der Besatzung führt dazu, dass wir diese Menschen auch mental verlieren.“ Sprich: Die Menschen werden einer Gehirnwäsche unterzogen. Aufgezwungener Wehrdienst Es gibt keine verlässliche Gesamtstatistik, wie viele der russifizierten Jugendlichen später tatsächlich als Soldaten in der russischen Armee dienen. Laut einem aktuellen Länderbericht des deutschen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden ukrainische Jungen, die in den besetzten Gebieten 18 Jahre alt wurden, aufgrund der ihnen aufgezwungenen russischen Staatsbürgerschaft zu einem zwölfmonatigen Wehrdienst in der russischen Armee verpflichtet. Der von Back to Ukraine veröffentlichte Fall von Oleksandr Mustjazje fand in zahlreichen ukrainischen Medien Beachtung, unter anderem hromadske, Ukrajinska Prawda und Babel. Auch Mykola Kuleba, der ehemalige Kinderrechtsbeauftragte des ukrainischen Präsidenten und Leiter der Hilfsorganisation Save Ukraine, griff das Thema auf. Laut Meduza hat jedoch außer Back to Ukraine bislang niemand versucht, mit Mustjazje Kontakt aufzunehmen. Back to Ukraine hat auch Informationen über weitere ukrainische Kinder veröffentlicht, die nach Kriegsbeginn in den von Russland annektierten Gebieten geblieben sind oder nach Russland gebracht wurden. Laut dem ukrainischen Projekt Bring Kids Back, das auf Initiative von Präsident Wolodymyr Selenskyj ins Leben gerufen wurde, befinden sich rund 1,6 Millionen ukrainische Kinder unter russischer Kontrolle. Sie leben entweder in den von Russland annektierten Gebieten oder wurden seit 2014 nach Russland gebracht. Bislang konnten lediglich 2.441 von ihnen zurückgeführt werden.

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